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VorstellungNissan strebt nach Höherem

Mit dem Modell Qashqai feiert Nissan seit seiner Lancierung Erfolge. Jetzt wollen die Japaner den SUV in der dritten Generation höher positionieren.

Der neue Nissan Qashqai (hier eine getarnte Version) soll in seinem Segment ab 2021 neue Klassenstandards setzen.
Der neue Nissan Qashqai (hier eine getarnte Version) soll in seinem Segment ab 2021 neue Klassenstandards setzen.
Nissan

Jede Automarke versucht, mit einem breiten Portfolio möglichst viele Kunden anzusprechen. In der Regel sind es aber nur wenige Modelle, mit denen der grosse Umsatz gemacht wird, oder es ist gar nur eines. Deshalb ist es für die Hersteller wichtig, diese «Stars» sorgfältig zu pflegen und weiterzuentwickeln, damit sie in der Gunst der Käufer bleiben. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die grundlegende Überarbeitung eines Modells ansteht. Nissan versucht nun aber, mit der neuen Generation des SUV Qashqai nicht nur die bisherigen Kunden bei der Stange zu halten, sondern auch neue dazuzugewinnen – ein riskanter Spagat.

Und das soll so gehen: Der Qashqai, der sich seit seiner Lancierung im Jahr 2007 weltweit über 5 Millionen Mal verkauft und sich zum beliebtesten Auto Europas im C-SUV-Segment entwickelt hat, wird höher positioniert. Auf diese Weise will Nissan eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft schaffen, wie Marco Fioravanti, Vice President Product Planning Nissan Europe, in einer Videokonferenz sagt. «Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir die jeweiligen Vorzüge eines SUV und eines Kombis verbunden.» Darüber hinaus habe man auf ein attraktives Design sowie auf stimmige Proportionen geachtet und – jetzt kommt es – das Fahrzeug durch bessere Qualität, Materialien und Ausstattung der sogenannten Premium-Klasse angenähert.

Leichter, sicherer, hochwertiger

Diese Strategie hatte zur Folge, dass der Qashqai der dritten Generation sowohl in der Länge wie auch in der Breite um rund 3,5 Zentimeter sowie in der Höhe um 2,5 Zentimeter gewachsen ist, erklärt Peter Brown, Senior Engineer Nissan Technical Center Europe. Und das Kofferraumvolumen sei vor allem gegen unten um 75 Liter grösser geworden und in über 16 Möglichkeiten einteilbar, was mit der neuen Plattform zu tun habe. «Von seiner Kompaktheit hat der Qashqai aber nichts eingebüsst», versichert Brown. Im Vergleich zum Vorgänger sei das Auto, das voraussichtlich im Frühling 2021 auf den Markt kommt, nicht nur leichter, sondern gleichzeitig auch sicherer geworden.

Die Motorenauswahl ist hingegen nicht gerade auf Premium-Niveau. Es stehen ein 1,3-Liter-Benzinaggreat mit 138 und 155 PS sowie jeweils mit Mild-Hybrid-System zur Rückgewinnung der Bremsenergie zur Verfügung. Dazu kommt ein neuer e-Power-Antrieb mit 188 PS. Was verlockend klingt, ist allerdings «nur» ein serieller Hybrid. Das heisst, dass die Räder zwar immer elektrisch angetrieben werden, die Energie dafür aber von einem kleinen Verbrennungsmotor stammt und über einen Generator in Strom umgewandelt oder in der Batterie gespeichert wird. Auf diese Weise entsteht zwar ein Fahrgefühl wie mit einem Elektroauto, ohne dass es aber wirklich eines ist. Wie weit man mit voller Batterie und vollem Tank kommt, gibt Nissan noch nicht bekannt. Auf diesen besonderen E-Antrieb mit Reichweitenverlängerer haben auch schon andere Hersteller gesetzt – allerdings ohne grossen Erfolg. Der Allradantrieb ist nur in Verbindung mit dem 1,3-Liter-Benzinmotor erhältlich.

Das Cockpit des neuen Nissan Qashqai, der im Januar enthüllt wird.
Das Cockpit des neuen Nissan Qashqai, der im Januar enthüllt wird.
Nissan
Grosses Display, wenig Knöpfe – Nissan folgt dem aktuellen Trend.
Grosses Display, wenig Knöpfe – Nissan folgt dem aktuellen Trend.
Nissan
«Am wahrnehmbarsten ist der Aufbruch gegen oben an der Materialqualität», verspricht Nissan für den neuen Qashqai.
«Am wahrnehmbarsten ist der Aufbruch gegen oben an der Materialqualität», verspricht Nissan für den neuen Qashqai.
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Das verbesserte Fahrerassistenzsystem ProPilot bewegt sich dann eher im Premium-Bereich. Das System regelt den Abstand zum vorderen Auto, hält die Spur, bremst selbst harmonisch ab und senkt vor Kreiseln sowie Kurven und beim Bergabfahren das Tempo. Ein Totwinkelwarner und die Überwachung des Qashqai beim Abbiegen ergänzen ProPilot. Für zusätzliche Sicherheit in der Nacht sorgen die serienmässigen LED-Scheinwerfer. Vor allem im Innenraum sollen die Käufer die Annäherung an eine gehobenere Klasse spüren. Laut Arnaud Carpentier, Vice President Product Strategy and Pricing, profitiert man von mehr Schulter- und Kniefreiheit und von mehr Einstellmöglichkeiten für die Frontsitze, für die es ausserdem eine dreistufige Massagefunktion gibt.

«Am wahrnehmbarsten ist der Aufbruch gegen oben aber wohl an der Materialqualität und an kleinen Annehmlichkeiten», führt Carpentier aus. Dazu zählt er die Nachtbeleuchtung, die an einen Airbus erinnern soll. Das Head-up-Display und den Wireless-Charger für das Mobiltelefon, mit dem sich eine leere Batterie in nur einer Stunde wieder voll aufladen lassen soll. Wenn der Preis nicht allzu stark nach oben angepasst wird, werden bestehende Kunden ihre Freude am neuen Qashqai haben. Ob er aber vornehm und hochwertig genug ist, um bisherige Kunden von Premiummarken zu Nissan zu locken, ist fraglich.

2 Kommentare
    Jürgen Baumann

    "Jetzt wollen die Japaner den SUV in der dritten Generation höher positionieren." Aha. Ist der nur ab 1000 Meter nutzbar?

    In Deutschland kommt der bestimmt als förderfähiger Hybrid gut an. Er hat nämlich elektrische Fensterheber und (!) LED.