Zum Hauptinhalt springen

Kolumne von Julia WeberEine Sache des Glaubens

Gott und das Coronavirus sind unsichtbar. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied.

Die Frau am Kiosk blättert in einer «Bunte. Die Fingernägel glänzen, nicht, als wären sie frisch lackiert, vielmehr, als wäre sie genau so, mit diesen Fingernägeln, zur Welt gekommen. Sie tippt Heidi Klum ins Hochglanz-Gesicht und sagt, die Heidi, die wisse, was sie wolle, ich hingegen würde immer nur dann zu ihr kommen, wenn ich nicht mehr wisse, was in meine Kolumne soll.

Aber sie helfe mir gerne, sagt sie und spuckt einen Kaugummi in ihre Hand, er habe seinen Geschmack verloren, der Kaugummi, sagt sie und starrt ihn an. Auch hätten die Tage einen fahlen Geschmack, momentan, überall die halben Gesichter und dann die Unsicherheit. Vergesse man einmal die Maske, kämen böse Blicke von denen, die das Vergessen als Absicht deuteten, und habe man die Maske an der Bushaltestelle an, bereit, in den Bus zu steigen, kämen die Blicke von denjenigen, die nicht an dieses Virus glaubten. Wie man nicht an etwas glauben könne, was merkbar in der Welt sei, das verstehe sie nicht, denn im Gegensatz zu einem Gott, zum Beispiel, den man anzweifeln könne, durchaus, auch er sei durchsichtig wie das Virus, aber im Gegensatz zum Virus, das man testen könne, könne man keinen Test machen, ob es Gott gebe, geschweige denn, ob er in einem selbst vorhanden sei. Aber, das mit dem Gott, das sei Sache derjenigen, die an ihn glaubten. Sie selber glaube auch, das mache ihr das Leben wärmer, und sie rieche nach Lavendel, ihre Göttin. Eine, die am Morgen neben ihr in der fliederfarbenen Bettwäsche liege, die in ihrem Kopf Gitarre spiele.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.