«Multikulti tötet»

Rechte Aktivisten stören in Wien Aufführung eines Flüchtlings-Stücks von Elfriede Jelinek.

Rangeleien und Kunstblut im Wiener Theater: Identitäre stürmen Audimax. (Video: Youtube / diepressecom)


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Rund 40 Aktivisten der sogenannten «Identitären» haben am Donnerstagabend in Wien die Aufführung des Flüchtlings-Stücks «Die Schutzbefohlenen» von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gestürmt. Vor rund 700 Besuchern im Audimax der Universität Wien rannten die rechtsgerichteten Aktivisten auf die Bühne, verspritzten Kunstblut und warfen Flugblätter mit dem Slogan «Multikulti tötet» ins Publikum, berichtete die Polizei am Freitag. Es kam zu Rangeleien.

Das Stück wurde von Flüchtlingen, Asylbewerbern und Schauspielern aufgeführt. Als die alarmierte Polizei eintraf, waren die rechten Störer bereits geflüchtet. Bei der Fahndung konnten einige wenige Verdächtige angehalten werden. Die Aufführung wurde unter Polizeischutz beendet.

Verbaler Angriff

Das Stürmen der Bühne sei eine «ästhetische Intervention» gewesen, hiess es später auf der Website der «Identitären». Die Aktion habe sich nicht «gegen die Asylanten auf der Bühne, sondern gegen die Heuchler im Publikum und der Politik» gerichtet.

Auch die Autorin des Stückes, Elfriede Jelinek, «und ihre scheinheiligen Theaterstücke, die niemals die Opfer auf europäischer Seite zeigen» wurden verbal angegriffen. Gleichzeitig kündigten die «Identitären» weitere Aktionen auf ihrer Website an: Es gebe «keine ruhige Minute» für die «Profiteure des Bevölkerungsaustausches mehr».

«Die Schutzbefohlenen» wird am 21. Mai, zwischen 17 Uhr und 1 Uhr morgens, in Zürich in sechs Stationen gezeigt; beteiligt sind Schauspielhaus, Theater Neumarkt, Gessnerallee, Rote Fabrik und Theater Winkelwiese, in Zusammenarbeit mit dem Opernhaus. (ama/sda)

Erstellt: 15.04.2016, 14:48 Uhr

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