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Kaum einer rechnet mit Küng – gut für ihn

Der Titelverteidiger ist heute in der WM-Abfahrt von St. Moritz Aussenseiter. Das ist ein gutes Omen.

Überrascht er wieder alle? Patrick Küng, Weltmeister von 2015.
Überrascht er wieder alle? Patrick Küng, Weltmeister von 2015.
Keystone

Wer das hinkriege, der sei ein Siebesiech. Patrick Küng schmunzelt, vielleicht denkt er in diesem Moment ein klein wenig an sich. Denn ein Siebesiech, das ist im Jargon des 33-Jährigen derjenige, der es schafft, an dem Tag bereit zu sein, an dem es um die Medaillen geht.

Nun, an der WM in St. Moritz ist das dem Glarner zwar noch nicht gelungen, im Super-G belegte er Platz 22, und gestern hatte er gar nicht die Möglichkeit dazu, weil die Abfahrt wegen Nebels im Mittelteil abgesagt wurde. Aber er hat dieses Kunststück schon einmal vollbracht, 2015 in Beaver Creek.

Ein Kunststück, nichts anderes ist es, wenn es einem Skirennfahrer gelingt, an diesem Tag, dem Tag X, bereit zu sein, besser vorbereitet zu sein als die anderen, die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Aggressivität zu finden. «Es ist viel schwieriger für uns, das zu steuern, als für einen Langläufer», sagt Küng In Ausdauersportarten ist vor allem die Kondition gefragt, der Formaufbau kann besser geplant werden.

Er klagt über mangelnde Wertschätzung

Im alpinen Skirennsport bestimmen deutlich mehr Faktoren darüber, ob es aufgeht oder nicht. Auch der Kopf. Ein Vorteil hat, wer Selbstvertrauen sammelt vor dem Grossanlass, es regelmässig aufs Podest schafft, so zumindest die Meinung der Experten.

Bei Küng scheint das etwas anders zu sein. Der seit dem Rücktritt von Marc Berthod älteste Swiss-Ski-Athlet schlägt lieber dann zu, wenn keiner mit ihm rechnet. Das war in Wengen 2014 so, das war vor allem so bei der letzten Weltmeisterschaft in Beaver Creek vor zwei Jahren. Küng tauchte auf der Liste der Favoriten nicht auf, nie zuvor in dem Winter war er auf dem Podest gestanden. Und dann wurde er Abfahrtsweltmeister.

Dem Routinier liegt die Rolle als Aussenseiter, er steht weniger im Fokus als seine Teamkollegen Beat Feuz und Carlo Janka. Das empfindet er manchmal zwar als mangelnde Wertschätzung, es scheint ihm aber ganz gut zu gehen in dieser Rolle. Von ihm erwartet an dieser WM keiner ein Wunderding wie von Feuz, einem der meistgenannten Favoriten für die Abfahrt, die heute nachgeholt werden soll.

Erst recht nicht jetzt. Fast ein Jahr lang hatte Küng pausieren müssen, ehe er in diesem Winter zurückkehrte nach seiner Verletzung an der Patellasehne. Das Comeback verlief bescheiden, nur einmal schaffte er es in die Top 10, in der Abfahrt von Val-d’Isère wurde er Siebter. Der Januar mit den Rennen in Kitzbühel und Garmisch, wo sich die Abfahrer in Form hätten bringen sollen: eine Enttäuschung für Küng.

Küng kann riskieren, während andere Angst vor Fehlern haben

Es spricht einmal mehr viel gegen ihn – und das wiederum spricht für ihn. Küng verrät es selber, wenn er sagt: «Vielleicht ist es für die WM gar nicht so schlecht, dass ich es im Januar nicht so gut hinbekommen habe.» Er kann angreifen, riskieren, während andere Angst davor haben, Fehler zu machen. «Ich weiss es von Beaver Creek: Es kann schnell gehen. Man weiss nie, was passiert.»

Küng glaubt an seine Chance, das hat auch Gründe. Die Piste Corviglia hat Ähnlichkeiten mit der Birds of Prey in Beaver Creek. Keine Kurve ist gleich wie die davor, es braucht viel Bewegung, in einen Rhythmus zu finden, ist schwierig. Zudem ist der Schnee in St. Moritz ähnlich wie der in Übersee: kompakt, aggressiv, nicht eisig wie auf den meisten europäischen Strecken. Und: Im einzigen Training, das Küng bestritt, wurde er Dritter.

Vielleicht also ist wieder er der Siebesiech, der es an dem Tag hinkriegt, an dem es um die Medaillen geht.

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