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Japans China-Politik«Notfalls zurück­schlagen»

Die japanische Regierung wappnet sich gegen zunehmende Macht­ansprüche der Chinesen in Ostasien – mithilfe der USA. Und dank importiertem Impfstoff.

Yoshihide Suga, Japans Regierungschef.
Yoshihide Suga, Japans Regierungschef.
Foto: Keystone

Japans Premierminister war am Dienstag im Nationalen Zentrum für Weltgesundheit und Medizin in Tokio. Yoshihide Suga bekam seine erste Dosis Covid-19-Vakzin. Kameras liefen, Fotoapparate klickten. Und die Reporter hörten aufmerksam zu, als der 72-Jährige den Impfvorgang kommentierte. «Ich dachte, es würde wehtun», sagte Suga, «aber es war gar nicht so schlimm.»

Die Spritze ist Teil von Sugas Vorbereitungen auf eine wichtige Dienstreise. Im April soll er als erster ausländischer Regierungschef den neuen US-Präsidenten Joe Biden in Washington treffen. Bidens Team arbeitet gerade an seiner Sicherheitspolitik im ostasiatischen Raum, vor allem mit Blick auf Chinas zunehmende Machtansprüche. Die Amerikaner setzen dabei auch auf ihren Bündnispartner Japan, weshalb am Dienstag erstmals Aussenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin in Tokio waren.

Sie sprachen mit ihren japanischen Amtskollegen Toshimitsu Motegi und Nobuo Kishi vor allem über China. Anschliessend sagte US-Aussenminister Blinken, auch im Namen des japanischen Aussenministers, die USA und Japan stünden für eine freie indopazifische Region und würden «notfalls zurückschlagen, wenn China Zwang oder Aggression anwendet, um seinen Willen durchzusetzen.»

Grosse Impfskepsis in Japan

Aber Sugas Impfung sollte ihn nicht nur für seine diplomatischen Aufgaben wappnen. Sie sollte auch ein Zeichen setzen. Denn in kaum einem Land ist das Misstrauen gegen Vakzine so gross wie in Japan. Nach einer Studie der Medizinzeitschrift «The Lancet» glauben in Japan weniger als 30 Prozent der Menschen daran, dass Vakzine sicher, wichtig und effektiv sind.

«Japan ist sehr vorsichtig, weil es in der Vergangenheit Probleme mit potenziellen Nebenwirkungen gab», sagte Gesundheitsforscher Haruka Sakamoto von der University of Tokyo der Nachrichtenagentur Bloomberg.

«Ich dachte, es würde wehtun»: Yoshihide Suga bekam am Dienstag seine erste Impfung gegen das Coronavirus.
«Ich dachte, es würde wehtun»: Yoshihide Suga bekam am Dienstag seine erste Impfung gegen das Coronavirus.
Foto: Keystone

Japans Regierung war einst in Rechtsstreitigkeiten um solche Nebenwirkungen verwickelt. Mitte der 1990er-Jahre entledigte sie sich ihrer Verantwortung, indem sie Pflichtimpfungen abschaffte. Das bestätigte die Zweifel an den Vakzinen. Auch Japans Pharmaindustrie nahm sie nicht mehr wichtig.

Die Folge: Im Wettbewerb um Corona-Impfstoffe war Japan praktisch nicht dabei. Japans Regierung braucht Importe: 671,4 Milliarden Yen, also rund 5,7 Milliarden Franken, hat sie in insgesamt 280 Millionen Dosen der Firmen Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca für die 126 Millionen Menschen im Land investiert.

Erst seit Februar läuft die nationale Impfkampagne. Medizinisches Personal war als Erstes dran, es folgten die Senioren. Gleichzeitig achten Medien und Menschen auf mögliche Nebenwirkungen. Dass diverse Länder Impfungen mit AstraZeneca gestoppt haben, nimmt man in Japan zur Kenntnis. Viele sehen sich in ihrer Skepsis bestätigt. Auch wenn Premierminister Suga nach seiner Biontech/Pfizer-Spritze keine Klagen hatte. (Lesen Sie auch die Analyse zum japanischen Regierungschef.)

13 Kommentare
    Tim Meister

    Interessante Kommentare. Dazu 2 Anmerkungen - aus meiner Sicht sind Mit - Hauptverantwortliche für den 2. Weltkrieg sowohl GB/F wie USA/GB. Sie hatten die Möglichkeiten, diesen Krieg nicht ausbrechen zu lassen, respektive sehr schnell zu beenden. Das ohne irgend etwas verharmlosen zu wollen! Aber der Sieger schreibt ja die Geschichte ...

    Und dass "China" laufend agressiver auftritt, ist nicht neu. China kommt um zu bleiben (respektive zu nehmen). Geben ist in der chin. Kultur, soweit ich das je gelernt habe, politisch nicht bekannt.

    Dass wir uns als Schweizer, Europäer in Position bringen sollten, um gegen ein System antreten zu können, dass unserem 100% nicht entspricht - was soll dran falsch sein? Natürlich sind wir heute massivst von China abhängig, aber das könnte mit ausreichend politischem Wille auch wieder reduziert werden.

    Die Geschichte ist das eine (um daraus zu lernen), die Gegenwart das andere und die Zukunft? Deren Weichen stellen wir heute ...