Bekommen gestresste Mütter eher Mädchen?

Stress in der Schwangerschaft führt oft zu Komplikationen. Eine Folge: Frauen verlieren häufiger männliche Föten. Doch die Partner können etwas dagegen tun.

Kann Auswirkungen auf das Ungeborene haben: Bei einigen Frauen führt die Schwangerschaft zu Depressionen. Foto: iStock

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Belastungen in der Schwangerschaft haben weitreichende Folgen für das Kind – und können dazu führen, dass mehr Mädchen als Jungen geboren werden. Wie stark dieser Einfluss ist, zeigt eine Studie im Fachblatt PNAS. Die Psychologin Catherine Monk von der Columbia University in New York sah sich darin an, wie sich welche Art von Stress auf die Schwangerschaft auswirkt.

Dafür füllten 187 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren während ihrer Schwangerschaft Fragebögen aus, führten Tagebuch und liessen sich regelmässig körperlich untersuchen. Anhand von insgesamt 27 Stressindikatoren machten Monk und Kollegen drei Gruppen aus.

Bei psychisch gestressten Müttern treten mehr Komplikationen während der Geburt auf.

17 Prozent der Frauen berichteten über negative Gedanken, fühlten sich überfordert, zeigten Symptome einer leichten bis mittelschweren Depression oder litten an Angstzuständen. Ähnlich viele Frauen hatten Anzeichen einer körperlichen Belastung, einen erhöhten Blutdruck zum Beispiel und die Neigung, mehr zu essen als sie eigentlich brauchten. Die übrigen Schwangeren waren gesund und dienten als Kontrollgruppe.

Bei den psychisch gestressten Müttern traten mehr Komplikationen während der Geburt auf als in den anderen beiden Gruppen. Im Vergleich zu den gesunden Frauen hatten die körperlich gestressten mehr Frühgeburten, 22 Prozent der Kinder kamen vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Zudem passte sich die Herzfrequenz dieser Säuglinge nicht so gut ihren Körperbewegungen an, was Monk als Zeichen einer verzögerten Hirnentwicklung deutet. «Das muss sich noch in grösseren Studien zeigen», relativiert Elisabeth Binder, Neurowissenschaftlerin und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

Männliche Föten sind empfindlicher als weibliche

Monk konnte zugleich zeigen, dass sich Stress auf das Geschlechterverhältnis der geborenen Kinder auswirkt. In der Gruppe der gesunden Mütter waren 56 Prozent der Kinder männlichen Geschlechts, dagegen brachten nur 40 Prozent der psychisch gestressten Frauen Jungen zur Welt, 31 Prozent waren es in bei den körperlich gestressten Schwangeren.

Es ist bekannt, dass männliche Föten weniger robust sind als weibliche. Die Folge: Sind die Bedingungen im Mutterleib nicht ideal, kommt es leichter zu Fehlgeburten männlicher Föten, oft geschieht dies schon in ganz frühen Stadien der Schwangerschaft. Forscher wissen auch, dass sich der Mutterkuchen von weiblichen und männlichen Föten stark voneinander unterscheidet – jenes Gewebe, das mögliche negative Einflüsse der Mutter aufs Kind abpuffern soll.

«Wir haben keine Anzeichen, dass Frauen heute unter mehr Stress leiden als früher.»Elisabeth Binder, Neurowissenschaftlerin

«Darin wird zum Beispiel das Stresshormon Kortisol aus dem Blut der Mutter abgebaut», erklärt Binder. Womöglich funktioniert das bei männlichen Föten nicht so gut wie bei weiblichen, so dass mehr schädliches Kortisol übertreten kann. Dennoch fürchtet die Medizinerin nicht um das Fortbestehen des männlichen Geschlechts: «Wir haben keine Anzeichen dafür, dass Frauen im Allgemeinen heute unter mehr chronischem Stress leiden als früher», sagt sie.

Allerdings haben andere Forscher Hinweise darauf gefunden, dass sich womöglich auch akute Ereignisse auf Schwangerschaften auswirken. So berichteten Wissenschaftler, dass Frauen in New York nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 weniger Jungen als üblich zur Welt brachten.

Die soziale Unterstützung in der Schwangerschaft ist entscheidend.

Und kürzlich zeigten Forscher im Fachblatt Jama einen möglichen Zusammenhang zwischen der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten und dem Verlauf von Schwangerschaften lateinamerikanischer Frauen in den USA. In den neun Monaten nach dem Sieg des gegen Migranten hetzenden Politikers gab es unter diesen Frauen mehr Frühgeburten als sonst.

Unter allen Einflussfaktoren stellte sich aber in Monks Studie die soziale Unterstützung in der Schwangerschaft als entscheidend heraus: Ob die werdenden Mütter jemanden hatten, mit dem sie reden und Zeit verbringen konnten und ob jemand da war, auf den sie sich verlassen konnten. Das heisst auch, sagt die Psychologin, dass man mit Unterstützung von Schwangeren etwas gegen den Stress tun kann.

Erstellt: 09.11.2019, 21:12 Uhr

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