Von Antigone bis Zwingli

Neben dem Schauspielhaus melden sich auch andere Theater aus der Sommerpause zurück: drei Premieren, die diese Woche wichtig sind.

Wenn Zwingli geahnt hätte, wie seine Ideen ausgelegt würden.

Wenn Zwingli geahnt hätte, wie seine Ideen ausgelegt würden. Bild: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

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GAIA GAUDITheater am Hechtplatz

Seit fast 40 Jahren steht sie auf der Bühne: Gardi Hutter, die Clownin der Schweiz. 65 Jahre ist sie alt, und es sieht nicht so aus, als wolle sie die Bühne bald verlassen. Auch wenn sie, also vielmehr ihre Figur Hanna, in acht Stücken schon siebenmal tot war. Trotzdem macht Hutter sich in ihrem neusten Stück Gedanken darüber, was es bedeutet, wenn die nächste Generation ihren Platz einfordert. Hutters Tochter, der Sohn und die Schwiegertochter arbeiten seit Jahren als Site-specific-Theatertruppe. Jetzt hat Familie Hutter beschlossen, gemeinsam ein Stück auf die Bühne zu bringen: «Gaia Gaudi». Und dieses Mal ist Hanna gleich von Beginn an tot, nur weiss sie es nicht und will es auch nicht wissen. Bis es dem Körper irgendwann zu viel wird und sich Hanna, noch nicht ganz weg, in einer Zwischenwelt mit denen auseinandersetzen muss, die noch nicht ganz da sind: die neue Generation, die irgendwann übernehmen wird, wenn Hanna oder besser Gardi Hutter beschliesst zu gehen.

Hechtplatz 7
www.theaterhechtplatz.ch
Di / Mi 20 Uhr
Eintritt 35–55 Franken Bis 21.10.

Zwingli RoadshowTheater Kanton Zürich

Bevor die Feierlichkeiten rund um die Reformation zu Ende gehen, lädt das Theater Kanton Zürich noch zur «Zwingli Roadshow». Brigitte Helbling hat den Federkiel geschwungen und ein Stück geschrieben, das die Reformation anhand der Dörfer rund um Zürich betrachtet. Dort wurde Zwinglis Lehre oft etwas strenger ausgelegt, als es dem Meister lieb war. Da gab es etwa eine geplante Pfaffen-Entführung in Weiningen und Zolliker Bauern, die kräftig mit Hand anlegten, um den «altgläubigen Plunder» aus der Kirche zu schaffen. Das und mehr erzählen dem Publikum die Näherin Dorette und ihre fahrende Truppe. Die machen sich nach Zwinglis Tod – wir schreiben das Jahr 1532 – auf, um mit schicken Kostümen und Musik den Ruf des Reformators zu retten. Dass das Ganze ein Erfolg wird, dafür werden so gestandene und dem Komischen zugeneigte Schauspielerinnen wie Fabienne Hadorn, Lea Whitcher und Sebastian Krähenbühl sorgen.

Winterthur
Scheideggstr.37
www.theaterkantonzuerich.ch
Do, Sa 20 Uhr, So 19 Uhr
Eintritt 30 Franken Bis 18.9.

Ann Liv YoungGessnerallee

Die amerikanische Performerin ist bekannt dafür, dass sie die vierte Wand einreisst. Meint: dass ihre Kunst ins Publikum übergreift. So wie ihre «Cinderella» (2010). Im Stück nahm Young die Menschen, auch in Zürich, verbal harsch in die Mangel. Seit «Electra» (2014), ebenfalls hier zu sehen, scheint sie zahmer geworden zu sein. Einziges interaktives Element war ein lebendiges Schwein, dass vom Publikum gestreichelt werden durfte. «Antigone» heisst Youngs neues Projekt in Koproduktion mit der Gessner­allee. Anhand von Bertolt Brechts Theaterstück, das 1948 in Chur uraufgeführt wurde, zeigt Young, wie sich unser aktuelles politisches Klima in den von Brecht aufgeworfenen Fragen widerspiegelt. Brecht ging es um individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten angesichts des Faschismus. Auch Young geht es um die Rolle des Individuums und dessen Beziehung zum Staat. Im Raum steht jetzt also die Frage: Was kann jeder Einzelne tun?

Gessnerallee 8
www.gessnerallee.ch
Do / Sa 20 Uhr, So 18 Uhr
Eintritt 16 Franken
Am Samstag im Anschluss Künstlergespräch

(Züritipp)

Erstellt: 12.09.2018, 15:58 Uhr

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