Ein äusserst charmantes Ekel

Gandalf, Richard III. und jetzt in «The Good Liar» ein Betrüger: Ian McKellen hat viele Paraderolle. Wie macht er das?

Trügerische Nähe: Roy (Ian McKellen) lässt sich von Betty (Helen Mirren) die Haare schneiden.

Trügerische Nähe: Roy (Ian McKellen) lässt sich von Betty (Helen Mirren) die Haare schneiden.

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Betty (Helen Mirren) wartet in einem Restaurant auf Roy (Ian McKellen) – die beiden haben sich über eine Dating­plattform für ältere Menschen kennen gelernt. Roy sieht gut aus, ist charmant und intelligent, ein vollendeter Gentleman. Sobald aber das Date vorbei ist, geht er in den nächsten Stripschuppen – er trifft sich dort mit einigen Investmentbankern, um sie über den Tisch zu ziehen.

Roy ist nämlich ein skrupelloser Betrüger. Und er hat es auf die Ersparnisse von Betty abgesehen. «The Good Liar» bietet Ian McKellen reichlich Möglichkeiten, sich als Schauspieler auszutoben: In der Rolle von Roy darf er äusserst liebenswürdig, aber auch ein wider­wärtiges Ekel sein. Das hilft darüber hinweg, dass der Krimiplot von Nicholas Searles Roman fürs Kino eher unbeholfen adaptiert wurde.

Ian McKellen spielt einen alten Trickbetrüger: «The Good Liar». Video: YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Von McKellens Spielfreude konnte sich der «Züritipp» eben erst in London überzeugen: Dort im West End gastiert der Brite zurzeit mit dem Liveprogramm «Ian McKellen on Stage». Da erzählt er aus seinem Leben und gibt Kostproben von seinen Lieblingsrollen. Er beginnt, natürlich, mit dem Zauberer Gandalf aus «Lord of the Rings». McKellen liest aus Tolkiens Buch vor, es ist die Szene, in der sich Gandalf dem dämonischen Balrog auf einer Brücke entgegenstellt. «You shall not pass!» Der Satz wird ihn bis ans Lebensende verfolgen, die Rolle machte ihn weltberühmt. Mehr noch als die des Magneto in den «X-Men»-Filmen.

Dann geht McKellen auf der Bühne zu seinen Anfängen zurück: Er wurde 1939 geboren, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in einem Dorf bei Manchester. In der grossen Stadt entdeckte der kleine Ian mit drei Jahren das Theater für sich – seine Eltern nahmen ihn in eine Vorstellung von «Peter Pan» mit. Es war um ihn geschehen: In der Schule und während des Studiums stand er nebenher auf der Bühne, nach dem Abschluss wurde er Theaterschauspieler. Unter anderem war er in der National Theatre Company unter Laurence Olivier, er machte sich einen Namen als Darsteller in Shakespeare-Stücken.

Je nach Szene ein anderes Gesicht

Zu einem ­Skandal kam es 1969 wegen einer ­Inszenierung von Christopher Marlowes «Edward II», in der McKellen den schwulen König spielte. Geoutet hat sich der Schauspieler aber doch erst 1988 – im Kampf gegen ein Gesetz, das es Kommunalbehörden verbieten sollte, positiv über Homosexualität zu sprechen. Leider ohne Erfolg; der Paragraf blieb bis 2003 in Kraft.

Im Theater längst etabliert, hatte McKellen in den 90ern auch als Filmschauspieler seinen Durchbruch. In «Ian McKellen on Stage» wird klar, dass er den Gandalf ebenso gern gibt wie Macbeth oder Richard III. Und so wie es Spass macht, ihn auf der Bühne in ganz verschiedenen Rollen zu sehen, so macht es auch Spass, wie er seinem Roy in «The Good Liar» je nach Szene ein ganz anderes Gesicht gibt.

In diversen Kinos

Erstellt: 28.11.2019, 13:38 Uhr

Ian McKellens beste Rollen

Richard III.
«Richard III», von Richard Loncraine, GB 1995
Schon in der Bühneninszenierung, auf die der Film basiert, spielte McKellen den machtgierigen König. Die Story ist in ein faschistisches England der 30er versetzt, McKellen changiert lustvoll zwischen Hitler und Darth Vader.

James Whale
«Gods and Monsters», von Bill Condon, USA / GB 1998
Sanft und subtil spielt McKellen James Whale, den Regisseur von «Frankenstein» und «The Bride of Frankenstein». In den 50ern lebt dieser wegen seiner Homosexualität isoliert und verliebt sich in einen Gärtner (Brendan Fraser).

Magneto
«X-Men»-Reihe (seit 2000)
Als Kind wurde Erik Lensherr von den Nazis interniert – als Erwachsener hat er die Fähig­keit, Metall zu kontrollieren, und nennt sich Magneto. McKellen spielte den charismatischen Bösewicht in fünf der X-Men-Filme.

Gandalf
«Lord of the Rings»-Trilogie, «The Hobbit»-Trilogie
McKellen hatte Tolkiens Bücher nie gelesen, bevor er den Zauberer spielte. Nun ist Gandalf seine bekannteste Rolle. Und auf seine Schulter ist das elbische Wort für «neun» eintätowiert – als Erinnerung daran, dass er einer der neun Gefährten war.

Freddie Thornhill
«Vicious», 2013–2016
Seit 50 Jahren sind Freddie (McKellen) und Stuart (Derek Jacobi) zusammen. Die Sitcom lebt von den Bosheiten, die sie sich an den Kopf werfen. «Sie müssen Stuart verzeihen; er wurde als Kind nie geliebt. Oder als Erwachsener.»







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