So schmeckt der Parmelin

Unser Gastrokritiker hat den Wein von Guy Parmelin getestet. Das ist sein Urteil.

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In vino veritas – das Bonmot ist Grund genug, die Weine des neugewählten Bundesrats Guy Parmelin degustatorisch unter die Lupe zu nehmen. Immerhin war der Politiker – zusammen mit seinem Bruder Christophe – bis vor zwei Tagen für die familieneigenen Weinberge mitverantwortlich. Man muss wissen, die Parmelins besitzen fünf Hektar Reben, verteilt auf verschiedene Parzellen in der Weinregion La Côte. Übrigens sind das nicht gerade wenig, gibt es in der Schweiz doch einige Winzer, die von den Erträgen daraus leben können – Handgelenk mal Pi etwa 50'000 Flaschen pro Ernte. Wenn man nicht sauber selektioniert.

Ein durchschnittlicher Wein? Mitnichten

Das Traubengut der Parmelins, die Rede ist von den Sorten Chasselas und Gamaret, wird in der Ortschaft Rolle gepresst und weiterverarbeitet, beim Grossproduzenten Schenk. Kein schlechter Charakterzug für einen Magistraten, wenn er weiss, welche Arbeiten er gescheiter an Spezialisten abgibt. Doch gehen wir «in medias Res» und riechen an Parmelins Chasselas: Ein sortentypisches Bouquet steigt aus dem Glas, Apfel, Zitrone, Pfirsich, etwas «Feuersteinzältli». Das macht Lust auf einen ersten Schluck. Und da bemerkt man als erstes die präsente (was in Parlamentarierkreisen ja schon mal was Gutes bedeutet) Säure.

Ganz knochentrocken ist der Wein auch nicht, wie man vielleicht befürchtet hat. Etwas Kohlensäure kitzelt die Zunge, am Gaumen folgt ein mittlerer Körper und mittelintensives Aroma. Ein durchschnittlicher Wein? Mitnichten, es ist solides Waadtländer Handwerk, ein toller Apérowein. Ja, sogar mit dem Wort «ehrlich» möchte man den Weissen umschreiben.

«Der rote Parmelin»

Was die Genetik betrifft, geht man davon aus, dass die ertragsstarke Chasselas-Traube ihren Ursprung in der Genferseeregion hat – und nicht, wie früher gern behauptet wurde, im Nahen Osten. Glück gehabt, liebe Parteigenossen Parmelins!

Es gibt auch einen «roten Parmelin», also den Gamaret. Eine rotfruchtige Nase (Kirsche, Brombeere, Waldbeeren) gesellt sich zu ausgewogenen Holznoten. Im Mund folgt eine zur Sorte passende Säure, mittelintensive Gerbstoffe, die es – wir erlauben uns hier die leise Kritik – auch abgerundeter gibt. Positiv formuliert: Abgehoben ist er nicht, man mag diesen Wein auch täglich trinken. Und darum versteht man nicht recht, wieso Guy Parmelin jüngst zur «Schweizer Illustrierten» gesagt hat, er trinke nicht täglich Alkohol. Ob sich der durchschnittliche Weinbauer in seiner Region da repräsentiert fühlt?

Bei der Bundesratswahl am Mittwoch sind mehrere Flaschen von Parmelins Weisswein in Bern aufgetaucht. Sie seien schon sehr bald leer gewesen, berichten Augenzeugen. Dass die Fraktion geschlossen mitgebechert hat, ist nicht verbürgt. Dass man danach, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach auf Dézalay umstieg, dagegen schon.

Erstellt: 10.12.2015, 18:32 Uhr

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