AboTrotz InitiativeNiemand will ein AKW bauen
Die Stromkonzerne bleiben skeptisch – obwohl nun Unterschriften für eine Aufhebung des AKW-Bauverbots gesammelt werden.

Der Kampf um neue Atomkraftwerke hat begonnen. Diese Woche startete ein Komitee die Unterschriftensammlung, um mit einer Initiative das AKW-Verbot in der Schweiz rückgängig zu machen. Die Reaktionen der Stromkonzerne fallen jedoch verhalten aus.
«Falls das Neubauverbot fiele, blieben die grossen Hürden der Kernkraft weiterhin bestehen», teilt die Axpo auf Anfrage mit. Die Kosten und Unsicherheiten eines Neubaus wären enorm hoch. Hinzu komme der Zeithorizont. «Auch wenn Investoren gefunden werden könnten, würde es viele Jahre dauern, bis ein neues Kernkraftwerk ans Netz gehen könnte.»
AKW sind für die Alpiq eine «Brückentechnologie»
Selbst der Plan der Initianten, den Bund in ein Neubauprojekt mit einzubeziehen, stösst bei der Axpo auf Bedenken. Sie findet zwar, dass es auf die genaue Ausgestaltung der Beteiligung ankäme. «Doch die Risiken sowie der zeitliche Faktor verblieben auch bei einer Beteiligung des Bundes.» Der Axpo gehört heute das AKW Beznau, und sie ist an Leibstadt und Gösgen beteiligt.
Die Alpiq, die Gösgen leitet und ebenfalls an Leibstadt beteiligt ist, betont zwar, dass der Schweizer Produktionsmix dank der Kernenergie heute «nahezu CO₂-frei» ist. Dennoch bezeichnet ein Sprecher Atomkraftwerke nur als «Brückentechnologie», damit man Zeit habe, um das Energiesystem auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Frage nach Investitionen in ein neues AKW stelle sich nicht. «Daran ändert sich auch mit der lancierten Initiative nichts.»
Axpo lässt eine Hintertür offen
Die BKW betont derweil, dass der Bau eines neuen Kernkraftwerks derzeit aus wirtschaftlicher Sicht «nicht realistisch» ist. Bereits der Entscheid, das Kernkraftwerk Mühleberg stillzulegen, sei unternehmerisch motiviert gewesen. Um den verschärften Sicherheitsanforderungen zu genügen, hätte man einen dreistelligen Millionenbetrag investieren müssen.
Trotz allem lässt aber insbesondere die Axpo eine Hintertür offen. «Kernkraft kann wieder attraktiv werden, wenn neue Technologie-Generationen marktreif und erprobt sind», schreibt der Konzern – fügt aber sogleich an, dass sich die Schweiz nun auf den raschen Ausbau der Erneuerbaren konzentrieren müsse.

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