Die schwierige Spezies Mensch

Gibt es Zweifel bei einem Trainer, dann hilft auch eine Kiste Barolo nichts mehr.

Er stehe «wie eine Eins» hinter ihm, sagte Uli Hoeness vor kurzem noch über Niko Kovac. (Bild Getty)

Er stehe «wie eine Eins» hinter ihm, sagte Uli Hoeness vor kurzem noch über Niko Kovac. (Bild Getty)

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Er stand in der grossen Küche vor dem Pizzaofen, einer wie bei uns in Italien, soll er beeindruckt gesagt haben. Carlo Ancelotti war eingeladen von Uli Hoeness in dessen Haus hoch über dem Tegernsee. Er brachte eine Kiste Barolo mit und viel Schinken aus der Emilia-Romagna. Es wurde ein langer Abend, sie haben viel getrunken und gegessen und über manches geredet, über die schönen Seiten des Lebens, sie sind beide Genussmenschen.

Nur der eigentliche Grund, weshalb Bayern-Präsident Hoeness seinen damaligen Trainer Ancelotti zu sich nach Hause eingeladen hatte, wurde kein Thema. Hoeness wollte ihm mitteilen, dass sie gar nicht zufrieden seien mit der Entwicklung der Mannschaft. Sie sprachen über alles andere, und für ernste Sachen war der Zeitpunkt zu später Stunde irgendwann nicht mehr angemessen. Einige Monate später wurde Ancelotti entlassen.

Und nun Niko Kovac. Der letzte Name in der Reihe jener, die im Uli-Hoeness-Club während der langen Uli-Hoeness-Zeit – 14808 Tage, vom Mai 1979 bis kommenden Freitag – in München Trainer waren. Kovac war zuletzt nicht bei Hoeness eingeladen, aber noch vor kurzem hatte der Präsident gesagt, er stehe «wie eine Eins» hinter ihm, egal, was auch passiere. Kovac war sein Trainer, aber auch nur, weil sein ewiger Trainer Jupp Heynckes endgültig nur noch auf seinem Bauernhof leben wollte.

Kovac hat zuletzt Fehler gemacht, in der Kommunikation nach aussen, aber offenbar auch nach innen, Trainer und Spieler entfernten sich voneinander. Aber eines war der Sohn kroatischer Eltern, der in Berlin aufgewachsen war, immer: Er hat sich nie verbogen, blieb auch bei Angriffen gegen seine Person höflich und besonnen, er prahlte nie, war respektvoll. Einmal sagte er, der fast jeden Sonntag in die Kirche geht: «Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, in diesem Job Mensch zu bleiben. Der Mensch ist schon eine schwierige Spezies.»

Vielleicht passte Kovac mit seiner leisen Art nicht in diesen lauten Verein. Aber vielleicht hätte gerade er ihm so gut tun können, mit etwas mehr Geduld. Er ist immerhin der Einzige, der mit Bayern München als Spieler (2003) wie auch als Trainer (2019) das Double gewann, Meisterschaft und Cup. Es genügte nicht. «Was will der FC Bayern mit diesem Trainer?», fragten sich einige schon, als er kam. Die Zweifel begleiteten ihn.

Sind einmal Zweifel da, helfen auch eine Kiste Barolo und feiner italienischer Schinken nichts mehr. Hoeness sagt aber, fast alle Trainer seien seine Freunde geblieben.

Erstellt: 12.11.2019, 16:19 Uhr

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