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Geldblog: DiversifikationNicht alles auf eine Karte setzen

Selbst wenn ein Fonds noch so breit diversifiziert ist, sollte man lieber mehrere, unterschiedliche Finanzvehikel nutzen.

Drohendes Klumpenrisiko: Gerade bei hohen Beträgen sollten immer verschiedene Finanzvehikel mit unterschiedlichen Strategien genutzt werden.
Drohendes Klumpenrisiko: Gerade bei hohen Beträgen sollten immer verschiedene Finanzvehikel mit unterschiedlichen Strategien genutzt werden.
Illustration: Christina Baeriswyl

Wir haben aktuell 1 Million Franken in einem breit diversifizierten Portfolio, dem Fürstenfonds der LGT, im LGT (CH) Premium Strategy GIM (CHF) B mit Gebühren von total rund 3 Prozent angelegt. Wie stufen Sie diesen ein? Leserfrage von A.M.

Hinter dem von Ihnen gehaltenen Fonds der LGT Bank steht eine gute Marketingidee: Investieren wie der Fürst, heisst hier die Devise. Als Privatanleger hat man die Möglichkeit, in die sogenannten Fürstenfonds
zu investieren, die gemäss der fürstlichen Strategie geführt werden. Das Fürstenhaus von Liechtenstein, das zu den reichsten Adelsfamilien Europas zählt, hat die Verwaltung ihres fürstlichen Portfolios den Investmentexperten der hauseigenen LGT übertragen. Dies bedeutet, dass Kunden über die Fonds nach der gleichen Strategie investieren können wie die Eigentümerin der LGT, die Fürstenfamilie von Liechtenstein.

In ihrer Beschreibung gibt sich die Bank denn auch wenig bescheiden: «Die Fürstliche Strategie ist weltweit eines der wenigen für private Investoren zugänglichen Anlagekonzepte mit einer solchen Kombination und ist mit der Philosophie von renommierten U.S. Stiftungsfonds wie Harvard, Yale, Princeton oder Stanford University verwandt», heisst es auf der Homepage des Institutes über die Fonds.

Inhaltlich sind die Fonds, die es in verschiedenen Währungen gibt, interessant, da sowohl traditionelle Anlagen als auch alternative Anlagen eingesetzt werden, was für die Anlegerinnen und Anleger einen langen Anlagehorizont voraussetzt. Über klassische Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Rohstoffe und Immobilien werden auch Hedge Fonds sowie Anlagen in wenig liquide Privatanlagen – Private Equity – oder private Kreditfinanzierungsformen für Unternehmen – Private Debt – genutzt, wobei die Anlagen laut Fondsleitung grösstenteils indirekt, über andere Investmentunternehmen, Genussscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte getätigt werden. Auch Derivate werden intensiv genutzt.

Generell würde ich nicht beträchtliche Beträge von einer Million Franken nur in ein einziges Vehikel investieren.

Dies alles hat zur Folge, dass beträchtliche Kosten anfallen. Gemäss dem letzten Halbjahresbericht 2020 werden dem LGT (CH) Premium Strategy GIM-Fonds laufende Kosten von 3,28 Prozent pro Jahr in Rechnung gestellt. Zum Vergleich: Klassische Strategiefonds von anderen Anbietern, die allerdings meist nicht oder weniger in alternative Anlagen wie Hedge Funds, Private Equity oder Private Debt investieren, verrechnen in der Regel weniger als die Hälfte jährlich. Darüber hinaus werden Ihrem LGT-Fürstenfonds «an die Wertentwicklung des Fonds gebundene Gebühren von 20 Prozent» belastet, die allerdings nur anfallen, wenn Gewinn gemacht wurde und vorher festgelegte Ziele erreicht wurden. Dennoch ist es offensichtlich, dass der Fonds alles in allem fürstliche Gebühren aufweist. Diese sind aus meiner Sicht nur gerechtfertigt, wenn es dem Fonds gelingt, über mehrere Jahre hinweg deutlich besser abzuschneiden als Vergleichsindizes der entsprechend gewichteten einzelnen Anlageklassen.

Ob dies gelang, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, zumal ich die genaue Gewichtung der Anlageklassen über die Jahre hinaus nicht kenne. Letztlich zählt immer nur die Rendite nach Gebühren. Immerhin ist die Performance im Mehrjahresvergleich positiv und je nach gewähltem Zeitabschnitt erfreulich. Ob Sie mit dem Fonds in der Vergangenheit zufrieden waren oder nicht und ob Sie Ihr Vermögen mehren konnten oder nicht, müssen Sie selbst beurteilen. Generell würde ich allerdings nicht beträchtliche Beträge von einer Million Franken nur in ein einziges Vehikel investieren, da Sie trotz der zweifellos sehr breiten Diversifikation innerhalb des Fonds bezogen auf die genutzten Finanzvehikel meines Erachtens ein Klumpenrisiko tragen.

Falls dieser eine Fonds mal nicht gut läuft, was bei jedem Fonds mal vorkommt, haben Sie keine Kompensation durch andere Vehikel. Daher würde ich gerade auch bei hohen Beträgen immer verschiedene Finanzvehikel nutzen und darauf achten, dass diese unterschiedliche Strategien verfolgen. Im Übrigen hat dies auch den Pluspunkt, dass sie neben den verrechneten Gebühren auch die erreichte Performance eher vergleichen können.

3 Kommentare
    Thomas Biasio

    Bei „Morningstar“ (Schweiz) kann man sich im Internet kostenlos Informationen zu jedem Fonds holen. Viele Fonds sind hier mit einem Rating versehen. Beim Fonds des Fragestellers fehlt leider das Rating, zudem werden Ausgabeaufschlag mit 5% und die laufende Kosten mit 3.28% angegeben. Nach einem Kauf muss der Fonds also erst einmal um 8.28% steigen, bis man in den Gewinnzone gelangt (durchschnittliche Jahresrendite auf dem Aktienmarkt beträgt ca. 6 bis 8% jährlich).

    Aus meiner Sicht sind hier die Kosten viel zu hoch. Das geht deutlich billiger, selbst mit aktiven Fonds. Solche teuren Fonds würde ich nur kaufen, wenn sie bei Morningstar eine klare 5-Sterne-Bewertung hätten.