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Nach Turn-SkandalNun liegt der Untersuchungsbericht vor

Seelischer Missbrauch und Erniedrigungen: Die Vorwürfe von ehemaligen Rhythmischen Gymnastinnen sind gravierend. Eine Anwaltskanzlei hat diese untersucht – nun liegt der Ball beim Turnverband.

Wie viel liegt in der Rhythmischen Gymnastik in der Schweiz im Argen? Darüber will der Turnverband im Januar berichten.
Wie viel liegt in der Rhythmischen Gymnastik in der Schweiz im Argen? Darüber will der Turnverband im Januar berichten.
Foto: Keystone

Was läuft in der Rhythmischen Gymnastik falsch? Um dieser Frage nachzugehen, liess der Schweizerische Turnverband (STV) im September eine Untersuchung in Auftrag geben. Nun hat der Zentralvorstand des STV den entsprechenden Bericht erhalten. Die Anwaltskanzlei Pachmann Rechtsanwälte untersuchte während drei Monaten die Vorwürfe von ehemaligen Rhythmischen Gymnastinnen, zudem überprüfte sie die Strukturen in der Rhythmischen Gymnastik in der Schweiz ganzheitlich.

Der Ablauf der Untersuchung wurde durch Vertreter der Geschäftsprüfungskommission des STV und von Swiss Olympic begleitet. Nach einer eingehenden Analyse durch den Zentralvorstand sollen im Januar die Ergebnisse und allfällige Empfehlungen des Berichts veröffentlicht und die daraus folgenden Massnahmen vorgestellt werden.

Bundesrätin Amherd will eine eigene Untersuchung

Die Untersuchung gründet auf den gravierenden Vorfällen, welche ehemalige Athletinnen des Nationalkaders im Sommer in diversen Medien publik machten. Die Verbandsspitze, die lange Zeit kein gutes Bild abgegeben hatte, weil sie längst von den Zuständen im Nationalkader wusste, aber erst auf öffentlichen Druck handelte, wollte mit der Untersuchung Licht ins Dunkel bringen.

Doch als in den «Magglingen-Protokollen» im «Magazin» der Tamedia-Zeitungen eine aufwendige Recherche erschien, in welcher acht frühere Kunstturnerinnen und Rhythmische Gymnastinnen über seelischen Missbrauch und Erniedrigungen berichteten, wurde die Luft auch für die Verantwortlichen des Turnverbandes dünn. Der Vertrag mit dem bereits seit Sommer suspendierten Chef Spitzensport Felix Stingelin wurde per Ende Oktober aufgelöst, STV-Geschäftsführer Ruedi Hediger wird per Ende Jahr zurücktreten.

Zusätzlich schaltete sich Bundesrätin Viola Amherd in die Debatte ein. In einem virtuellen Austausch mit Vertretern des Turnverbandes und von Swiss Olympic machte sie klar, dass sie solche Vorfälle nicht akzeptiere. Und Amherd fordert eine unabhängige Meldestelle, die allen Sportlern, Betreuern und Eltern zur Verfügung steht. Diese Woche wird im Ständerat und im Nationalrat über zwei entsprechende Motionen abgestimmt.

Was für den Turnverband nicht ganz nebensächlich ist: Obwohl die Bundesrätin von der Untersuchung durch Pachmann Rechtsanwälte wusste, will sie die Vorfälle ebenfalls aufarbeiten lassen.

7 Kommentare
    Josef Felder

    Solange wie nur der Sieg das Ziel ist, wird sich nirgendwo etwas ändern.