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Köbi Kuhn aus 50 Metern

Er war brillant und schlitzohrig – auch damals beim Spiel mit den Veteranen. Eine Erinnerung.

MeinungFredy Wettstein
Einer der Besten, den die Schweiz je hatte: Köbi Kuhn, hier im Duell mit Karli Odermatt.
Einer der Besten, den die Schweiz je hatte: Köbi Kuhn, hier im Duell mit Karli Odermatt.
Keystone

Es war peinlich. Zum In-den-Boden-Versinken. Für immer. Um möglichst unsichtbar zu sein. Denn: ausgerechnet er.

Nur nicht von ihm. So dachte ich, vorher. Bloss kein Tor von ihm, und deshalb eigentlich die Augen während des ganzen Spiels nur auf ihn gerichtet, sehr konzentriert.

Dann war er am Ball, weit weg, sehr weit weg, eigentlich so weit weg, dass ich gar nicht sicher war, ob er es wirklich ist. Aber er war es, hinter der Mittellinie, also wirklich weit weg. Und er muss mich gesehen haben, vor allem muss er gesehen haben, dass ich etwas gar weit vor meinem Tor stand, vielleicht nur deshalb, weil ich ihn ja nicht aus den Augen verlieren wollte.

Er sah es also, und ich sah, wie er eine schnelle Bewegung zum Ball machte, aus dem Fuss gelenk schoss er, und der Ball flog und flog und flog, er war vielleicht 40, eher 50 Meter in der Luft, und ich ahnte das Unheil, er flog über mich hinweg, in hohem Bogen, einem sehr hohen Bogen, ich lief oder stolperte vielmehr rückwärts, aber der Ball flog schneller, eigentlich langsam, aber doch zu schnell. Ins Tor.

Es war ein Samstagmorgen. Wir spielten auf dem Fallacher in Küsnacht mit den Veteranen gegen den FC Zürich. Und eben Köbi Kuhn. Er war gegen 60, schon Nationalcoach, er hinkte, sein Gang war schleppend, die Hüfte. Aber er war auch jetzt schlitzohrig. Er rief nach seinem Schuss an diesem Morgen etwas, von weit, sehr weit weg, es muss ziemlich spöttisch gewesen sein, meine Kollegen grinsten nur, ich wollte es nicht hören.

Einige Wochen später sagte er, er schmunzelte dabei, und er sagte es auf seine liebe Art, eher väterlich: «Du, damals, dieses Tor, unhaltbar, der Ball hatte so viel Drall und auch der Wind war doch heftig.»

So war er, als Spieler, als Mensch. Als Spieler nicht nur schlitzohrig, nicht nur brillant, er hat auch, sagen jene, die gegen ihn gespielt haben, verbal manches gesagt, das mit unfein nur vornehm beschrieben wird; als Mensch aber immer bescheiden, mit einem sanften, fast schon buddhistischen Lächeln, sich stets zurücknehmend. Daniel Jeandupeux, der sein erstes Länderspiel mit ihm bestritten hatte, später mit ihm beim FCZ zusammenspielte und ihn als Nachwuchskoordinator erlebte, als er selber den FCZ trainierte, schrieb im «Le Matin» in seinem Nachruf: «Lieber Köbi, wenn die Spielfelder da oben gut sind, warte auf mich, ich spiele dann gerne mit Dir.»

An Freitag wird das Grossmünster in Zürich überfüllt sein bei Kuhns Abschiedsspiel.

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