Subventionierter Machtmissbrauch

Nach dem Rücktritt des Intendanten müssen die Vorgänge am Berner Stadttheater lückenlos aufgeklärt werden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gemunkelt wurde es schon lange. Aber erst jetzt hat Stephan Märki, Intendant des Berner Stadttheaters, sich zur Liebesbeziehung mit seiner langjährigen Mitarbeiterin bekannt und per sofort seinen Rücktritt erklärt. Den Ausschlag dafür gaben letztlich Recherchen dieser Zeitung.

Die Entscheidung von Stephan Märki ist zu begrüssen. Auch wenn selbstverständlich niemand etwas gegen Partnerschaften an subventionierten Kulturinstitutionen hat. Was aber definitiv nicht geht, ist all das, was allem Anschein nach in Bern geschah: dass eine Liebesbeziehung verheimlicht wurde, damit die Partnerin des Intendanten in einer Leitungsfunktion verbleiben konnte, dass man in einen Arbeitsvertrag eingriff und es Stephan Märki für Dritte zur Bedingung machte, dass eine frühere Lebenspartnerin an seinem Haus beschäftigt wurde.

Zu alldem scheint es in Bern gekommen zu sein. Und damit hat Stephan Märki dem einzigen Vierspartenhaus in der Schweiz massiv geschadet. Was es nun braucht, ist eine lückenlose Aufklärung, wie der abgetretene Intendant so lange schalten und walten konnte, wer ihm dabei half – wissentlich oder unwissentlich – und warum es dabei zu so vielen Konflikten kommen konnte, die publik waren, aber vom Berner Gemeinderat nicht genügend ernst genommen wurden, da die Zahl der Eintritte und die Finanzen des Stadttheaters okay waren. Denn so, wie sich zurzeit die Fakten präsentieren, ist von subventioniertem Machtmissbrauch auszugehen.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob man den Rücktritt mit zehn Monatslöhnen und einer Inszenierung am Stadttheater hätte vergolden müssen – und ob es nicht an der Zeit wäre, dass Stephan Märki sich bei allen entschuldigt, die er mit seinem Fehlverhalten in Schwierigkeiten gebracht hat, die unter ihm gelitten haben. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.05.2018, 23:43 Uhr

Artikel zum Thema

Der grosse Knall am Stadttheater Bern

SonntagsZeitung Als die SonntagsZeitung den Theaterleiter mit ihren Recherchen konfrontieren wollte, trat er per sofort zurück. Die Geschichte hinter dem abrupten Abgang. Mehr...

Abrupter Abgang

Der umstrittene Intendant des «Konzert Theater Bern», Stephan Märki, tritt per sofort zurück, wie er an einer emotionalen Medienkonferenz bekanntmachte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...