Zum Hauptinhalt springen

Nach schwachem QuartalsergebnisNiederländische Grossbank ING streicht 1000 Stellen

In den Monaten Juli bis September verdiente die Bank 41 Prozent weniger im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Nun sollen die Kosten weiter gedrückt werden.

Die ING beschäftigte zuletzt rund 53’000 Mitarbeiter: Logo der Bankfiliale in Frankfurt.
Die ING beschäftigte zuletzt rund 53’000 Mitarbeiter: Logo der Bankfiliale in Frankfurt.
Foto: Mauritz Antin (EPA/Keystone) 

Die grösste niederländische Bank ING setzt nach einem Gewinneinbruch den Rotstift an. Konzernweit sollen 1000 Stellen gestrichen werden, betroffen sind die Regionen Südamerika und Asien (Welche Firmen sonst noch Entlassungen angekündigt haben, erfahren Sie in unserer Live-Übersicht). «Die Pandemie hat nach wie vor überall erhebliche Auswirkungen», sagte Vorstandschef Steven van Rijswijk am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen. Das Ergebnis vor Steuern sackte um 37 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ab. Das war ein deutlich stärkerer Rückgang als Analysten erwartet hatten. Die Aktie rauschte an der Börse in Amsterdam um mehr als sechs Prozent nach unten. Auch in Deutschland ging der Gewinn zurück.

Zu schaffen macht den Niederländern wie anderen Banken in Europa das niedrige Zinsniveau in der Euro-Zone. Die Zinserträge sind die wichtigste Einnahmequelle für Geldhäuser. Im dritten Quartal fielen sie bei der ING um knapp sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Auch die Provisionseinnahmen gingen zurück. Ingesamt lagen die Erträge mit 4,3 Milliarden Euro um gut sieben Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Gleichzeitig stiegen die Kosten und die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. In Deutschland fiel der Vorsteuergewinn um 14 Prozent auf 323 Millionen Euro. Sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft musste die Bank Abstriche machen.

Analysten zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen. Andere Institute hätten sich in den Sommermonaten besser geschlagen, kommentierten die Experten der Bank KBC. Auch die geplanten Sparmassnahmen durch den Stellenabbau seien geringer als bei anderen Geldhäusern. In Südamerika und Asien will ING Niederlassungen schliessen. In Deutschland ist Finanzkreisen zufolge kein Jobabbau geplant. Die deutsche Tochter beschäftigt 6000 Menschen, konzernweit sind es rund 55.000 Mitarbeiter.

Um den sinkenden Zinserträgen entgegenzuwirken, verlangt ING wie andere Banken in Europa schon länger künftig Strafzinsen von Kunden. Ab Februar 2021 gilt für neu angelegte Sparkonten mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent jährlich, wie ING am Mittwoch mitteilte. Unter anderem auch Kunden der Deutschen Bank müssen für höhere Spareinlagen Strafzinsen bezahlen. Die Banken in der Euro-Zone müssen der Europäischen Zentralbank (EZB) Zinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld dort hinterlegen.

REUTERS

4 Kommentare
    Kurt Schlegel

    Warum sind die analysten enttäuscht?

    Die Wahrheit der Geldwertzahlen werden schön geschrieben!

    6% von einer Teilmenge und 7% vom Gesamtmenge tiefer, sieht in der jetzigen Zeit für ein aktuelles Quartal doch gar nicht so schlecht aus oder?

    Leider hatte ich in der Mengenlehre einen Fensterplatz!

    Gerechnet oder in wirklichen Zahlen und wieder schön geschrieben in Prozenten

    die 6% TM sind fast 66% von der GM. Wohlweislich auf dem Zinssegment. Was ist Zinsmässig passiert in dieser Zeit gegenüber dem letzten Quartal?

    Vermutlich sind verschiedene lukrative Zinsertrags Vertragswerke ausgelaufen oder mit einem besseren, für wen auch immer, Zinsertragsvertragswerk abgelöst worden.

    Von auslaufenden Verträgen konnte ja im letzten Jahr ja noch niemand etwas Wissen oder doch? Hoch lebe der forschende Historikerjournalismus! vil g'freut's