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Sags doch per Mail

Daniel Glattauers Bestseller «Gut gegen Nordwind» wurde verfilmt. Wie funktioniert ein E-Mail-Roman im Film?

Verbunden durchs Smartphone: Selbst am Strand liest Emmi (Nora Tschirner) Leos Nachrichten.
Verbunden durchs Smartphone: Selbst am Strand liest Emmi (Nora Tschirner) Leos Nachrichten.

«Ich kann es nicht. Ich kann ­Ihnen diese Welt nicht mitteilen. Sie ­können niemals ein Teil davon werden.» So schreibt Emmi ihrem Leo, als es darum geht, die ­privaten Verhältnisse offenzulegen. Emmi ist verheiratet, Leo frisch getrennt, und ihr virtuelles Anbandeln ist einem ­Zufall – dem Verschreiben einer E-Mail-Adresse – geschuldet.

13 Jahre nachdem Daniel Glattauers Bestseller «Gut gegen Nordwind» erschien, kommt die Lovestory ins Kino. Doch bevor der Film beginnt, denkt man wie Emmi: Das wird nicht funktionieren. Glattauers Roman bestand ausschliesslich aus E-Mail-Korrespondenz, und gegen dieses Kopfkino haben es Filmbilder schwer.

Regisseurin Vanessa Jopp und Drehbuchautorin Jane Ainscough halten mit einem cleveren Konzept dagegen: In der ersten Filmhälfte sind wir ganz bei Leo (Alexander Fehling) und hören Emmi (Nora Tschirner) nur als Stimme. Danach wechseln die Perspektiven hin und her. Und weil man ja heutzutage E-Mails von überall verschicken kann, sind die Figuren erstaunlich mobil, während sie ihre Texte aus dem Off sprechen.

Nur: Zu einem Treffen kommt es nicht, denn Leo begreift seine Emmi als Flucht aus dem Alltag, die er sich nicht mit der Realität versauen möchte. So bleibt er ein einsamer, nur von seiner Schwester (gespielt von der Zürcherin Ella Rumpf) verstandener «Homo gebeug­tus», der an seine Elektronik gekoppelt ist. Emmi wiederum hat multitaskend den Ehemann, die Stiefkinder und ihre eigene Sehnsucht zu managen.

Dass die Protagonisten ständig auf ihre Handys starren, muss man als Abbild der Realität akzeptieren. Dass sie sich manchmal unwissentlich am selben Ort aufhalten (gleichzeitig oder nacheinander), ist eine der stillen Pointen dieses Films. Doch das ist nicht alles: Einmal, da steigen Leo und Emmi jeweils bei sich zu Hause aufs Dach, es gibt Musik, Feuerwerk und Freuden­tränen, und spätestens da realisiert man als Zuschauer, wie lange man schon an den Augen und Mundwinkel dieser Schauspieler geklebt hat: Tschirner und Fehling, die auch privat mal ein Paar waren, haben es hinbekommen, dieser Fernbeziehung eine zauberhafte Nähe einzuimpfen. Und den Filmemacherinnen ist es geglückt, aus Glattauers Kopfkino eine urbane Seelenlandschaft zu gestalten.

In diversen Kinos

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