Schlägt der Frauenbonus den Tessiner Bonus?

Die FDP-Nationalrätin Isabelle Moret soll in den Bundesrat, findet die Waadtländer FDP.

Wird von den FDP-Frauen bei einer allfälligen Kandidatur unterstützt: Die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret.

Wird von den FDP-Frauen bei einer allfälligen Kandidatur unterstützt: Die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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In einem Interview vor zwei Jahren plädierte sie dafür, dass das Tessin einen Bundesrat bekommen müsse – es ging damals um die Nachfolge von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP). Jetzt will sich die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret womöglich selbst als Bundesratskandidatin aufstellen lassen. Und zwar gegen einen Tessiner, ihren Parteikollegen Ignazio Cassis. Dabei gilt der Nationalrat und Fraktionschef eigentlich als sicherer Anwärter auf den Sitz des scheidenden Bundesrats Didier Burkhalter.

Das Hauptargument, das für Cassis spricht, ist ein regionales: Seit knapp zwanzig Jahren war das Tessin nicht mehr in der Regierung vertreten. Manche sprechen darum vom Tessiner Bonus. Allerdings hat die FDP aber auch seit knapp dreissig Jahren keinen weiblichen Bundesrat mehr gehabt: 1989 sah sich die letzte FDP-Bundesrätin, Elisabeth Kopp, wegen einer politischen Affäre zum Rücktritt gezwungen. Von dieser zeitlichen Lücke, als Dringlichkeit verstanden, könnte Moret nun profitieren. Manche sprechen darum von einem Frauenbonus.

Bemerkenswerte Modernität

2006 rückte Moret in den Nationalrat nach, davor sass die Anwältin während rund sieben Jahren im Waadtländer Kantonsparlament. In der Wandelhalle des Bundeshauses ist die 46-jährige Sozial- und Gesundheitspolitikerin bislang nicht besonders aufgefallen. Zu reden gibt hin und wieder mal ihre Kleidung: Moret trägt oft dunkle Lederjacken – in diesem Umfeld wohl ein Zeichen von bemerkenswerter Modernität.

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Gleichzeitig heisst das aber auch, dass sich Moret bisher keine Fehler geleistet hat. Das macht sie zu einer Bundesratsanwärterin, auf die sich die Bundesversammlung einigen könnte. Zudem spricht sie fliessend Italienisch und Deutsch, in welchem sie ihre Voten in der Kommission regelmässig zusammenfasst. Punkto Vernetztheit und Bekanntheit stehe sie nicht hinter Cassis zurück, findet SP-Nationalrätin Silvia Schenker, die mit beiden in der gesundheitspolitischen Kommission sitzt.

Ganz auf Parteilinie

Morets Politik wird als dezidiert bürgerlich beschrieben. In der Kommission sei sie aktiv und engagiere sich, sagt Schenker, bewege sich dabei in der Regel aber ganz auf Parteilinie. Das zeigt sich etwa bei der Debatte über die Rentenreform: Moret ist wie die FDP gegen die Altersreform 2020. In anderen Bereichen ist sie offener: So findet sie etwa, dass die Schweiz mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie machen müsse, und befürwortet, dass der Bund die Kinderbetreuung unterstützt – wenn auch nur im Sinne einer Anschubfinanzierung.

Moret weiss, wovon sie spricht: Als berufstätige Mutter von zwei Kindern muss sie sich immer wieder die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefallen lassen – dabei, sagt sie, müsste man dies genauso die berufstätigen Väter fragen. «Ich bin wie die Armee», antwortete sie auf die leidige Frage dann einmal doch. «Durchgeplant und gut organisiert.»

Die Sache mit dem Tessin

Schon einmal machte sich Moret in der Vergangenheit Gedanken über eine Bundesratskandidatur: Das war 2009, es ging um die Nachfolge von Pascal Couchepin. Sie habe Interesse, liess sie damals verlauten. Ob sie kommenden September nun definitiv für den Bundesrat kandidiert, will Moret bis Mitte Juli entscheiden. Falls ja, wäre ihr die Unterstützung der Waadtländer FDP gewiss: Im Rahmen der Delegiertenversammlung am vergangenen Samstag hatte sich diese für die Westschweizer Frau ausgesprochen.

Unterstützung erhält Moret ebenfalls von den FDP-Frauen. Wenn auch deren Präsidentin Doris Fiala die Forderung nach einem weiblichen Bundesrat erst zu einem späteren Zeitpunkt stellen will – dann, wenn mit Cassis ein Tessiner im Bundesrat sitzt und es um die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann gehen wird.

Erstellt: 26.06.2017, 16:09 Uhr

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