Sunrise-Aktien verlieren an der Börse

Nach der Ankündigung der UPC-Übernahme müssen sowohl Sunrise als auch Konkurrentin Swisscom einen Kursverlust hinnehmen.

Sunrise und UPC: Damit soll ein starker und konvergenter Herausforderer im Schweizer Markt geschaffen werden. (Symbolbild)

Sunrise und UPC: Damit soll ein starker und konvergenter Herausforderer im Schweizer Markt geschaffen werden. (Symbolbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nachdem Sunrise den Kauf des Kabelnetzbetreibers UPC angekündigt hat, ist der Aktienkurs des Telekommunikationskonzerns bei Börsenbeginn in den Keller gerasselt. Kurz nach 10 Uhr notierte die Aktie bei 73,10 Franken und damit rund 9,5 Prozent im Minus.

In den ersten Handelsminuten hatte die Sunrise-Aktie zeitweise noch stärkere Kursverluste verbuchen müssen. So sank der Kurs bis auf 70,20 Franken, was einem Minus von über 13 Prozent entsprach. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) bewegte sich derweil nur leicht im Minus (-0,3%). Ebenfalls einen Kursverlust hinnehmen musste der Marktführer Swisscom – dessen Aktien notierten kurz nach 10 Uhr bei 458.40 Franken und damit rund 1 Prozent im Minus.

Entgegen der Marktreaktion zeigten sich die Analysten indes positiv gestimmt gegenüber dem 6,3 Milliarden Franken schweren Zukauf von Sunrise. Die angepeilte Übernahme sei strategisch sinnvoll, heisst es durchs Band in den Analystenkommentaren.

«Bedeutendes und glaubwürdiges» Synergiepotenzial

Bei Vontobel hiess es zudem, die geschätzte Gesamtsynergien von 2,8 Milliarden Franken lägen deutlich über den Schätzungen. Und auch die Analysten von Jefferies bewerten den Deal angesichts des «bedeutenden und glaubwürdigen» Synergiepotenzial positiv, zumal die Transaktion einer «sehr starken industriellen Logik» folge. Zu bedenken sei aber, dass die Zustimmung für die erforderliche Kapitalerhöhung noch ausstehe und keine Selbstverständlichkeit sei.

Die Analysten der ZKB beschäftigen sich indes mit den Auswirkungen der geplanten Übernahme auf den Platzhirsch Swisscom: «Kurz- bis mittelfristig dürften Sunrise und UPC vor allem mit sich selbst beschäftigt sein, was Swisscom taktische Vorteile bringen könnte», meinen die Experten. Während der geschätzt dreijährigen Integrationsphase erwarte man eine höhere Wechselbereitschaft der Kunden.

Sunrise als starke Nummer zwei

Sunrise bezahlt für die UPC 6,3 Milliarden Franken. Das gab das Unternehmen am Mittwochabend bekannt. Damit solle ein stärkerer und konvergenter Herausforderer im Schweizer Markt geschaffen werden.

Mit Sunrise und UPC Schweiz kommen zwei Unternehmen zusammen, die sich bis zu einem gewissen Grad ergänzen. Sunrise ist im Mobilfunk stark, UPC im Internet- und TV-Geschäft. Bislang war UPC Schweiz im Besitz des britischen Kabelnetzgiganten Liberty Global.

Die Transaktion stärkt die Position von Sunrise als starke Nummer zwei in den Bereichen Mobilfunk, TV, Breitbandinternet und Festnetztelefonie, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. UPC Schweiz sei mit Highspeed-Breitbandinternet und eigenem TV-Inhalt sowie einem 17'500 Kilometer langen Glasfasernetz eine «attraktive Ergänzung».

Swisscom herausfordern

Sunrise-Chef Olaf Swantee sieht die Übernahme als «grosse Chance». Die Schweiz erhalte dadurch einen stärkeren Telekomanbieter mit einer sehr guten Infrastruktur – bestehend aus dem Kabelnetz von UPC und den 4G- und bald auch 5G-Mobilfunknetzen von Sunrise.

«Wir wollen damit den Markt bewegen», sagte er am Mittwochabend zur Nachrichtenagentur AWP. Die neue Sunrise wolle zur grossen Herausforderin der Swisscom werden.

In Zahlen ausgedrückt: Bei den Mobilfunkkunden kommt Sunrise inklusive UPC auf einen Marktanteil von 24 Prozent, im Breitbandinternet auf 30 Prozent und im Fernsehgeschäft mit 1,4 Millionen TV-Kunden auf 31 Prozent.

Kapitalerhöhung

Dafür nimmt Sunrise 6,3 Milliarden Franken in die Hand und wird dafür auch neues Aktienkapital ausgeben. Konkret übernimmt Sunrise mit 3,6 Milliarden Franken einen Teil der ausstehenden UPC-Schulden.

Die verbleibenden Teil des Kaufpreises von 2,7 Milliarden finanziert Sunrise via die Ausgabe einer Bezugsrechtsemission über 4,1 Milliarden Franken. Dieser geht in bar an Liberty Global. Mit dem Rest werden bestehende Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden getilgt.

Sunrise geht davon aus, dass der Deal im zweiten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden kann. Die Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden werde im zweiten oder dritten Quartal 2019 erwartet.

Das kombinierte Unternehmen Sunrise/UPC wäre im Geschäftsjahr 2018 auf einen Umsatz von 3,17 Milliarden Franken gekommen. Zusammen kommt die Nummer zwei der Branche auf einen bereinigten Betriebsgewinn Ebitda von 1,24 Milliarden.

Im Vergleich mit der Swisscom ist die neue Firma aber immer noch ein kleiner Fisch. Der Branchenprimus erwirtschaftete im letzten Jahr knapp 11,7 Milliarden Franken Umsatz und einen Betriebsgewinn von 4,2 Milliarden.

Synergien – und Stellenabbau?

Der Käufer Sunrise verspricht sich von dem Deal Synergien bei Kosten und Investitionen von jährlich 190 Millionen Franken ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion. Dazu kommen ab dem fünften Jahr nach der Übernahme Ertragssynergien von rund 45 Millionen Franken.

Was die Synergien für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeute, mochte Sunrise-Chef Swantee noch nicht sagen. «Dafür ist es zu früh.» Er gehe jedoch davon aus, dass die Auswirkungen für die eigentlichen Dienstleistungsabteilungen und bei den Verkaufsteams moderat sein würden. Ein Abbau sei hingegen im Management und in der Administration zu erwarten.

Bei UPC hiess es, man könne davon ausgehen, dass es bei Doppelspurigkeiten einen Abbau geben werde. «Wie dieser abläuft, ist noch offen. Der Prozess soll transparent und fair ablaufen. Die Stellen sollen mit den besten Leuten besetzt werden», sagte Sprecherin Alexandra Bini. Das Ausmass des Abbaus ist noch nicht bekannt. Das liege in den Händen von Sunrise.

Sunrise läuft es besser

Gleichzeitig mit der Übernahme publizierte Sunrise die Zahlen zum Geschäftsjahr 2018. Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 1,88 Milliarden Franken. Der bereinigte Betriebsgewinn Ebitda schrumpfte indes leicht um 1,1 Prozent auf 601 Millionen Franken.

Unter dem Strich blieb noch ein Reingewinn von 107 Millionen. Im Vorjahr hatten noch 505 Millionen Franken in der Kasse geklingelt, was dem Verkauf von 2200 Antennenmasten geschuldet war. Dieser hatte 420 Millionen Franken eingebracht. Unter Ausklammerung des Mastverkaufs stieg der Reingewinn 2018 um 3,4 Prozent.

Weniger gut unterwegs war UPC. Diese hat im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatzrückgang um 3,7 Prozent auf gut 1,30 Milliarden Franken erlitten. Grund dafür sei der härtere Wettbewerb und die Kundenentwicklung in den vergangenen Quartalen. Der operative Gewinn ist markant gefallen.

In den letzten zwölf Monaten hat UPC markant an Kunden verloren. Am grössten war der Aderlass im TV-Geschäft. Und gegen Jahresschluss hat sich die Talfahrt beschleunigt. Im vierten Quartal ist der Umsatz von UPC um 5,1 Prozent geschrumpft.

Sunrise geht denn auch davon aus, dass die finanzielle Entwicklung von UPC 2019 erneut negativ ausfallen und ungefähr auf dem Niveau von 2018 ausfallen wird. Der neue Besitzer ist aber der Meinung, dass sich die Lage von UPC danach stabilisieren wird und verweist auf operative Massnahmen wie eine neue TV-Videoplattform und Bündelangebote. (mac/fal/chk/sda)

Erstellt: 28.02.2019, 09:30 Uhr

Sunrise mit mehr Umsatz und tieferem Gewinn

Sunrise hat 2018 etwas mehr umgesetzt, unter dem Strich aber weniger verdient. Der Umsatz stieg 2018 um 1,2 Prozent auf 1,88 Milliarden Franken. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) schrumpfte indes leicht um 1,1 Prozent auf 601 Millionen Franken.

Unter dem Strich blieb noch ein Reingewinn von 107 Millionen Franken, wie Sunrise am Mittwochabend bekannt gab. Im Vorjahr hatten noch 505 Millionen Franken in der Kasse geklingelt. Der damalige Gewinnsprung war allerdings auf den Verkauf von über 2200 Antennenmasten an die spanische Firma Cellnex zurückzuführen, was 420 Millionen Franken eingebracht hatte. Unter Ausklammerung des Mastverkaufs stieg der Reingewinn 2018 um 3,4 Prozent.

Die Kabelnetzbetreiberin UPC hat 2018 erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Der Gesamtumsatz schrumpfte um 3,7 Prozent auf 1,296 Milliarden Franken.(sda)

Artikel zum Thema

Sunrise führt «fortgeschrittene Gespräche» für UPC-Übernahme

Die Grossfusion im Schweizer Telecommarkt wird immer wahrscheinlicher. Erstmals nennt Sunrise Zahlen dazu. Mehr...

Das sagt der Swisscom-Chef zur möglichen Fusion von Sunrise/UPC

Video CEO Urs Schaeppi äussert sich zum Stellenabbau seines Unternehmens und zu den Investitionen ins Glasfasernetz. Mehr...

Sunrise lanciert 5G im März

150 Gemeinden sollen abgedeckt werden. Sunrise-Chef Olaf Swantee nimmt Stellung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...