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Corona-Fälle bei der UkraineKantonsarzt bestimmt, ob die Schweiz gegen Abstieg spielen darf

Corona und ein Kantonsarzt entscheiden, ob die Schweiz die Chance erhält, am Dienstag den Abstieg in der Nations League zu verhindern. Darf sie spielen, braucht sie gegen die Ukraine erneut auch viel Kampf.

Die erste Heldentat gegen Spanien: Yann Sommer pariert einen Penalty von Ramos.
Video: SRF

Wenn alles gut geht, spielt die Schweiz am Dienstagabend in Luzern gegen die Ukraine. Wenn es weiter gut geht, gewinnt sie und wendet den Abstieg in der Nations League ab.

Das erste Wenn hat mit Corona zu tun und der Nachricht vom Montag, dass die Ukrainer noch mehr positive Fälle zu vermelden haben. Drei sind es nach dem ersten Befund. Am Luzerner Kantonsarzt liegt der Entscheid, wie es weitergeht und ob allenfalls noch mehr als die Betroffenen in Quarantäne müssen. Der ukrainische Verband hat einmal vorgesorgt und drei U-21-Spieler auf die Reise in die Schweiz geschickt.

Das zweite Wenn hat mit der Schweizer Mannschaft zu tun, sofern sie denn einen Gegner vorfindet. Sieben Spiele hat sie in diesem Jahr hinter sich, ohne eines davon gewonnen zu haben. Der letzte Sieg liegt zwölf Monate zurück, das war das 6:1 in Gibraltar.

Die jüngsten Gegner haben eine andere Qualität als damals am Fuss des Affenfelsen. Sie heissen in der Nations League Spanien, Deutschland und eben Ukraine. An Zuversicht haben die Schweizer gleichwohl nichts eingebüsst. Das lässt auch Yann Sommer durchblicken, wenn er sagt: «Wir merken gegen Deutschland und Spanien, dass wir die Grossen vor Probleme stellen können.»

Die Suche nach der Konstanz

Als Goalie hat Sommer das Privileg, die Arbeit der Feldspieler aus nächster Nähe zu beobachten. Er berichtet davon, wie viel der neue Spielstil und das frühe Pressing an Energie und Konzentration fordern, wie viel an Mut und Power. Das sei eine grosse Aufgabe, sagt er.

1:1 und 3:3 spielten die Schweizer gegen Deutschland, 0:1 und 1:1 gegen Spanien. Für Sommer sind das die Resultate, die ihn festhalten lassen: «Die Arbeit macht Spass. Wir sind auf einem sehr guten Weg.»

Die Schweizer haben ihre Vorzüge, das bewiesen sie in diesen Spielen während kürzerer oder gar längerer Phasen. Aber was ihnen fehlte, war die Konstanz, war die Fähigkeit, über einen ganzen Match dem Gegner zu widerstehen. Konstanz heisst auch Qualität. Schon im vergangenen Jahr zeigten die Schweizer die Schwäche, gegen Spielende nachzulassen. Sieben der insgesamt neun Gegentore liessen sie zwischen der 84. und 93. Minute zu, alle hatten entscheidende Auswirkungen auf das Resultat.

Erneut ein später Treffer: Auch der Ausgleich der Spanier fiel zwischen der 84. und 93. Minute.
Video: SRF

Seit September ist es ihnen immer wieder passiert, dass sie einen Vorsprung nicht verteidigen konnten: nicht in Deutschland (3:3) und gegen Spanien (1:1), auch nicht in den Tests gegen Kroatien und in Belgien (jeweils 1:2). «Wir wollen gegen die Grossen spielen», sagt Trainer Vladimir Petkovic trotzdem, «und auch leiden.» Für ihn ist das lehrreicher, als in der Nations League eine Stufe tiefer zu spielen und da allenfalls zu leichteren Siegen zu kommen. Die Lehre gegen Spanien besteht darin, dass es ohne Kampf, Herz und Widerstandskraft nicht geht. Und nicht ohne einen Goalie in Topform.

Gut, Yann Sommer hatte seinen kleinen Schreckmoment, als Mikel Oyarzabal vor sein Tor flankte. Wobei, flankte der Spanier? Oder schoss er? «Es war eine Schuss-Flanke», sagt Sommer mit eineinhalb Tagen Distanz, «der Spieler traf den Ball nicht richtig.» Und darum «unfassbar schwierig» zu halten. Der Ball rutschte Sommer durch die Hände, er fühlte sich in dem Moment an das Leben eines Goalies erinnert, der in schwierigen Momenten zuweilen ein wenig Glück braucht.

Sommer und die Journalisten

Seit der WM 2014 ist Sommer die Nummer 1 der Schweiz, unbestritten vom ersten Tag an bei Petkovic. Er ist die Nummer 1 in Mönchengladbach, ebenfalls seit jenem Jahr. In den letzten Tagen geriet er in Deutschland in die Kritik, ihm wurde um die Ohren geschlagen, dass er statistisch am wenigsten Schüsse halte. Gegen Spanien stellte er sich zum 58. Mal ins Schweizer Tor und bestritt eines seiner denkwürdigsten Spiele überhaupt.

Da war also die Schuss-Flanke von Oyarzabal, die er fallen liess. Er konnte nur warten, bis der Ball sich entscheidet, wo er hingeht. So erzählt er es. In diesem Moment sah er schon die Journalisten vor sich, wie sie auf der Tribüne sitzen und schon in die Tasten greifen. Auch das erzählt er. Das macht er mit einem Lachen, um der Aussage an Ernst zu nehmen. «Ich konnte nur probieren, da zu sein, wo der Ball hingeht», sagt er, «that’s it.» Und ja, er war da, um das 0:1 zu verhindern.

Fast-Flop: In der 21. Minute muss Sommer gegen Spanien beinahe hinter sich greifen.
Video: SRF

Die besonderen Taten folgten erst noch gegen Sergio Ramos, der nicht nur aussieht wie ein Krieger, sondern auch spielt wie einer. Zweimal durfte der Spanier zum Elfmeter anlaufen. Zweimal stand Sommer vor der Aufgabe, aus dem Gedächtnis abzurufen, was er von Ramos als Penaltyschützen weiss. Er wollte den Gegner aus der Fassung bringen. Schliesslich blieb ihm nur eines: «Nach Gefühl zu gehen.» Sein Gefühl trog ihn nicht, weder in der 57. noch in der 80. Minute. Er war schon da, wo der Ball hinkam. Darum sagt er: «Es gibt nichts Schöneres, als zwei Penaltys zu halten, vor allem von Ramos.»

Die Erinnerung an 2018

Aber es gibt auch wenig Bittereres, als danach trotzdem noch den Ausgleich zu erhalten. Und wiederholt sich diese Geschichte heute, würde das für die Schweizer den Abstieg aus Liga A in Liga B bedeuten. Daran denken sie nicht, lieber erinnern sie sich an den 18. November 2018 zurück. Damals liefen sie letztmals für ein Spiel in Luzern auf. Belgien war der Gegner und wurde «zerstört», wie sich Granit Xhaka heute ausdrückt. Weniger martialisch heisst es: Die Nummer 1 der Welt wurde an einem wunderbaren Abend 5:2 besiegt.

Gegen die Ukraine genügt schon ein 1:0, 2:1 oder einfach jeder Sieg mit zwei Toren Unterschied. Coach Petkovic sagt: «Das ist ein sehr schönes Entscheidungsspiel.» Mal schauen, was Corona und der Kantonsarzt wollen.

1 Kommentar
    ralfkannenberg

    Fussball ist natürlich wieder einmal wichtiger als die Gesundheit der Betroffenen.