Weiser Lachs, königliches Schlachtfeld

Im Boyne-Tal stolpert man Schritt auf Tritt über grossartige Legenden und Monumente aus der reichen Geschichte Irlands – Lachs und Bachforelle gibt es fast gratis dazu.

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1700 Jahre ist es her, da ass der altirische Legendenheld namens Finn MacCool als Jugendlicher vom Fleisch eines ganz besonderen Fischs. Jener Lachs hatte einige Haselnüsse genascht, die zuvor in den «Brunnen der Weisheit» gefallen waren. Der Fisch nahm auf diese Weise das gesamte Wissen der Welt in sich auf und mutierte so zum legendären «Lachs des Wissens» (Salmon of Knowledge).

Mit der Fischmahlzeit ging diese ganze Weltweisheit auf Finn über. So gewappnet, konnte er mit seinen Kampfgefährten eine Reihe von bemerkenswerten und blutigen Abenteuern bestehen, die jeder irische Junge kennt.

Erinnerung an salzige Zeiten

Die Sage will es, dass der smarte Lachs in ebenjenem Fluss namens Boyne schwamm, in dem Peter Cunningham, Fischerguide und Kaufmann aus der Hafenstadt Drogheda, gerade seine Shrimp­fly platziert. Dieser Köder des Flugfischers imitiert eine Garnele und erinnert so den Lachs, der im Namen der Liebe das Meer verlassen hat, um im Süsswasser zu laichen, an salzigere Zeiten.

Peter kennt die Legende vom Lachs des Wissens. Er sagt aber ganz prosaisch: «Mir würde ein ganz normaler Fisch schon reichen.» Der Angler steht in seiner Gummihose bis zum Bauchnabel im Wasser. Sein Revier, die Gegend entlang des Boyne Valley, ist selbst für die Kenner unter den Irlandfahrern eher ein weisser Fleck auf der Karte – was sollte man quasi direkt neben dem Flughafen auch schon erwarten?

Schlachtfeld der Battle of Boyne

Dabei gibt es hier alles, was der Irland-Reisende braucht: von Steinmauern begrenzte grüne Wiesen, alte Steinhäuser, Dornenhecken entlang schmaler Landstrassen ohne Mittelstreifen. Doch nicht nur für Fischer und Fischfans ist das Tal des rund 100 Kilometer langen Flusses legendär: «Es bietet auch einen regelrechten Kursus in irischer Geschichte», sagt Peter. «15 Minuten flussauf liegt das ­riesige, 5000 Jahre alte Jungsteinzeit-Monument von Newgrange.» 90 Meter hat es im Durchmesser, mit einem Öko-Grasdach obendrauf, und gilt als eine der weltweit bedeutendsten Anlagen jener mystischen Megalithkultur, die auch den Steinkreis von Stonehenge hervorgebracht hat.

Kurz hinter Newgrange liegt das Schlachtfeld der Battle of the Boyne: Bei der Schlacht des Sommers 1690 konnte der Protestant König Wilhelm III. von England den ehemaligen König von England Jakob II., einen Katholiken aus dem Hause Stuart, besiegen und die abgefallene Insel Irland für das englische Königreich zurückerobern. Nordiren denken demnach gerne daran, für Iren aus der Republik Irland ist die Erinnerung wichtig, aber mit Trauer verbunden. Es ist ein schöner Ort für ein malerisches Picknick.

Während Peter derart über die irische Geschichte sinniert, zupft es an seiner Angelleine. Die schlanke Rute verneigt sich vor einem grossen Fisch, der zwar kein legendärer Kämpfer ist, aber den Fischer trotzdem mächtig ins Schwitzen bringt. 6 Kilo bringt er auf die ­Waage.

Blick auf den Hügel der Ringgräber

Wem das alles noch nicht reicht, der kann vor der mittelalterlichen Festung Trim Castle Lachs und Bachforelle fischen, dem Drehort des legendären ­Historienfilms «Brave­heart» mit Mel Gibson. Das Tal des Boyne im Blick hat übrigens auch der Hill of Tara; der Legende nach wurden hier auf dem Berg mit seinen spektakulären Ringgräbern alle irischen Hochkönige gekrönt – Tara ist für die Iren ein wichtiges Symbol nationaler Einheit.

Und dann wäre da noch der Zufluss Kells Blackwater, in dem Tausende muntere Bachforellen schwimmen. Das «Book of Kells» stammt von hier, das berühmteste kulturhistorische Kleinod Irlands. Es enthält die lateinischen Texte der Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, ist mit kunstvollen keltischen Malereien ausgeschmückt. Zu bewundern ist das Werk heute im Trinity College in Dublin, im Ort Kells gibt es eine sehr gute Kopie.

Das alles ist nur eine Stunde Autofahrt vom Flughafen in Dublin entfernt – theoretisch wäre die Gegend also eine blendende Destination für ein schnelles Fliegenfischer-Kultur-Wochenende. Ein billiges zudem, wenn man einen günstigen Flug bekommen hat, denn die Tagestickets für die meisten Flüsse kosten gerade mal 25 Euro. Wer länger als zwei Tage angelt, dem wird kurzerhand die Jahresmitgliedschaft im Verein angetragen – für 40 Euro.

Peter hat den Lachs übrigens wieder schwimmen lassen. Der Fisch hatte so einen seltsam wissenden Glanz in den Augen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.08.2017, 13:49 Uhr

Infobox

Anreise
Swiss fliegt täglich ab Zürich nach Dublin.

Infos zum Fischen
www.rossinslaneangling.com, www.boynevalleyfishingguides.com, www.kellsanglers.com, www.angelninirland.info
Unterkunft Gleneven Guesthouse. Höherer Standard: www.boyne-valley-hotel.ie,
www.rossnaree.ie, newgrangehotel.ie

Allgemeine Informationen
www.ireland.com

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