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Den Sprachfrieden nicht mit der «Abrissbirne» zerstören

Der Kantonsrat hat die Initiative zur Streichung der zweiten Fremdsprache in der Primarschule klar abgelehnt.

Viel hat sich im Kantonsrat in den letzten zehn Jahren nicht geändert. Im Juli 2006 hatte das Kantonsparlament die Volksinitiative zur Streichung der zweiten Fremdsprache an der Primarschule mit 90:65 Stimmen abgelehnt. Gestern fiel der gleiche Entscheid mit 96:68 Stimmen. Auch die Meinungen innerhalb der Parteien haben sich kaum verändert – mit einer erstaunlichen Ausnahme.

«Ein Ja zur Initiative käme einer Kapitulation gleich.»

H. Hugentobler, EVP-Kantonsrat

Die EVP, vor zehn Jahren noch an vorderster Front bei den Initianten dabei, stimmte gestern gegen das Volksbegehren. «Wir treten ein für eine zukunftsorientierte Bildung», sagte Hans­peter Hugentobler (EVP, Pfäffikon). Ein Ja zur Initiative käme seiner Meinung nach einer Kapitulation gleich. Parteipräsident Johannes Zollinger bestätigte gestern am Rande der Debatte, dass die Wende in der Fraktion mit dem Rücktritt des damaligen Meinungsmachers Hans-Peter Amstutz zusammenhänge.

Geschlossen für die Initiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule» votierte die SVP. Für Fraktionssprecherin Anita Borer (Uster) ist dies eine logische Forderung. «Das frühe Fremdsprachenlernen ist wissenschaftlich umstritten.» Auch wies sie auf die Überlastung des Schulpersonals hin und auf mögliches Sparpotenzial in der Lehrerausbildung. Rochus Burtscher (Dietikon) redete von «Zwängerei», wenn man an der zweiten Fremdsprache festhalte. «Mit diesem Unterricht produzieren wir frustrierte Schüler.» Neben der EDU stimmte auch die Mehrheit der Grünliberalen für die Initiative. Christoph Ziegler (GLP, Elgg) sprach von «Symbolunterricht». Mit der Streichung einer Fremdsprache könne er als Sekundarlehrer nachhaltigen Erfolg garantieren.

«Mit der Streichung einer Sprache können wir den Aufwand senken.»

Anita Borer, SVP-Kantonsrätin

Die Gegner der Initiative räumten ein, dass es im Unterricht Schwächen gebe. Doch darauf müsse man mit Verbesserung und nicht mit Streichung reagieren. FDP-Sprecherin Cäcilia Hänni (Zürich) sprach von einem «Salto rückwärts». Mit der Initiative werde der Lernwillen der Kinder missachtet. Französisch und Englisch seien ein Must, wenn man beruflich etwas erreichen wolle. Die CVP befürchtet, dass bei einem Ja Englisch auf die Oberstufe verschoben würde, was für Corinne Thomet (Kloten) «nicht akzeptabel» wäre.

Benno Scherrer (GLP-Minderheit, Uster) betonte, der Kanton Zürich könne mit einem Nein zur Initiative ein Zeichen setzen – für die internationale Ausrichtung Zürichs und für die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Bei den Linken wurde die politische Dimension der Vorlage ebenfalls stark gewichtet. So fürchtete etwa Karin Fehr Thoma (Grüne, Uster) Irritationen in der Romandie. Ruedi Lais (SP, Wallisellen) warnte davor, den Sprachenfrieden in der Schweiz mit der «Abrissbirne» zu zerstören. Er wies zudem auf die zunehmende Benachteiligung sprachlicher Minderheiten in Osteuropa hin, die man mit der Initiative auch in der Schweiz fördere.

Unter den Buh­rufen aus der SVP fragte Lais: «Sind wir eigentlich blöd, künstlich das Problem des Sprachennationalismus zu importieren?» Bei den Sozialdemokraten hat die Initiative allerdings auch einige Sympathisanten. Fünf von ihnen haben sich bei der Abstimmung enthalten.

«Wir dürfen das Niveau an der Primarschule nicht senken.»

Silvia Steiner, CVP-Regierungsrätin

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) betonte, in der Schule gebe es mindestens so viele Unter- wie Überforderte. Darum dürfe man das Niveau an der Primarschule nicht senken. Sie wies auch auf den finanziellen Schaden einer Streichung hin. Bisher hat der Kanton 41 Millionen Franken an die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen bezahlt. Dazu kommen Investitionen in Lehrmittel, die überflüssig würden. Die Volksabstimmung findet voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017 statt.

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