Der einflussreichste Künstler heisst Hans Haacke

Die Kunstzeitschrift «Monopol» hat ihre jährliche Rangliste veröffentlicht. Schweizer tauchen erst weit hinten auf.

Seine Kunst ist immer politisch und, so die Kunstzeitschrift «Monopol», heute relevanter denn je: Hans Haacke. Foto: Getty Images

Seine Kunst ist immer politisch und, so die Kunstzeitschrift «Monopol», heute relevanter denn je: Hans Haacke. Foto: Getty Images

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Der deutsche Künstler Hans Haacke führt die vom Magazin «Monopol» ermittelte Liste der bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt an. In der Begründung heisst es: «Seit Beginn seiner Karriere versteht Hans Haacke die Kunst als politischen Raum. Sein Aktivismus war immer präzise statt laut, seine Gesellschaftskunst ist heute relevanter denn je.»

Das Kunstmagazin zieht mit der Auswahl wichtiger Künstler, Kuratoren, Sammler und Galeristen in seiner Dezember-Ausgabe ein Resümee des zu Ende gehenden Jahres. Auf Platz zwei steht mit der Fotografin Nan Goldin eine Aktivistin, deren Protest dazu geführt hatte, dass die Mäzenatenfamilie Sackler als Geldgeberin in der Kunst nicht mehr gefragt ist. Ebenfalls aus politischen Gründen motiviert ist ein vorderer Rang für die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und den senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr, deren Bericht zur Restitution kolonialen Raubguts «die europäische Museumslandschaft aufgerüttelt» habe, wie es heisst (Platz 15).

Dass die Liste zahlenmässig nur gerade so ausgewogen ist zwischen Männer- und Frauennamen, fällt schon deswegen nicht auf, weil Künstlerinnen wie Hito Steyerl (10) und Henrike Naumann (11) auf den vorderen Plätzen liegen. Und weil Museumsdirektorinnen wie Susanne Pfeffer (4) vom Museum Moderner Kunst Frankfurt und Maria Balshaw (6) von der Londoner Tate offensiv vor Max Hollein vom Metropolitan Museum oder Glenn D. Lowry vom Museum of Modern Art in New York gesetzt wurden.

Eine Nennung berührt: Auch wenn sie eigentlich eine Liste der Lebenden ist, habe man dem im März verstorbenen Kurator und Dichter Okwui Enwezor, zuletzt Direktor am Münchner Haus der Kunst, den dritten Platz freigehalten, schreiben die Herausgeber Elke Buhr und Sebastian Frenzel. Er sei «seiner Zeit immer voraus gewesen», begründen sie die Ausnahme. «Sein grosses Thema, das Ende des eurozentrischen Blicks, wird uns noch lange begleiten, seine intellektuelle Brillanz bleibt eine ständige Inspiration.»

Beste Schweizer: Das Galeristen-Ehepaar Wirth

Schweizer Künstler spielen im Ranking eine eher marginale Rolle. Auf die vorderen Plätze haben es aber ein Schweizer Galeristen-Ehepaar, ein Kurator, ein Kunstmessedirektor und eine Kunstsammlerin geschafft. Auf Platz 16 stehen Iwan und Manuela Wirth mit ihrem auf drei Kontinenten präsenten Galerienimperium, das sie zu einem eigentlichen Mischkonzern entwickeln (so «Monopol»). Auf Platz 22 wird der Direktor der Londoner Serpentine Gallery, Hans Ulrich Obrist, als wegweisender Austellungsmacher gewürdigt. Marc Spiegler, der seit 2012 die Art Basel leitet, folgt auf Platz 28. Auf Platz 36 hat es die Roche-Miterbin Maja Hoffmann geschafft, die mit ihrer Luma Foundation in Arles ein neues Kunstmekka erbaut hat.

Erst auf Platz 78 nehmen wir eine Schweizer Künstlerin wahr. Es ist die Baslerin Miriam Cahn, die letztes Jahr im Kunstmuseum Bern, im Kunsthaus Bregenz, in der Reina Sofía in Madrid und im Haus der Kunst in München ausgestellt wurde. Auf Platz 100 schliesslich gibt es noch einen Basler: Christoph Büchel, der für die Venedig­-Biennale in diesem Jahr das umstrittenste Werk lieferte. Es handelte sich um das Wrack eines Schiffes, das mit 1000 Flüchtenden im Mittelmeer gesunken war. «Monopol» lobt: «Er hat damit ein Kunstwerk geschaffen, das sich nicht vereinnahmen und auch nicht aushalten lässt.»

(red/chm)

Erstellt: 21.11.2019, 15:32 Uhr

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