Darf weg

Das E-Trotti ist ökologisch fragwürdig und steht im Weg rum. Eine Abrechnung.

Ein Gerät mit Coolness-Defizit: E-Trotti.

Ein Gerät mit Coolness-Defizit: E-Trotti. Bild: iStock/bortnikau

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Sie suchten die Eidgenossenschaft heim wie ein biblischer Fluch. Sie kamen in kürzester Zeit in rauen Mengen und quasi aus dem Nichts.

E-Trottis. In den letzten zwölf Monaten ploppten sie in fast allen grossen Schweizer Städten auf. Diese wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die Stadt Zürich etwa brütet derzeit darüber, wie sie mit den wackligen Batterienträgern künftig umgehen soll. Das Resultat der Analyse ist im Frühling zu erwarten. 2400 Trottis von vier Anbietern stehen mittlerweile in der Stadt herum.

Dabei sind E-Trottis ein Mysterium des Nahverkehrs. Wozu man sie braucht, ist nach wie vor unklar. Denn im Gegensatz zum E-Bike kann das E-Trotti die tägliche Auto- oder Zugfahrt zur Arbeit nicht ersetzen. Und auf der kurzen Strecke ist es dem ÖV oft unterlegen: Wenn die Fahrtzeit grosso modo dieselbe ist, der Trotti-Trip aber teurer als das Billett. Und im Bus oder Tram kann man ja noch Musik hören, ein Buch lesen, einen Film schauen, et cetera.

Auf der Strasse ist das E-Trotti eine Irritation. Mal rollts übers Trottoir, mal neben den Autos (was korrekt wäre). Mal gibt es abrupt Gas, dann wieder fährt es viel zu langsam. Oft wissen E-Trotti-Fahrer selber nicht, was zu tun wäre. Und im Gegensatz zum gewöhnlichen Velofahrer tun sie dabei nichts für ihre Gesundheit.

In einem Jahr zu Schrott

Kommt hinzu: Das E-Trotti hat ein eklatantes Coolness-Defizit. In seiner Urform ist das Trottinett das ideale Fortbewegungsmittel für kleine Kinder. Wer sich als Erwachsener aufs E-Trotti stellt, verwandelt sich in einen Kindergärtler, der auf unerklärliche, grausame Weise früh vergreist ist. Nein, kein schöner Anblick.

Dritter Punkt: Umweltschutz. Hier fällt das E-Trotti ebenfalls durch. Eine Umfrage unter den Anbietern in Zürich zeigt, dass die Geräte maximal zwei Jahre fahrtauglich sind. Manche Bauarten halten im Schnitt nicht mal ein Jahr durch, dann müssen sie bereits entsorgt werden. Wobei die Batterie die Wiederaufbereitung deutlich verkompliziert. Der alte Drahtesel ist eindeutig die ökologischere Wahl.

Für die Allgemeinheit sind die E-Trottis zudem ein zweifelhafte Angelegenheit. Die Anbieter besetzen öffentlich finanzierte Plätze und Wege. Trotz neuer Regeln stehen sie oft quer in der Gegend herum. Sicher, etwas Unordnung kann einer Schweizer Stadt guttun – vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um lieblose Massenware. Auch profitiert die Stadt finanziell kaum. Der Trotti-Hype brachte Zürich knapp 150’000 Franken an Gebühren ein. Ein schlechter Deal.

Bald mehr davon

Doch sind die E-Trottis überhaupt gefragt? Dazu gibt es von den Anbietern kaum konkrete Zahlen, dafür viel PR-Sprech: «Hohe Nachfrage», «starker Anstieg». Einzig der kleine Anbieter Bird verrät, eines seiner 300 Trottis in Zürich würde pro Tag zwei- bis fünfmal benutzt.

Für 2020 kündigen diverse Anbieter eine Flottenausweitung an. Ganz nach dem Motto: Was einem ständig vor der Nase steht, kann nicht überflüssig sein.

Erstellt: 07.11.2019, 14:41 Uhr

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