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Vier Hilfsorganisationen trotzen Matteo Salvini

Sie haben alle Blockaden und alles Schlechtreden überlebt. Die privaten Seenotretter sind zurück im zentralen Mittelmeer, obschon der italienische Innenminister Matteo Salvini ihnen die Häfen verwehren will, sie als «Vizeschlepper» und «Piraten» beschimpft und so im Volk schlechtmacht. Die Schiffe der NGOs sind nicht mehr so zahlreich wie in den Jahren 2015 bis 2017, als zeitweise fünfzehn Boote nach Flüchtlingen in Not suchten.

Jan Böhmermann ruft zum Spenden auf

Im Moment sind es vier. Im vergangenen Winter gab es aber Zeiten, da war gar keines mehr vor Ort. Die NGOs befürchteten, Salvinis Propaganda würde die Grosszügigkeit der Spender ­beeinträchtigen. Minus 10 bis 15 Prozent, so budgetierte man schon. Doch auch diese Sorge erwies sich als unbegründet. «Das Heer der Solidarität», wie die Zeitung «La Repubblica» die Helfer nennt, erhält genügend Spenden, um seine Operationen zu finanzieren: Schiffe und Suchflüge.

Die deutsche Organisation Sea Watch etwa, die mit ihrem Schiff Sea Watch 3 und Kapitänin Carola Rackete wochenlang in den Nachrichten war, sammelte in wenigen Tagen gegen zwei Millionen Euro – für die Deckung von Gerichtskosten und Geldstrafen. Racketes zweite Anhörung am Gericht von Agrigent, die für diesen Dienstag geplant gewesen war, wurde auf den 18. Juli verschoben. Diesmal soll es um den Vorwurf gehen, sie habe mit ihrer Aktion womöglich Beihilfe zur illegalen Einwanderung geleistet.

Zum Spenden aufgerufen haben unter anderem die beiden deutschen TV-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann. In Italien sammelte eine antifaschistische Vereinigung in wenigen Tagen 420'000 Euro. Die Sea Watch 3 liegt beschlagnahmt im Hafen von Licata. Die Organisation sucht jetzt nach einem neuen Schiff.

Werbung mit Pep Guardiola

Im Einsatz steht eine weitere deutsche NGO: Die Regensburger Sea-Eye, gegründet 2015, hat am Wochenende 65 Migranten nach Malta gebracht. Sie kreuzt mit einem umgebauten Forschungsboot vor Libyen, das sie Alan Kurdi taufte. So hiess ein zweijähriges syrisches Kind, das vor vier Jahren von den Wellen des Mittelmeers an einen türkischen Strand geschwemmt wurde. Auch die gemeinnützige Sea-Eye wird von privaten Spendern getragen.

Über das grösste Budget, etwa 3,5 Millionen Euro, verfügt wohl die spanische Organisation Proactiva Open Arms. Sie wurde vom katalanischen Rettungsunternehmer Oscar Camps gegründet. Früher half Camps an der Costa Brava Badegästen in Not. Ab 2015 war er zunächst vor Lesbos im Einsatz, dann vor Libyen, später an der Meerenge von Gibraltar, nun wieder auf der zentralen Mittelmeerroute. Er kann auf prominente Gönner zählen, etwa auf Fussballtrainer Pep Guardiola und den amerikanischen Schauspieler Richard Gere, die ihrerseits für Open Arms werben.

Die derzeit einzige italienische Hilfsorganisation im südlichen Mittelmeer heisst Mediterranea Saving Humans. Es gibt sie erst seit einem Jahr, als Gemeinschaftswerk mehrerer Vereine aus der Zivilgesellschaft. Finanziert wird sie von Tausenden privaten Spendern; die Banca Etica, eine alternative Bank, sprach einen Kredit von 465000 Euro. Mediterranea kaufte damit die Mare Jonio, einen 38 Meter langen Schlepper, der dann aber vom Staat festgesetzt wurde.

Die jüngste Operation fuhr die NGO mit einem Segelschiff, der Alex, die nur für Erkundungsfahrten gedacht war. Der Mailänder Sportskipper Tommaso Stella steuerte trotz Verbots am ­Wochenende mit 41 Migranten in den Hafen von Lampedusa. Die Alex wurde beschlagnahmt. Mediterranea sucht nun nach Ersatz – zur Miete.

Oliver Meiler, Rom

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