Vorbereitung im Kühlschrank

Weltmeisterin im warmen Wasser war die Langstreckenschwimmerin Swann Oberson schon, heute peilt sie Olympiagold in den kalten englischen Fluten an.

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Ihr Weg nach London war lang, und er war kalt. Wenn die Genferin Swann Oberson heute um 13 Uhr zum Langstreckenschwimmen über 10 Kilometer startet, hat sie ihren ersten Kampf bereits gewonnen. Oberson hasst kaltes Wasser. Sie ist gross, schlaksig, hat kein überschüssiges Gramm Fett an sich, und wenn ihr die Temperatur an den Körper und die Substanz will, ist sie ihr ausgeliefert. Vor einem Jahr ist sie in Shanghai überraschend Weltmeisterin geworden, über 5 Kilometer und bei Badewannebedingungen von 30 Grad – die erste Weltmeisterin der Schweiz im Schwimmen.

Seither musste sie lernen, auch in kaltem Wasser schnell zu sein. Denn die Temperatur des Serpentine Lake wird kaum mehr als 19 Grad betragen, und es macht einen Unterschied, ob man 20 Minuten unterwegs ist wie die Triathletinnen oder rund 2 Stunden wie die Langstreckenschwimmer. Oberson glaubt, ihre Abneigung überwunden zu haben, zuletzt trainierte sie in Bellinzona in Flüssen mit 16 Grad. Zuvor schwamm sie über Monate dreimal wöchentlich im Becken mit 19 Grad, Kühlschrank hätten sie das genannt, «aber es gibt keine andere Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen», sagt die 26-Jährige.

Mit Gels von der Angel

Als Newcomer unter den Ausdauerschwimmern und an ihren ersten Spielen steuerte Oberson vor vier Jahren in Peking mit Rang 6 ein Diplom zur Gesamtbilanz bei. Es war damals für sie das Zeichen, dass sie das Potenzial für höhere Ziele hat. Ein Diplom, ein Rang unter den ersten acht, will sie auch jetzt, aber dafür hat sie die grossen Strapazen nicht auf sich genommen. Vom Podestplatz will sie zwar nicht reden, sie sagt aber: «Ich habe 24 Konkurrentinnen, und ich glaube nicht, dass jemand stärker ist.» Entscheidend sei jedoch, dass man die Trainingsleistung im Wettkampf umsetzen könne.

Oberson hat sich vor bald zwei Jahren in Würzburg der Trainingsgruppe des vielfachen Weltmeisters Thomas Lurz angeschlossen, dessen Bruder Stefan seither ihr Trainer ist. Ihre engste Bezugsperson ist allerdings Nationaltrainerin Elena Nembrini geblieben, eine einstige Schwimmerin, ohne die sie wohl längst zurück in der Schweiz wäre. Die Sprache war anfänglich ein Problem, das extrem harte Training von 80 bis 100 km in der Woche, die Eintönigkeit. Nembrini hat ihr auch die Taktik für heute vorgegeben: Nach dem Start in der ersten Hälfte bleiben, um reagieren zu können, wenn sich an der Spitze jemand davonmacht. Mit einer Angel wird sie sie zwei-, dreimal mit Gels versorgen. Den Rest muss sie allein machen.

Erstellt: 09.08.2012, 08:15 Uhr

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