Zum Hauptinhalt springen

Corona-Fälle in GraubündenLager-Ausbruch weitet sich aus –15 Contact-Tracer im Einsatz

Kinder, die nach dem Musiklager in Parpan nach Hause gingen, steckten weitere Personen an. Das Bündner Gesundheitsamt ist beunruhigt über die Entwicklung im Kanton.

Das Gesundheitsamt in Graubünden warnt vor Nachlässigkeit und empfiehlt, die Schutzmassnahmen strikt einzuhalten: Mitarbeiter einer Metzgerei in Mesocco, die gratis Schutzmasken verteilt.
Das Gesundheitsamt in Graubünden warnt vor Nachlässigkeit und empfiehlt, die Schutzmassnahmen strikt einzuhalten: Mitarbeiter einer Metzgerei in Mesocco, die gratis Schutzmasken verteilt.
Foto: Keystone

Das Contact-Tracing ist eine logistische Herausforderung – auch für den Kanton Graubünden, den am dünnsten besiedelten Kanton der Schweiz. Allein im Umfeld eines Jugend-Musiklagers in Parpan wurden über zwei Dutzend Neuinfektionen bekannt, wie das Gesundheitsamt Graubünden am Freitag mitteilt. Bei den positiv getesteten Personen handelt es sich zur Hälfte um Kinder und Jugendliche im Alter bis 20 Jahre. (Mehr zum Thema: Wie gefährlich sind Jugendlager im Corona-Sommer?) Einige Teilnehmer des Jugendlagers waren am vergangenen Wochenende, noch vor Auftreten von Symptomen, weiter in ein anderes Ferienlager gezogen. Die rund 30 Teilnehmer wurden sofort in Quarantäne gesetzt, und das Ferienlager wurde aufgelöst.

15 Personen im Contact-Tracing

Obschon die Ressourcen ausgebaut wurden, stehen die Contact-Tracer im Kanton Graubünden vor der zusätzlichen Herausforderung, Dutzende Daten von Kontaktpersonen zu verwalten. Das Gesundheitsamt wurde eigenen Angaben zufolge am Montag über die Neuinfektionen im Jugendlager informiert. Nun stünden interne Mitarbeiter, die eigentlich andere Arbeiten verrichten würden, für das Tracing zur Verfügung, sagt Rudolf Leuthold, Leiter des kantonalen Gesundheitsdepartements, auf Anfrage.

«Zur Kontrolle und Unterbindung der Infektionskette stehen momentan 15 Contact-Tracer im Einsatz», so Leuthold. Noch könne man im Kanton die Situation managen. Reichten die Kapazitäten nicht mehr aus, «könnten wir Unterstützung von anderen Dienststellen erhalten und weitere Personen rekrutieren. Was natürlich heisst, dass diese Personen ihrer gewohnten Arbeit nicht mehr nachgehen könnten.» Eine interkantonale Unterstützung sei derzeit nicht nötig, allfällige Ressourcen liessen sich im Kanton aufbieten, so Leuthold.

Dennoch sei das Gesundheitsamt beunruhigt, wie es in einer Mitteilung heisst. Das Amt warnt deshalb vor Nachlässigkeit. Der Fall im Jugendlager zeige, wie tückisch das neue Coronavirus sei; asymptomatische Virusträger hätten das Virus unbemerkt und in kürzester Zeit ausgebreitet.

Insgesamt befinden sich in Graubünden aktuell 44 Personen in Isolation, rund 250 Personen in Quarantäne sowie 2 Personen in Spitalpflege.

Fälle in Pontresina, Zuoz und Chur

In den letzten Wochen häufte sich die Arbeit der Contact-Tracer. Nach einer Infektion in einem Hotel in Pontresina mussten 4 Personen in Isolation, eine Person musste sich in Spitalpflege und 16 Personen in Quarantäne begeben.

Zudem wurde ein Kind in einem Ferienlager in Zuoz positiv getestet. Auch dort leitete das Gesundheitsamt Sofortmassnahmen zur Eindämmung der Infektionsketten ein: Eine Person musste in Isolation, zwei Familienangehörige sowie achtzehn Kinder in Quarantäne.

Und schliesslich gabs noch einen Fall in einer Churer Bar. Dort kam es zum Kontakt zwischen einem Bar-Mitarbeiter und Gästen, von denen jemand infiziert war. Insgesamt wurden über 100 Kontaktpersonen eruiert; 80 Personen befanden sich in Quarantäne und wurden durch die Contact-Tracer betreut.

Polizisten sollen weniger Parkbussen verteilen

Aufgrund der negativen Entwicklung verstärkt das Gesundheitsamt auf Weisung des Bundesamts für Gesundheit die Kontrollen der Umsetzung von Schutzkonzepten. Betreiber und Organisatoren von öffentlich zugänglichen Betrieben und Einrichtungen sowie an Veranstaltungen müssen hinreichende Schutzkonzepte erarbeiten und umsetzen. Zudem müssen sie die Richtigkeit der Kontaktdaten vor dem Zutritt überprüfen und diese in einer elektronisch geführten Liste speichern.

Auch die Gemeinden müssen stärker kontrollieren. Mit Stichproben werden die Schutzkonzepte in den kommenden Tagen nochmals überprüft, heisst es in einer Mitteilung. Allenfalls «müssen die Polizisten halt für den Moment weniger Parkbussen verteilen und dafür vermehrt die Schutzkonzepte inspizieren», wird Leuthold auf Suedostschweiz.ch zitiert.

Im Hinblick auf die Ferienzeit empfiehlt das Gesundheitsamt weiterhin, die Abstandsregel von 1,5 Meter, die allgemeinen Hygienemassnahmen und die Pflicht zum Tragen von Schutzmasken im öffentlichen Verkehr strikt einzuhalten. Menschenansammlungen sind zu meiden, insbesondere in geschlossenen Räumen.

nag