Sandro Viletta, King of the Mountain

Nach neun Winterspielen vor Ort sitzt unser Autor dort, wo alles begann. Vor dem Fernseher. Heute träumt er dort von russischer Sonne und freut sich mit Sandro Viletta.

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Sässe oder läge ich zusammen mit meinen Skijournalistenkollegen im T-Shirt beim Sünnelen in Rosa Chutor, würden wir, in Erwartung des zweiten Laufes, wieder einmal über Sinn und Unsinn der Superkombination diskutieren. Abschaffen würde eine Mehrheit sagen, auch die meisten Schweizer, die noch nicht wissen, was Sandro Viletta im Slalom zeigen wird, und ich würde verständnislos angeschaut, wenn ich mich als Fan dieser Art von Rennen outen würde. Weil ich sie spannend finde, weil ich die Überraschungen mag, die sie produziert, und weil ich ein Traditionalist bin. Wengen und Kitzbühel sind nun einmal die Höhepunkte des Skiwinters, und es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass sich zu Beginn der langen Geschichte nur die Gewinner der Kombination Hahnenkamm- oder Lauberhornsieger nennen durften.

Ich gebe zu, dass die klassische Kombination mit einer Abfahrt und einem kompletten Slalom mit zwei Läufen zu Recht keine Überlebenschance hatte. Weil die Zeit, die ein Abfahrer im Slalom verlieren konnte, in keinem Verhältnis zu den viel knapperen Abständen in der schnellen Disziplin stand. Um den wirklich Vielseitigen und nicht nur tollkühnen Slalomfahrern eine Chance zu bieten, brauchte es die Mischung von je einem Lauf.

Bei geschickter Vermarktung liesse sich die Superkombination als Krone des Skisports verkaufen. Man könnte den Sieger King of the Mountain nennen und ihn entsprechend belohnen. Man könnte daraus sogar einen alpinen Triathlon machen mit Abfahrt am Morgen, einem Riesenslalom am Nachmittag und einem Nachtslalom als Showdown. Veranstalter müssten sich um diese Events reissen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Für den internationalen Skiverband FIS ist die Superkombination eine Möglichkeit, bei Olympia zusätzliche Medaillen zu verteilen und damit zusätzliche TV-Stunden zu verkaufen. Doch Platz im Weltcupkalender findet sie dafür kaum. Nur Wengen will sie unbedingt haben, weil damit die Kosten der Infrastruktur auf drei Tage verteilt werden können. Kitzbühel musste mit der Konzession genötigt werden, dass der zur Superkombination zählende Super-G als eigenständiges Rennen ebenfalls zählt. Weil der Schneefall die Wengener dazu zwang, den Slalom vor der Abfahrt durchzuführen, gab es vor Sotschi kein einziges Rennen nach der Olympia-Formel mit der Abfahrt vor dem Slalom.

Eine unmögliche Situation. Doch ich könnte damit leben, wenn ich an diesem frühen Nachmittag im Zielraum von Rosa Chutor stünde. Und mir etwas Wärmeres überstreifte, weil die Sonne so langsam verschwindet. Nicht nur weil mir das Rennen beweist, dass ich recht habe. Sondern ganz ein bisschen auch wegen Sandro Viletta, dem King oft the Mountain. Keiner meiner Schweizer Kollegen würde wagen, das Wort «nur» in den Mund zu nehmen, weil es sich um eine Superkombination handelt.

Erstellt: 14.02.2014, 15:02 Uhr

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