Kinder im Sterne-Restaurant?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu störendem Nachwuchs beim Essen.

Ein bisschen Reflexion und Rücksicht seitens der Eltern wäre eventuell angezeigt: Schreiendes Kind im Restaurant. Foto: Getty Images

Ein bisschen Reflexion und Rücksicht seitens der Eltern wäre eventuell angezeigt: Schreiendes Kind im Restaurant. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kürzlich sind wir für ein paar Tage in zwei exzellenten Vierstern-Superior-Hotels abgestiegen. Beim Abendessen sind wir jeweils am selben, vom Hotel für uns bestimmten, Tisch platziert gesessen. Neben uns wurde in beiden Hotels jeweils eine Familie mit einem Kleinkind platziert, welches im Minutentakt gekreischt und gebrüllt hat. Dem nicht genug, stieg uns jeden Abend früher oder später ein penetranter Windelgeruch in die Nase. Das hat uns nicht nur die Stimmung, sondern auch den Appetit verdorben. Es gab leider keine Ausweichmöglichkeit, da die Hotels ausgebucht waren. Wie verhält man sich am besten in einer solchen Situation?
R. E.

Liebe Frau E.,

Sie sind keine böse Person, das weiss ich. Sie haben auch nichts gegen Kinder. Sie wollten einfach in einem gehobenen Restaurant in Ruhe essen. Das dünkt mich legitim. Die Problematik besteht darin, dass Mütter und Väter auf den Hinweis, das schreiende Kind sei, nun, etwas gar laut, oft mit Maximalempörung reagieren. Was verblüffend ist.

Ich meine: Man sollte doch als Eltern ein Vorbild sein. Und dazu gehört trotz der Überzeugung, das eigene Kind sei das Schönste-Beste-Klügste, ein bisschen Reflexion (könnte das Gebrüll als störend empfunden werden? Richtige Antwort: ja) und Rücksicht (sollte das Gebrüll als störend empfunden werden, wäre es eventuell angezeigt, die Übung zumindest vorübergehend abzubrechen? Richtige Antwort: ja).

Lassen Eltern diese Fähigkeit vermissen, ist zu befürchten, dass sich im Nachwuchs die Gewissheit breitmacht, ein Geschenk Gottes zu sein. Er wird fortan nach dem Motto «Ich mache, was ich will und wann ich will und wo ich will» durchs Leben gehen, weil Mami und Papi diese Totalentfaltung stets befürworteten. Völlig verkennend, dass das Kind dadurch unsympathisch wird, was aus erzieherischer Sicht äusserst unklug ist, denn das Unsympathen-Dasein erweist sich später im Leben als Handicap. Und das können Eltern nicht wollen: das eigene Kind vorsätzlich mit einem sozialen Nachteil ausstatten.

Das müssen Sie denen aber gar nicht erklären. Sie sollten beim Nebentisch ohnehin nicht persönlich vorstellig werden, auch dann nicht, wenn Sie das überaus behutsam und höflich tun würden. Es ist einfach zu gefährlich. Delegieren Sie die Angelegenheit daher ans Personal. Dieses hat hoffentlich einen Deeskalationskurs absolviert und ist hart im Nehmen oder nahkampferfahren. Lassen Sie jedenfalls ein grosszügiges Trinkgeld da.

Bettina Weber

Erstellt: 21.08.2017, 10:47 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...