Ein Teenager lässt den ZSC verzweifeln

Die Zürcher verlieren gegen Servette 1:2, obschon bei diesem ab Spielmitte der 19-jährige Debütant Charlin das Tor hütet.

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Als alles vorbei war, die Spieler in den Kabinen verschwunden waren, ertönten im Hallenstadion die beruhigenden Klänge von Bob Marleys «Three Little Birds». Diesen Song hatte der harte Kern der ZSC-Fans im Frühling in der Platzierungsrunde gesungen. Mit dem Refrain: «Don’t worry about a thing, cause every little thing gonna be all right.»

Vieles ist tatsächlich gut geworden bei den ZSC Lions, sie sind seit geraumer Zeit Leader. Aber ihre Formkurve weist derzeit steil nach unten. Sie haben in der Meisterschaft drei von vier Spielen verloren. Nimmt man das 3:6 im Cup gegen Ajoie dazu, sogar vier von fünf Partien.

Gegen Servette war auch das dritte Saisonduell ein äusserst zähes. Die Genfer sind eine der grossen Überraschungen dieses Herbstes und dank des 2:1 im Hallenstadion nur noch drei Punkte hinter den Lions. Die Mannschaft weiss genau, was sie tut, angeführt von den ergrauten NHL-Veteranen Wingels, Winnik und Fehr, die keine Kabinettstückchen aufführen, aber Abend für Abend ihre Leistung bringen. Diesmal war Winnik die entscheidende Figur in der Offensive mit den Toren zum 1:1 (14.) und 2:1 (43.).

Mayers üble Attacke

Der Mann des Spiels war aber der erst 19-jährige Goalie Stéphane Charlin, der in der 34. Minute sein National-League-Debüt gab. Dies, weil Mayer für einen Faustschlag gegen den Kopf Krügers mit fünf Minuten plus Spieldauer in die Kabine geschickt worden war und Descloux verletzt ist. Ein fast fünfminütiges Powerplay gegen Charlin wäre für die ZSC Lions die ideale Gelegenheit gewesen, das Spiel beim Stand von 1:1 in ihre Bahnen zu lenken. Aber es resultierten nur ein paar wenig überzeugende Weitschüsse. Und je länger, desto sicherer wurde Charlin. Er wehrte alle 23Schüsse auf sein Tor ab.

Die ZSC Lions strebten ihren zweiten Treffer erst in den letzten zehn Minuten mit der nötigen Vehemenz an, doch der Puck sprang nicht mehr für sie. Suter, der das frühe 1:0 (4.) erzielt hatte, trauerte vor allem dem längeren Powerplay nach der Genfer Torhüterrochade nach. «Wenn ein Goalie neu reinkommt und noch kalt ist, muss man ihn so richtig testen», sagte er.

Den Zürchern geht momentan die Selbstverständlichkeit im Angriff ab, die sie lange ausgezeichnet hatte. In den letzten vier Spielen haben sie nur noch sechs Tore erzielt.

Das Rezept, um wieder mehr Tore zu schiessen, sei einfach, so Suter: Wieder mehr Druck machen aufs gegnerische Tor. Das Schussverhältnis lautete gegen Servette zwar 37:21, doch oft fehlte jemand, der dem gegnerischen Goalie die Sicht nahm oder einen Abpraller hätte verwerten können.

Auch Rikard Grönborg vermisste vor dem Tor die «Dringlichkeit», wie er sagte. Gegen Servette hat sich sein Team in dieser Saison in der Offensive besonders schwergetan: In drei Duellen hat es nur drei Tore zustande gebracht.

Es half auch nicht, dass Krüger im dritten Abschnitt nicht mehr auf dem Eis stand. Er hatte nach dem Faustschlag Mayers weitergespielt und begab sich nach der zweiten Pause normal zurück auf die Bank, fuhr dann aber wieder heraus, bevor das Spiel weiterging. Was darauf hindeutet, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten haben könnte. Grönborg hatte gar kein Verständnis für die Attacke Mayers: «Wir reden immer davon, wie wichtig der Respekt ist. Aber das war total respektlos. Ich erwarte eine lange Sperre.»

Der HCD braust heran

Weiter geht es für die Lions heute beim HCD, der von hinten heranbraust wie ein Schnellzug. Was die Punkte pro Spiel betrifft, sind die Bündner schon seit ein paar Runden Leader. «Schön zu sehen, wie gut die Davoser spielen», sagte Grönborg. «Sie und wir zeigen, wie viel frische Ideen bewirken können.»


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Erstellt: 29.11.2019, 23:34 Uhr

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