Wie aus einem Haufen Zweifler das beste Team der Welt wurde

Am Ursprung des aktuellen Erfolgs der Schweizer Techniker steht ein Slalom-Debakel in Kitzbühel.

Im Höhenflug durch den Winter: Die Schweizer Slalom-Equipe fährt derzeit von Erfolg zu Erfolg. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Im Höhenflug durch den Winter: Die Schweizer Slalom-Equipe fährt derzeit von Erfolg zu Erfolg. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Didier Plaschy sagte einmal: «In der Schweiz bist du als Abfahrer ein Superheld. Als Slalom-Fahrer bist du irgendeine Nummer.»

Was der Sieger zweier Weltcup-Slaloms meinte: Hierzulande dachte man bei Skifahrern an die Russis, Zurbriggens, von Grünigens, an Abfahrer, Super-G- und Riesenslalom-Spezialisten. 122 Abfahrten sind von Schweizern gewonnen worden, aber gerade mal 17 Slaloms. 17 – von 459!

Und dann kommt es in Adelboden zu nationalen Meisterschaften mit auswärtiger Konkurrenz. Auf den Rängen 1, 3, 4 und 5 liegen die Einheimischen nach dem ersten Lauf, es triumphiert letztlich Daniel Yule, auch Ramon Zenhäusern (4.) und Loïc Meillard (9.) überzeugen. Tanguy Nef ist unterwegs zu einem Spitzenplatz, verliert den Faden und fädelt ein.

So gut wie nie ist das Slalomteam. Warum eigentlich?

Am Beginn des Aufschwungs steht eine Krise. 2012 erreichte in Kitzbühel kein Schweizer den zweiten Durchgang. Als der Schaden angerichtet war, räumte Swiss-Ski Fehler ein, intensivierte die Slalomförderung. Die Future-Gruppe wurde gebildet, der Yule und Zenhäusern angehörten. Der damalige Chefcoach Osi Inglin stellte das Projekt «Der schnelle Schwung» vor – die Clubs sollten im Nachwuchs den Fokus auf den Slalom setzen, der technische Aufbau nicht nur via Riesenslalom erfolgen.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass in der Startliste nur ein Schweizer in den ersten 30 zu finden war.

Als cleverer Schachzug erwies sich die Anstellung von Gruppentrainer Matteo Joris. 2015 fing er an, traf zunächst auf «zweifelnde Männer ohne Selbstvertrauen». Der Italiener schaffte ein Reizklima, setzte die Fahrer ständigen Vergleichen aus, damit diese sich antrieben. Und er versuchte, ihnen die «Machoeinstellung eines Italieners» einzuimpfen. «Sie haben gelernt, überzeugter ans Werk zu gehen und die Angst vor dem Scheitern abzulegen. Die Devise lautet jetzt: Brust raus!»

Der Slalom war ein Stiefkind

In Joris’ Plänen bleibt Platz für individuelle Bedürfnisse, für Einheiten mit privaten Betreuern, für Sonderwünsche im Konditionstraining. Zudem messen sich die Schweizer in den Trainings oft mit anderen Nationen, etwa den starken Franzosen. Zu seiner Zeit sei so etwas undenkbar gewesen, sagt Plaschy. «Das Denken war engstirnig. Wir blieben unter uns, zogen uns runter, statt von den Besten zu lernen.» Es sei eine arrogante Haltung gewesen, meint der 46-Jährige. Zu seiner Zeit habe eine klare Struktur gefehlt, die Trainer hätten häufig gewechselt. Und die Slalom-Trainingspisten seien zuweilen mangelhaft präpariert gewesen. Plaschy sagt: «Der Slalom war jahrzehntelang das Stiefkind, er hatte nie einen hohen Stellenwert.» Alpinchef Walter Reusser spricht von einem Teufelskreis: «Wir hatten immer starke Abfahrer und Riesenslalom-Spezialisten. Also orientierten sich die Jungen an ihnen.» Es ist noch nicht allzu lange her, dass in der Startliste nur ein Schweizer in den ersten 30 zu finden war. Nun sind Yule und Zenhäusern die Leader der weltbesten Slalom-Equipe, nach fünf Rennen steht diese mit zwei Siegen und zwei Podestplätzen da. «Geniessen Sie es. Es wird nicht immer so sein», sagt Plaschy.

Erstellt: 13.01.2020, 07:51 Uhr

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