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Konsumenten können Geld sparen – dank freiem Marktzugang

Die Haushalte sollen ab 2018 ihren Stromanbieter frei wählen können. Ob sie es in grosser Zahl tun, ist fraglich.

In drei Jahren soll der Strommarkt für alle Konsumenten in der Schweiz geöffnet sein, also nicht nur für Grosskunden wie bis anhin, sondern auch für die Haushalte und das Gewerbe. Bereits weiter ist das Ausland. Grossbritannien hat als erster europäischer Staat seinen Stromsektor 1990 geöffnet. In der Folge hat die EU die Liberalisierung vorangetrieben. Das Ziel: ein europäischer Strombinnenmarkt.

Die Haushalte haben darauf unterschiedlich reagiert. Während in Grossbritannien, Norwegen und Holland jedes Jahr mehr als jeder zehnte Haushalt seinen Anbieter wechselt, sind es etwa in Griechenland nur vereinzelte. Dabei unterschätzten die Konsumenten das Sparpotenzial, wie Untersuchungen zeigen. Auch in Deutschland ist die Wechselrate mit 6 Prozent tief – und dies, obschon ein Vierpersonenhaushalt gegen 400 Euro pro Jahr sparen könnte, also rund ein Drittel der Stromrechnung.

In der Schweiz sind Absetzbewegungen im grossen Stil ebenfalls eher unwahrscheinlich. Urs Meister von der wirtschaftsnahen Denkfabrik Avenir Suisse erwartet vor allem in den ersten Jahren Wechselraten im sehr tiefen einstelligen Bereich: «Weil hierzulande die Einkommen durchschnittlich höher sind, dürfte die Preissensitivität der Schweizer geringer sein als in anderen Ländern Europas.» Zu Beginn werden in Meisters Einschätzung vor allem die grösseren Verbraucher Sparpotenziale nutzen, etwa Haushalte mit Wärmepumpen.

Dass der Markt durchaus spielt, zeigt sich in der Schweiz bei den Grosskunden. Nachdem in den ersten zwei Jahren nach der Marktöffnung 2009 nur wenige von ihnen den Lieferanten gewechselt haben, steigt die Wechselrate seither stetig. Heuer wird bereits ein Drittel der Grossverbraucher den Strom am freien Markt beziehen. Die Preise dort sind offenbar günstiger als diejenigen in der Grundversorgung geworden. Im Unterschied zu den Haushalten reagieren grosse, industrielle Verbraucher allerdings preislich sensibler. «Sie nutzen Einsparpotenziale üblicherweise sehr konsequent, um international konkurrenzfähig zu bleiben», sagt Meister.

Vergleich befeuert Wettbewerb

Falsch wäre es, allein die Höhe der Wechselrate als Mass dafür zu nehmen, ob der Markt funktioniert. Denn in vielen Fällen werden bestehende Verträge wegen des Preisdrucks neu ausgehandelt. Umgekehrt wechseln grosse Verbraucher nicht einzig wegen des absoluten Preisniveaus, wie Meister sagt. Sie würden einen Anbieter auch deshalb wählen, weil er ihnen ein besonders strukturiertes Produkt anbieten könne, dazu gehörten etwa Produkte mit Absicherung gegen Preisschwankungen.

Eine wichtige Funktion im voll geöffneten Strommarkt werden Vergleichs­portale wie der neue Online-Stromvergleich des Internet-Vergleichsdienstes Comparis erlangen. Urs Trinkner vom Beratungsunternehmen Swiss Economics erwartet, dass das neue Instrument die Wettbewerbsintensität steigern wird: «Das Portal senkt die Suchkosten der Kunden, indem es Transparenz bezüglich Erzeugungsmix und Preisen schafft und das geschätzte Einsparpotenzial direkt anzeigt.»

Auch Comparis rechnet mit einem verschärften Konkurrenzkampf. Selbst wenn nur ein Teil der Konsumenten von der Wahlfreiheit Gebrauch mache, befeuere dies die Anstrengungen der Anbieter, Effizienz und Qualität der Angebote beziehungsweise das Preis-Leistungs-Verhältnis zu verbessern, sagt ein Comparis-Sprecher. «Nur Anbieter, die keine Kunden verlieren können, strengen sich nicht an.» Allerdings: Die Schweizer gelten selbst bei grossem Sparpotenzial als eher wechselfaul. Dies zeigen laut Comparis die Erfahrungen in den Sparten Banken, Versicherungen und Telecom.Stefan Häne

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