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Der Kronzeuge schiesst zurück

Der Schweizer Xavier Justo, der den Milliarden-Korruptionsfall um den malaysischen Staatsfonds 1MDB aufdeckte, redet erstmals öffentlich – und reicht Strafanzeige gegen seine Gegner ein.

Laura und Xavier Justo haben in Zürich schwere Vorwürfe erhoben.
Laura und Xavier Justo haben in Zürich schwere Vorwürfe erhoben.
Sabina Bobst

Über ein Jahr lang hatte er geschwiegen – bis jetzt: Gestern schilderte Xavier Justo, der Schweizer Kronzeuge im Milliardenskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB, erstmals seine Geschichte. Der 51-Jährige erhob vor ausgewählten Medien im Hotel St. Gotthard in Zürich schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Erdölfirma Petrosaudi.

Justo sass von Juni 2015 bis Dezember 2016 in Thailand im Gefängnis. «Meine Verhaftung war von Beginn weg orchestriert», sagte er. «Ich wurde zu einem falschen Geständnis gezwungen.»

«Grösster Fall von Kleptokratie in der Geschichte der USA»

Die Ölfirma mit Sitz in London ist in die 1MDB-Affäre verstrickt, welche US-Chefermittlerin Loretta Lynch den «grössten Fall von Kleptokratie in der Geschichte der USA» nannte. Konkret geht es um 700 Millionen Dollar, die 2009 vom Staatsfonds 1MDB an ein Ölprojekt von Petrosaudi und 1MDB hätten fliessen sollen – dann aber beim malaysischen Playboy Jho Low landeten. Die Zahlung ist laut der US-Justiz Teil einer gigantischen Geldwäschereioperation im Umfang von 4 Milliarden Dollar. Millionen sollen auch bei Premierminister Najib Razak gelandet sein.

Wie Xavier Justo jetzt enthüllte, haben er und seine Frau Laura am 23. Oktober 2017 Strafanzeige gegen Petrosaudi-Gründer Tarek Obaid und zwei weitere Beteiligte eingereicht. Autor der Anzeige ist der Anwalt und Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher. Die Anzeige nennt 13 Tatbestände, darunter Erpressung, Drohung und Verleumdung.

Petrosaudi und Tarek Obaid bestreiten jedes Fehlverhalten. «Xavier Justo versucht einmal mehr, die Geschichte neu zu erfinden», teilte deren Anwalt mit. Die Wahrheit sei einfach: Justo habe Daten gestohlen und seinen früheren Arbeitgeber erpresst. Der Zeitpunkt der Pressekonferenz lasse den Verdacht aufkommen, dass es einen Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen in Malaysia gebe. Petrosaudi und Obaid hätten ihre Aussagen vor den zuständigen Behörden gemacht und würden darauf warten, bis dort die Wahrheit etabliert werde.

Justo bestritt gestern jeglichen Zusammenhang mit den Wahlen in Malaysia. Er hatte ab 2010 in London für Petrosaudi gearbeitet. Tarek Obaid kannte er aus Genf. Die beiden Männer zerstritten sich, Justo verliess das Unternehmen 2011; es entstand ein Streit um eine Abgangsentschädigung. Zuerst war von 6,5 Millionen Franken die Rede, am Ende flossen 4 Millionen.

Ex-Arbeitgeber soll versucht haben, ihn anzuschwärzen

Justo sagt, er habe im Mai oder Juni 2011 von einem Petrosaudi-Informatiker Daten erhalten, darunter 227 000 interne E-Mails. Aus Sicht der Firma war das ein Diebstahl – was Justo bestreitet. Er und seine Frau wanderten dann nach Thailand aus. 2013 kontaktierte er Petrosaudi nochmals und forderte die fehlenden Millionen ein. Dabei erwähnte er, dass er im Besitz der Daten sei. Petrosaudi ging darauf nicht ein. Im Februar 2015 gab Justo den Datensatz an die britische Journalistin Clare Rewcastle Brown weiter, die damit den 1MDB-Skandal zum Platzen brachte. Vier Monate später verhafteten die Behörden Justo auf der Insel Ko Samui.

In Zürich griff der Kronzeuge nun Petrosaudi an: Die Ölfirma habe bei seiner Verhaftung von Beginn weg die Fäden gezogen. Bezahlte Spezialisten hätten die Behörden beeinflusst, bis hin zur Kontrolle von Besuchern im Gefängnis. Gleichzeitig hätten Petrosaudi-Leute ihm einen Schweizer Anwalt und einen PR-Berater bezahlt, um seinen Auftritt in der Presse zu steuern. Der Anwalt habe rund 300 000 Franken Honorar erhalten. Die Idee der ganzen Aktion: ihn zu diskreditieren.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte gestern den Eingang der Anzeige. Man prüfe sie zurzeit.

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Dieser Text stammt aus der Ausgabe vom 18. März 2018. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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