Die Formel E bleibt auf ihrem eigenen Kurs

Am Samstag beginnt die fünfte Saison der Elektro-Rennserie. Diese wird nun von einem Greifvogel gejagt und verspricht wiederum Spektakel.

Startbereit für die neue Formel-E-Saison: Der Schweizer Sébastien Buemi hat die Testfahrten im Boliden seines neuen Arbeitgebers Nissan hinter sich.

Startbereit für die neue Formel-E-Saison: Der Schweizer Sébastien Buemi hat die Testfahrten im Boliden seines neuen Arbeitgebers Nissan hinter sich. Bild: Kai Försterling/Keystone

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Die Formel E wählte für ihren neuen Werbespot eine Szenerie, die – nun ja – speziell ist. Ihr Rennwagen steht in der Wüste Saudiarabiens. Die Räder drehen durch, das Elektrogefährt schiesst los und hetzt über die Strasse, die sich durch den Sand pflügt, verfolgt dabei von einem Wanderfalken. 320 km/h Spitzentempo erreiche dieser, heisst es, 280 km/h das Auto.

Wenig später stösst Felipe Massa über Funk ein «Yeah!» aus, ein «Come on!». Der Brasilianer, dem in der Formel 1 der Ruf der ewigen Nummer 2 anhaftete und der sich nun in der Elektro-Rennserie versucht, gewinnt den Wettkampf gegen den Falken. Der Unterlegene nimmt daraufhin erst einmal Platz auf dem Arm des Rennfahrers.

Es ist das skurrile Ende eines skurrilen Filmchens, das zumindest auf den ersten Blick wenig mit dem Bild zu tun hat, das die Formel E in den letzten Jahren von sich zeichnete. Maschine gegen Tier, brachiale Motorengewalt, Rennsport in der Wüste – alles andere verkörperte die ­Serie.

So oder doch anders

Die Macher gingen mit ihr mitten in die Grossstädte und sahen sich als Missionare. Sie wollten die Bevölkerung überzeugen, dass vernünftige Elektroautos Alternativen sein können zu unvernünftigen Verbrennern, dass ein Umdenken stattfinden muss – zum Wohl der ganzen Welt.

Vor dem Rennen in Zürich posierte Sébastien Buemi in der Stadt: In der neuen Saison saust der Schweizer Formel-E-Pilot durch Bern. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Doch Sexiness war dabei eben stets der grösste Treiber. Und die definiert sich bei Autos gemeinhin noch immer über möglichst viel Leistung. So zischten und knallten die Boliden im letzten Juni auch in der Zürcher Enge mit horrenden Geschwindigkeiten über den Asphalt und liessen 150'000 staunende Zuschauer zurück. Die Botschaft: Elektroautos können auch so.

Vorbei am Bärengraben

Davon sollen die Schweizer in dieser Saison erneut überzeugt werden. Diese beginnt am Samstag in Diriyya, einem Vorort der saudiarabischen Hauptstadt Riad. Am 22. Juni 2019 steht Bern im Kalender, das Zürich ersetzt. Am Rande der Altstadt und vorbei am Bärengraben werden die Autos rasen. Sie tun das nun noch schneller als bislang.

Denn: Vielleicht haben sie es in der Formel E ja etwas übertrieben mit ihrem Werbespot, nur ist ihr grösster Star eben nicht der langjährige Ferrari-­Pilot Felipe Massa, sondern ihr neues Auto, das sie in der Wüste deshalb mit derart viel Tamtam in Szene setzten, weil es für die Entwicklung ihrer Technologie steht, für Leistung und Sexiness.

Der komplett neue Rennwagen für die fünfte Saison ist mit seiner aggressiven Linienführung, den verkleideten Vorder- und Hinterrädern sowie dem zweigeteilten Heckflügel ein grosser Hingucker. Doch das Prunkstück liegt unter der Verkleidung. Die Batterie, die nicht mehr von Williams, sondern von McLaren stammt, leistet 54 Kilowattstunden und damit fast doppelt so viel. Und: Sie hält durch.

Kein Umsteigen mehr

Sicherheitshalber wurden die ­E-Prix von rund 60 auf 45 Minuten plus eine Runde verkürzt, dafür ist ein Umsteigen auf einen Zweitwagen zur Rennhälfte nicht mehr nötig. Das hilft der Reputation der Formel E, nimmt ihr aber auch ein Spannungsmoment. Dafür haben die Piloten neu die Möglichkeit, durch eine gekennzeichnete Zone neben der Ideallinie zu fahren und sich ­damit das Recht auf eine höhere Leistung zu sichern. Für eine gewisse Zeit dürfen sie dann 30 PS mehr abrufen. Die Formel E geht auch in ihrem Reglement Wege, über die Motorsportpuristen die Nase rümpfen dürften. Nur gibt ihr der Erfolg recht.

Nun verhelfen ihr grosse Automarken zu noch mehr Aufmerksamkeit. Im letzten Jahr ist Audi mit einem Werksteam eingestiegen, jetzt folgen BMW und Nissan. Die Japaner ersetzen ­Renault und sind damit der neue Arbeitgeber des Schweizers Sébastien Buemi. Nächste Saison stossen Mercedes und Porsche dazu. Das alleine wäre eigentlich schon Werbung genug. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.12.2018, 12:34 Uhr

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