Flüchtlinge in Wohnungsnot

Um Neuankömmlinge unterzubringen, nimmt der Kanton einstige Asylunterkünfte wieder in Betrieb, etwa in Zollikon. Es staut derweil in den Durchgangszentren.

Die Unterkunft Buechholz in Zollikon wurde bereits 2008 für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt.

Die Unterkunft Buechholz in Zollikon wurde bereits 2008 für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt. Bild: Esther Michel

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Immer mehr Flüchtlinge treffen in der Schweiz ein, die bestehenden Asylunterkünfte im Kanton Zürich sind inzwischen alle belegt und haben für Neuankömmlinge kaum noch Platz. Deshalb aktiviert die kantonale Sicherheitsdirektion ihre Reserven. Mitte September wird die Asylunterkunft Buechholz in Zollikon wiedereröffnet. Die Unterkunft wurde in den vergangenen Jahren wiederholt als Notunterkunft genutzt, letztmals im Jahr 2012. Sie bietet Platz für 80 Personen. Wie in früheren Jahren betreut die Firma ORS Service AG die Flüchtlinge.

Die Zivilschutzanlage in Zollikon ist bereits die dritte Unterkunft im Kanton, die in den letzten Wochen wieder in Betrieb genommen wurde. Seit Anfang dieser Woche bietet die Asylunterkunft an der Dorfstrasse in Zürich-Wipkingen 90 Plätze für Flüchtlinge. Betrieben wird sie von der Asylorganisation Zürich (AOZ), die auch für das Bundeszentrum für Asylsuchende im Juch-Areal in Zürich-Altstetten mit seinen 300 Plätzen verantwortlich ist. Um dieses zu entlasten, übernachten seit Mitte Juli 48 Männer je höchstens siebenmal in der Zivilschutzanlage an der Saumstrasse in Zürich-Wiedikon.

«Grössere zweistellige Zahl» Flüchtlinge auf Wohnungssuche
Der Mediensprecher der Sicherheitsdirektion, Urs Grob, möchte nicht von Platznot sprechen. «Angespannt, aber unter Kontrolle» sei die derzeitige Situation im Kanton Zürich. Grob betont: «Grundsätzlich werden alle Neuankömmlinge untergebracht.» Detaillierte Angaben zur Belegungssituation in den kantonalen Unterkünften, die rund 1800 Plätze umfassen, macht die Sicherheitsdirektion nicht.

Die Sorge des Kantons gilt nicht nur der Unterbringung der Neuankömmlinge, sondern auch der Wohnsituation der vorläufig aufgenommenen und anerkannten Flüchtlinge. Aufgrund ihres schnell abgeschlossenen Asylverfahrens hält sich eine «grössere zweistellige Zahl» solcher Personen, darunter auch Familien, noch in Durchgangszentren auf. «Diese Menschen können sich im Kanton Zürich frei niederlassen und sind deshalb auf der Suche nach Wohnmöglichkeiten», sagt Grob. Für die Integration sei schliesslich eine eigene Wohnung und das möglichst schnelle Finden einer Arbeit entscheidend.

Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) fordert Hauseigentümer auf, Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. «Was wir derzeit am dringendsten brauchen, ist Wohnraum für Flüchtlinge, die in unserem Land bleiben und hier eine neue Existenz aufbauen möchten», sagte Fehr bereits Anfang Woche, als bekannt wurde, dass die katholische Kirche dem Kanton eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie zur Verfügung stellt und ihn bei der Suche nach Wohnraum unterstützt.

Vermieter, die freien Wohnraum an anerkannte Flüchtlinge vermieten möchten, können sich direkt beim kantonalen Sozialamt melden.

Erstellt: 11.09.2015, 13:18 Uhr

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