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Nach der FinalniederlageNeymar weint, wird von Alaba getröstet und zitiert aus der Bibel

Einer leidet ganz besonders. Neymar setzt die Niederlage gegen die Bayern schwer zu. Trainer Tuchel macht ihm aber Mut. Für PSG soll die Final-Premiere erst der Anfang gewesen sein.

Nach der Finalniederlage in der Königsklasse gegen den FC Bayern München ist PSG-Star Neymar untröstlich.
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Neymar weinte und keiner konnte ihn trösten. Neymar war einfach am Boden zerstört. Auf Instagram reagierte er in der Nacht auf Montag mit einem Bibelzitat: «Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten», schrieb der Brasilianer. Dazu ein Foto, die Hand vor den verweinten Augen, der Kopf gesenkt. Der Traum vom Champions-League-Titel, zerstört durch den FC Bayern München, der den Final am Sonntagabend in Lissabon 1:0 gewann. Die lange Umarmung von Sieger David Alaba unmittelbar nach dem Abpfiff schien ihn zu freuen, war aber wohl dennoch nur ein schwacher Trost.

«Untröstlich», schrieb die französische Sportzeitung «L'Équipe» am Montag in grossen Lettern über ein Titelbild mit Neymar und kommentierte «Bonjour Tristesse». In Paris kam es nach der Niederlage zu Ausschreitungen, die Polizei nahm 148 Menschen fest.

Wieder wurde es nichts mit dem grossen, praktisch aber auch einzigen Ziel des Hauptstadtclubs mit den reichen Geldgebern aus Katar. «Es ist das schlimmste Gefühl, zu verlieren», räumte Trainer Thomas Tuchel ein. «Vielleicht hat uns ein bisschen das Glück gefehlt.»

Der 46-Jährige war nach dem Abpfiff mit seinen Krücken auf den Platz gehumpelt, hatte dort auch mit Uli Hoeness gesprochen. Er habe ihm gratuliert, berichtete Tuchel: «Es ist absolut beeindruckend, was er gemeinsam mit Karl-Heinz-Rummenigge erschaffen hat und wie der FC Bayern im Moment da steht. Im Moment sind sie auf dem Weg zu einem der grössten Clubs in Europa und der Welt.»

Das würden die PSG-Besitzer nur allzugern auch über ihren Verein sagen. Das erstmalige Erreichen des Finals der europäischen Königsklasse wird ihnen nicht genügen. «Natürlich sind wir traurig», sagte PSG-Präsident Nasser Al-Khelaïfi. «Wir werden daran arbeiten, diese Champions League zu gewinnen, wir waren nah dran und nach diesem Abend glauben wir noch mehr daran als vorher.»

«Wir brauchen neue Energie»

Mit welchem Kader und mit welchen möglichen weiteren Superstars Tuchel kommende Saison arbeiten und den nächsten Versuch starten wird, dürfte sich bald zeigen. «Wir werden jetzt Gespräche führen, nicht über meine Verlängerung, sondern Gespräche, wie wir die Mannschaft wieder neu aufbauen und weiter verstärken müssen», erklärte Tuchel: «Denn wir brauchen neue Energie, wir brauchen neue Qualität, um unser Niveau zu halten und um allen ganz klar die Perspektive aufzuzeigen, dass wir nicht nachlassen, dass wir weiter nach vorn gehen und dass das, was wir uns aufgebaut haben, erst der Anfang ist und nicht bereits der Höhepunkt.»

Das könnte auch Neymar wieder aufbauen. Der 28-jährige Brasilianer litt wie kein Zweiter. Das Abklatschen mit Tuchel, der die schmerzvolle Niederlage sportlich souverän, mit Würde und fachlich sachlich akzeptierte – Neymar schien es einfach nur über sich ergehen zu lassen. 2015 hatte er noch zu seinen Zeiten beim FC Barcelona den Pott für den Champions-League-Sieger zuletzt richtig in den Händen halten dürfen. Diesmal war nicht mehr als ein kurzes Tätscheln voller Sehnsucht beim «verpassten historischen Rendezvous von PSG» («Le Monde») drin.

DPA