«Die Welt ist voller Viren»

Fabian Cancellara musste im Vorfeld von Olympia turbulente Tage überstehen. Seine zweite Tochter erkrankte kurze Zeit nach der Geburt, setzte beim Radstar aber neue Energien frei.

Fabian Cancellara über das Fieber seiner Tochter: «Wenn ich die Kleine vor meinem geistige Auge sah, gab mir dies beim Training hinter dem Motorrad einen zusätzlichen Antrieb.»

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Einer für alle, alle für einen. Fabian Cancellara ist das Schweizer Zugpferd für das olympische Strassenrennen am Samstag. Die Teamgefährten Martin Elmiger, Michael Schär und Gregory Rast stellen sich auf dem schwierigen Parcours durch London vollumfänglich in seinen Dienst. Auf dem Weg zu seiner dritten Olympiamedaille sieht der Berner vor allem Deutschland und Grossbritannien als die grössten Hürden, die es zu bezwingen gilt. «Es wird eine grosse Lotterie», sagte Cancellara an der Medienkonferenz im Teamhotel beim Hampton Court, einige Kilometer ausserhalb von London. Die Briten werden mit Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins und Sprintkönig Mark Cavendish auf eine Massenankunft hoffen. Für Cancellara ist deshalb klar: «Jene, die auf die gleiche Taktik wie die Briten setzen, wissen genau, dass sie nur noch um den zweiten und dritten Platz fahren.»

Vielleicht gebe es aber Nationen, die eben Silber und Bronze anstreben, führte der Schweizer Radstar aus – was für die Schweiz aber auf keinen Fall gelte. «Wir sind nicht nur zur Teilnahme angereist, sondern hergekommen, um etwas für die Schweiz zu erreichen», so Cancellara, der trotz widriger Umstände während der Olympiavorbereitung sich und seiner Mannschaft den Sieg zutraut. «Ich habe meine Vorbereitungen zu hundert Prozent richtig gemacht. Druck verspüre ich nicht, weil ich schon zwei Olympiamedaillen gewonnen habe. Wir gehen mit einem starken Team an den Start und werden unser eigenes Rennen fahren.»

«Im Leben gibt es Wichtigeres als Sport»

Cancellara verliess die Tour de France vor rund zwei Wochen, um die Geburt seiner zweiten Tochter Elina mitzuerleben. Die Kleine litt dann wenig später an Fieber und löste innerhalb der Familie grosse Sorgen aus. Dass er sich beim engen Kontakt mit der Neugeborenen selber anstecken konnte, war für ihn kein Thema. «Du kannst überall etwas aufschnappen. Die ganze Welt ist voller Viren. Und auch wenn du die Tour de France bis zum Schluss mitfährst, ist das immer noch gefährlicher.» Die Bedenken um die Gesundheit von Elina legten sich schnell, als das Fieber wieder sank. Umso stärker stieg die Motivation des Vaters: «Wenn ich die Kleine vor meinem geistigen Auge sah, gab mir dies beim Training hinter dem Motorrad einen zusätzlichen Antrieb. Zugleich zeigte mir die Erkrankung auch, dass es im Leben Wichtigeres gibt als Sport.»

Erstellt: 27.07.2012, 17:50 Uhr

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