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Alle 16 Sekunden eine neue Chemikalie

Hunderttausende Versuchstiere sterben jedes Jahr. Zürcher Forscher bieten neue Methode mit Fischzellen an.

30'000 Substanzen. Das ist die grosse Zahl der chemischen Stoffe, die in der Industrie, im Gewerbe und im Haushalt in der Schweiz verwendet werden, wie auf dem Infoblatt des Ökotoxzentrums Eawag-EPFL zu lesen ist. In der Landwirtschaft werden rund 1300 Tonnen Pflanzenschutzmittel jährlich eingesetzt. Eine Studie der Eawag und der ETH Lausanne im letzten Jahr zeigte, dass über 100 verschiedene Pflanzenschutzmittel in die Schweizer Gewässer gelangen und dabei der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert überschritten wird. In der Schweiz gibt es bislang keine umfassenden ökotoxikologischen Grenzwerte, die festlegen, ab welcher Konzentration eine schädigende Wirkung für Flora und Fauna nicht ausgeschlossen ist.

Seit 2006 muss der Produzent gemäss der Chemikalienrichtlinie Reach nachweisen, dass neue Substanzen für den europäischen Markt kein ökologisches Risiko für die Umwelt bedeuten. Allerdings durchlaufen derzeit jährlich nur etwa 10 neue Substanzen, die in grossen Mengen hergestellt werden, ein umfangreiches Testverfahren. Um die Zulassungsrichtlinien Reach zu erfüllen, müssten 300-mal mehr Stoffe getestet werden. Hinzu kommt, dass heute eigentlich auch alte Chemikalien, die vor 1980 auf dem Markt waren, registriert werden und dementsprechend ausführlich auf das Ökorisiko getestet werden müssten.

Einen zufriedenstellenden Vollzug gibt es nicht. Gleichzeitig kommen täglich Tausende neue Substanzen hinzu. Die weltweit grösste Datenbank für einzelne chemische Substanzen feierte Ende Juni nicht nur das 50-Jahr-Jubiläum, sondern auch die hundertmil­lionste registrierte Chemikalie. Was dabei auffällt: Ungefähr 75 Millionen Substanzen sind in den letzten zehn Jahren entwickelt worden. Oder anders: In den letzten 50 Jahren wurde im Durchschnitt alle 16 Sekunden eine neue Chemikalie registriert. Martin Läubli

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