Die Familie kann anstrengender sein als der Partner

Ständige Kritik und Vorwürfe von Eltern oder Geschwistern sind belastend und können Rückenschmerzen, Magenbeschwerden und Kopfweh verursachen.

Streit in der Familie macht krank – ganz besonders unter Blutsverwandten. Foto: iStock, fizkes

Streit in der Familie macht krank – ganz besonders unter Blutsverwandten. Foto: iStock, fizkes

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Wenn die Frau ständig nörgelt oder der Mann immer schimpft, ist das nicht gesund. In Studien kann noch so oft behauptet werden, dass Verheiratete oder dauerhaft verpartnerte Menschen länger leben als Singles. Das gilt aber eben nur dann, wenn sie sich nicht ständig auf die Nerven gehen. Wenn das Leben jedoch zur Beziehungshölle wird, gehen fast alle gesundheitsfördernden Aspekte einer Paarbeziehung verloren.

Während sich Beziehungsbücher und Forschung hauptsächlich um die segensreiche Wirkung – oder den verfluchten Alltag – von Partnerschaften kümmern, bleibt eine andere intensive Bindung jedoch oft im Hintergrund. Dabei zeigen Ärzte und Psychologen aus den USA, dass die Familie die Gesundheit stärker belasten kann als der Intimpartner.

Von Geschwistern kann man sich nicht scheiden lassen

Im Fachblatt Journal of Family Psychology belegt ein Team um Sarah Woods, dass die Herkunftsfamilie, also Eltern und Geschwister, anstrengender sein kann als der Partner. Und anstrengend bedeutet eben oft auch schädlich für die Gesundheit.

«Das emotionale Klima in der Familie hat einen grossen Einfluss auf die Gesundheit und kann dazu beitragen, dass sich chronische Leiden entwickeln und verschlimmern und es beispielsweise schon in mittleren Jahren zu dauerhaften Kopfschmerzen oder gar einem Schlaganfall kommt», sagt Woods, die als Familienmedizinerin an der University of Texas tätig ist. «Familiäre Belastungen hatten in unserer Studie stärkere Auswirkungen als Stress mit dem Partner.»

Die Wissenschaftler um Woods hatten 3000 Erwachsene, die zumeist in ihren Vierzigern waren, fast 20 Jahre lang beobachtet und in regelmässigen Abständen interviewt. In dieser Zeit wurden Gesundheitsdaten erhoben und dokumentiert, ob und wie oft Rückenschmerzen, Magenbeschwerden, Kopfweh und andere Leiden auftraten oder gar chronisch wurden.

Zusätzlich wurden immer wieder Fragen zum Verhältnis innerhalb der Familie wie auch zum Partner gestellt («Wie oft werden Sie von Familienmitgliedern – Ihr Partner ausgenommen – kritisiert?», «Können Sie sich auf Ihre Familie verlassen, wenn Sie ein Problem haben?»).

Chronische Stressreaktionen führen dazu, dass Gefässe schneller verstopfen, Knochen brüchiger werden, die Schmerzschwelle sinkt.

«Nach zehn Jahren war der Gesundheitszustand jener Teilnehmer deutlich besser, die von ihrer Familie unterstützt wurden», sagt der Psychologe Jacob Priest, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. «Das emotionale Verhältnis zum Partner spielte erstaunlicherweise langfristig eine viel geringere Rolle.»

Als eine Erklärung für ihre Befunde vermuten die Forscher, dass sich eine Partnerschaft beenden lässt, wenn es gar nicht mehr miteinander auszuhalten ist. Von seinen Eltern oder Geschwistern kann man sich hingegen nicht scheiden lassen, diese Beziehung bleibt ein Leben lang. Ist das familiäre Klima vergiftet, hält das Trommelfeuer aus Kritik, Vorwürfen und Aggressionen länger an, als es ein Partner auszuüben vermag.

Ärzte wissen schon länger, dass negative Gefühle und ständige Anwürfe zu einer chronischen Stressreaktion und entzündlichen Veränderungen im Körper führen. In der Folge verstopfen Gefässe schneller, Knochen werden brüchiger, die Schmerzschwelle sinkt – alle Organe können angegriffen werden.

«Dauerhaft schlechte Stimmung in der Familie schadet; gerade chronische Leiden werden dann schlimmer», sagt Woods. «Umgekehrt ermuntere ich Patienten deshalb dazu, Familienmitglieder in die Sprechstunde mitzunehmen, die sie unterstützen und so zu ihrem Wohlbefinden beitragen.»

Erstellt: 20.11.2019, 22:25 Uhr

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