SBB schliessen eines der grössten Reisebüros am HB

Die letzten Reisebüros der SBB sind ab Freitag Geschichte. Die Wartezeit an den Schaltern des Zürcher Hauptbahnhofs könnte sich dadurch bald verkürzen.

Das SBB-Bahnreisezentrum am Hauptbahnhof Zürich stellt den Reisebürobetrieb ein.

Das SBB-Bahnreisezentrum am Hauptbahnhof Zürich stellt den Reisebürobetrieb ein. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Was seit Jahren Tradition hatte, endet mit dem Jahr 2015: Das Reisebüro der SBB im Reisezentrum des Zürcher Hauptbahnhofs schliesst seine Schalter für immer. Laut SBB-Sprecher Christian Ginsig werden die Arbeitsplätze am Zürcher Hauptbahnhof aber nicht ewig leer stehen. Bereits im Frühling werden diese zu weiteren herkömmlichen Beratungs- und Verkaufsschaltern umfunktioniert. Details seien noch in Planung.

Bargeldbezug statt Reiseberatung

Wie die SBB im Mai angekündigt hatten, stellen sie das Reisebürogeschäft auf Ende Jahr schweizweit ein. Dabei unterscheiden die SBB zwischen den bisherigen Reisebüros und Reisezentren. Während in den Reisebüros bis anhin klassische Ferienbuchungen möglich waren, werden in den Reisezentren weiterhin Dienstleistungen wie Billett- und Aboverkauf, Beratungen, Gruppenreisen, Geldwechsel und Gepäckaufgabe angeboten.

Die Flächen, auf denen sich die 160 Reisebüros befanden, sind alle im Besitz der SBB. Da wo eine räumliche Trennung zum Schalterbetrieb möglich sei, prüften sie, ob sie diese extern vermieten können. Das schreibt das Reisemagazin «Travel Inside». Am Bahnhof Winterthur beispielsweise zügelte das SBB-Reisebüro im Februar vorerst mit drei Schaltern ins neu entstandene Reisezentrum und machte einer rund 200 Quadratmeter grossen Starbucks-Filiale Platz. Per Ende Jahr schliessen nun auch dort die neuen Reisebüroschalter.

Am Bahnhof Luzern eröffneten die SBB erst Ende Oktober ein neues Reisezentrum. Auch dort hätten die neuen Reisebüroschalter integriert werden sollen. Aufgrund der jüngsten Entscheidungen haben die SBB diese aber erst gar nicht mehr eröffnet. Am ehemaligen Standort des Reisebüros werden ab Februar 2016 fünf Ticketautomaten sowie vier Automaten für den Bargeldbezug bereitstehen.

Konkret heisst die Schliessung der Reisebüros für die Kunden, dass sie in Zukunft keine Kreuzfahrten, Flug- oder Badereisen mehr buchen können, weder über Reisebüros noch online bei den SBB. Die Angebote für nationale und internationale Bahnreisen bleiben aber bestehen und können weiterhin an den Schaltern oder online gekauft werden. Auch Zugreisen in Kombination mit Hotelübernachtungen kann die Kundschaft weiterhin online kaufen. Kombiangebote für Tagesausflüge in den Zoo oder in Skigebiete bleiben am Schalter buchbar.

Zu starke Konkurrenz

Den Rückzug aus dem Reisebürogeschäft begründen die SBB mit der stetig sinkenden Nachfrage. So schrieben die hauseigenen Reisebüros in den vergangenen Jahren trotz Anstrengungen bei der Vermarktung ihrer Angebote Verluste in Millionenhöhe. Immer mehr Menschen würden ihre Reisen eigenständig online buchen, argumentierten die SBB.

Vom Rückzug der SBB aus dem Reisebürogeschäft sind rund 80 Angestellte betroffen. Diese werden künftig im Verkauf eingesetzt, Entlassungen gebe es keine. Auch Lernende sind laut «Travel Inside» von den Massnahmen betroffen: 20 befinden sich im letzten Lehrjahr und können ihre Berufslehre abschliessen, für die restlichen Lehrlinge mussten die SBB individuelle Lösungen suchen. Trotz Innovation wolle man bei den SBB auf Kundenberatung setzen. Die Anzahl bedienter Schalter soll mittelfristig nicht reduziert werden, dies obwohl heute bereits drei von vier Fahrkarten über Automaten oder als elektronisches Ticket gelöst werden.

Erstellt: 30.12.2015, 12:03 Uhr

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