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Wegen GeldwäschereiverdachtDie Schlinge für den neuen UBS-Chef zieht sich zu

Einen Monat nach der Anordnung des Gerichts startet die niederländische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Ralph Hamers. Sollte er angeklagt werden, ist er als UBS-Chef nicht zu halten.

Ralph Hamers leitet seit November die UBS, hier ein Bild von seiner Vorstellung vom vergangenen Februar.
Ralph Hamers leitet seit November die UBS, hier ein Bild von seiner Vorstellung vom vergangenen Februar.
Foto: Walter Bieri (Keystone) 

Die nationale Staatsanwaltschaft für Betrugsfälle der Niederlande nimmt Ermittlungen gegen Ralph Hamers auf, den Chef der Grossbank UBS. Das kündigte die Staatsanwaltschaft gegenüber dieser Zeitung in einer Mitteilung an. «Derzeit arrangieren wir die organisatorischen Fragen mit Blick auf die Entscheidung des Gerichts», so die Staatsanwaltschaft weiter.

Im Dezember hatte ein Gericht die Staatsanwaltschaft angewiesen, gegen Hamers persönlich zu ermitteln, um seine Verantwortung im Geldwäschereiskandal bei seinem früheren Arbeitgeber, der niederländischen ING, zu klären.

Eine Sprecherin wollte auf Nachfrage keine Angaben dazu machen, wie lange sich das Ermittlungsverfahren hinziehen wird. Ebenso machte sie keine Erklärungen dazu, welche möglichen Schritte am Ende des Ermittlungsverfahrens folgen werden. Das heisst im Umkehrschluss: Ob Hamers tatsächlich mit einer Anklage rechnen muss, wie zuweilen zu lesen war, ist zum heutigen Stand unklar.

Der Geldwäschereifall geht zurück auf Hamers Zeit bei der ING. Die grösste Bank der Niederlande wurde 2018 zu einer Busse von 775 Millionen Euro verurteilt, weil zwischen 2010 und 2016 ihre Geldwäschereikontrollen systematisch zu schwach gewesen waren. Der Skandal kostete den damaligen Finanzchef Koos Timmermans den Job. Ralph Hamers jedoch konnte seinen Chefposten behalten. Die Justiz wollte die ING-Manager auch nicht persönlich zur Rechenschaft ziehen. Dagegen erhob der Aktionärsaktivist Pieter Lakeman mit Erfolg Beschwerde. Nun muss die Staatsanwaltschaft ermitteln.

«Augen zu und durch», lautet die Devise der UBS

Die Frage ist: Wie lange werden diese Ermittlungen dauern? Der ING-Fall wurde schliesslich bereits zwei Jahre lang von einer anderen Staatsanwaltschaft untersucht. Nun nimmt sich ein neues Team von Staatsanwälten den Fall vor, das aber nicht bei null anfangen muss.

Als sicher kann gelten, dass Hamers erneut befragt werden wird. Unklar ist dagegen, inwieweit das neue Staatsanwaltsteam zusätzliche Ermittlungsschritte einleiten wird. Für eine Anklage müssen die Staatsanwälte Hamers nachweisen, dass er durch sein Unterlassen die Straftat der Geldwäscherei in Kauf genommen hat.

Klar ist auch: Sollte Hamers tatsächlich angeklagt werden, ist er als UBS-Chef nicht zu halten. Solange aber nur gegen ihn ermittelt wird, kann er bleiben. Intern wird mit einer Ermittlungsdauer von bis zu 18 Monaten ausgegangen. Daher heisst es nun intern: «Augen zu und durch.»

In der komplexen Gemengelage fällt die Kommunikation von UBS-Präsident Axel Weber auf. Direkt nach Bekanntwerden der neuen Ermittlungen erklärte er in einem Memo, er habe «volles Vertrauen in die Fähigkeit von Hamers, die Bank zu führen». Wobei niemand je an Hamers Fähigkeiten gezweifelt hatte.

«Einstimmig volles Vertrauen ausgesprochen»

Auch vergangene Woche blieb Weber gegenüber Bloomberg TV in der Frage, ob Hamers bleiben könne, erstaunlich wage: «Ich bin überzeugt, dass er alles mitbringt, um einen guten Job als CEO der Bank zu machen. Das ist der aktuelle Stand, und es gibt keine weiteren Neuigkeiten dazu.»

Das wurde in der Finanzszene so gedeutet, dass Weber auf ein klares Bekenntnis zu Hamers verzichtet. Darauf angesprochen reichte ein Banksprecher am Mittwochabend plötzlich folgendes Statement nach: «Wie bereits gesagt wurde, haben der Verwaltungsratspräsident und der Verwaltungsrat unserem CEO einstimmig volles Vertrauen ausgesprochen.» Erst auf Nachfragen also wird dem CEO unmissverständlich das Vertrauen ausgesprochen.

In dem Kontext um die Diskussion, ob der UBS-Chef trotz laufender Strafermittlungen noch tragbar ist, fällt zudem ein prominenter Abgang im Verwaltungsrat auf. Vergangene Woche teilte die UBS mit, dass Beatrice Weder di Mauro bei der nächsten Generalversammlung nicht mehr antreten werde. Einen Nachfolger konnte die UBS nicht präsentieren.

Weder di Mauros Rücktritt ist ein Schlag für Axel Weber

Der überraschende Abgang ist ein Schlag für Präsident Axel Weber und deutet auf Meinungsverschiedenheiten im obersten Gremium der Bank hin. Ob bei ihrem Rücktritt auch der Umgang mit der Personalie Hamers eine Rolle gespielt hat, ist in Insiderkreisen umstritten. Klar ist: Bereits früher hat der Fall für einige Debatten im Verwaltungsrat gesorgt.

Überraschender Abgang: Professor Beatrice Weder di Mauro hat letzten Freitag ihren Rücktritt aus dem UBS-Verwaltungsrat eingereicht.
Überraschender Abgang: Professor Beatrice Weder di Mauro hat letzten Freitag ihren Rücktritt aus dem UBS-Verwaltungsrat eingereicht.
Foto: PD

Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen der Schweizer Professorin und dem deutschen UBS-Präsidenten bereits seit längerer Zeit erschwert gewesen sein. Die beiden sollen das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, sagt eine Quelle. Weder di Mauro soll der neuen Schweiz-Chefin der UBS, Sabine Keller-Busse, nahestehen, die sich Hoffnungen auf den UBS-Chefposten gemacht hatte. Weder di Mauro liess Fragen dieser Zeitung zu den Gründen ihres Rücktritts unbeantwortet.

Kommenden Dienstag wird Hamers zum ersten Mal die Ergebnisse der UBS präsentieren. Die Ermittlungen gegen ihn drohen dabei alle anderen Themen zu überschatten.

47 Kommentare
    Roland H.

    Weg mit Herren Weber und Hamers es gibt genügend gute schweizer Bankfachleute die diese Jobs machen können. Einfach integer und ehrlich müssen sie sein!