Nicht wegen mir!

Sondern meinetwegen: Wo Martin Ebel päpstlicher als der Papst und strenger als der Duden ist.

Auf Schweizerdeutsch gibt es keinen Genitiv. Das macht den Schweizern beim Übersetzen Probleme. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Ich bin ja nicht der Papst und auch nicht der Duden, aber manchmal muss man päpstlicher als der Papst und strenger als der Duden sein. Der erlaubt nämlich nach der Präposition «wegen» den Dativ. Beziehungsweise lässt er ihn, markiert als «umgangssprachlich», zu. Tatsächlich begegnet es uns tagtäglich in der gesprochenen Sprache, dass jemand «wegen meinem Husten» zu Hause bleiben muss, «wegen dem kaputten Auto» später kommen will und so weiter. «Wegen mir», sagt dann der Chef, wenn er gut gelaunt ist.

Ja, wir hören das ständig. Leider. Denn es ist wirklich falsch. Da gibt es kein Vertun, schon gar nicht hier in der Sprachsprechstunde. «Wegen» verlangt den Genitiv, einen sowieso vom Aussterben bedrohten Kasus. Im Schweizerdeutschen gibt es ihn gar nicht, im Hochdeutschen aber sehr wohl, und wenn Schweizer korrektes Hochdeutsch sprechen wollen – und solche Situationen gibt es! –, dann müssen sie halt den Genitiv pflegen. Mündlich wie schriftlich. Jedenfalls dort, wo er hingehört.

«Wegen mir» habe ich den fiktiven Chef zitiert, dessen Mitarbeiter wegen des kaputten Autos später kommen darf. «Wegen dir» heissen diverse Liebeslieder diverser Schlagersänger und -sängerinnen. Auch das ist, ich muss es leider sagen, grottenfalsch. Und wie heisst es richtig? «Wegen meiner» ja wohl nicht. Sondern: «Meinet-» beziehungsweise «deinetwegen». Das lässt sich nur schlecht schlagersingen.

Heute bin ich streng, ich weiss. Aber dieser Fehler ist mir ein Graus. Auch Deutsche machen ihn dauernd. Vermeiden Sie ihn, auch im Mündlichen. Sonst gelten Sie bei feineren Ohren schnell als Sprachstümper. Und denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

Erstellt: 17.11.2019, 10:53 Uhr

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