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Auf den Spuren des Bond-Bösewichts

Tontaubenschiessen zählt zu den wenigen Sportarten, die es sogar in einen James-Bond-Film geschafft haben. Gegenwart und Geschichte einer ausgefallenen Disziplin, in der die Schweiz auch einen Olympioniken stellt.

Nicht so böse wie «Goldfinger», dafür umso treffsicherer: Fabio Ramella, Schweizer Tontaubenschütze an den Olympischen Spielen. (26. Juli 2012)
Nicht so böse wie «Goldfinger», dafür umso treffsicherer: Fabio Ramella, Schweizer Tontaubenschütze an den Olympischen Spielen. (26. Juli 2012)
Keystone
Warten auf den Einsatz: Vincent Hancock aus den USA und Georgios Achilleos aus Zypern am Olympia-Wettbewerb in Peking. (16. August 2008)
Warten auf den Einsatz: Vincent Hancock aus den USA und Georgios Achilleos aus Zypern am Olympia-Wettbewerb in Peking. (16. August 2008)
Keystone
Freudiger Italiener: Andrea Benelli feiert seinen Olympiasieg in Athen. (22. August 2004)
Freudiger Italiener: Andrea Benelli feiert seinen Olympiasieg in Athen. (22. August 2004)
Keystone
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Wenn man als Laie ans Tontaubenschiessen denkt, kommt einem zunächst einmal die Anfangsszene des James-Bond-Klassikers «Goldfinger» in den Sinn, in welcher der von Gerd Fröbe verkörperte Bösewicht Auric Goldfinger seiner Leidenschaft fürs Schiessen nachgeht. Sonst ist der Sport, den in der Schweiz unter dem Dach der Swiss Clay Shooting Federation 250 Lizenzierte betreiben, weitgehend unbekannt. Sollte der Schaffhauser Fabio Ramella an den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen, würde sich das aber wohl schlagartig ändern. Ramella, der im vergangenen September an der WM in Belgrad als Fünfter den Vorstoss in die Weltelite schaffte, wartete in diesem Jahr am Scandinavian Open mit 148 Treffern aus 150 Versuchen auf – dies würde in London wohl Gold bedeuten. «Auszuschliessen ist nichts», sagt der Schweizer Hoffnungsträger denn auch. «Den Sieg holt der, der den Olympia-Rummel am besten ausblenden kann. Seit dem WM-Coup weiss ich, dass für mich einiges möglich ist.»

«Früher hat man auf lebende Tauben gezielt»

In Ramellas Olympia-Disziplin, dem sogenannten Skeet, schiessen die Athleten einer Serie von acht Ständen aus und mit unterschiedlichen Winkeln auf insgesamt 25 Wurfscheiben. Diese werden mit Hilfe von Wurfautomaten mit rund 90 km/h aus zwei Häusern geschleudert. Aktiviert werden die Tontauben durch die Rufe der Sportler. Nach dem akkustischen Signal dauert es maximal drei Sekunden, bis die Wurfscheiben einzeln oder als Doubletten freigegeben sind. Die mit einer Schrotladung wartenden Schützen müssen blitzschnell reagieren. «Früher hat man auf lebende Tauben gezielt», erzählt Beat Matti, der Präsident der Swiss Clay Shooting Federation. Heute sei dies natürlich strengstens verboten. Bei Zuwiderhandlungen spreche der Verband lebenslange Sperren aus. Das Schiessen auf lebendige Tauben war übrigens sogar einmal olympisch: Im Jahr 1900 sicherte sich der Belgier Leon de Lunden mit 21 Treffern bei nur zwei Fehlschüssen die goldene Auszeichnung. Insgesamt fielen dem grotesken Wettkampf rund 300 Tauben zum Opfer.

Tontaubenschützen haben es in der Schweiz nicht leicht. Taugliche Strukturen sind praktisch inexistent. In Embrach – der Anlage, die Ramellas Wohnort noch am nächsten liegt – sind die Trainingsmöglichkeiten beschränkt. Deshalb übt der Olympia-Teilnehmer auf der anderen Seite der Grenze im deutschen Randegg. Punktuell reist er nach Montecatini in die Toskana, um sich von der Trainer-Ikone Bruno Rossetti, dem Olympia-Bronzemedaillengewinner von Barcelona, schulen zu lassen.

«Ein ständiger Kampf, um über die Runden zu kommen»

Reich wird Ramella mit Skeet-Schiessen nicht. Das Jahresbudget von rund 45'000 Franken musste er in der Vergangenheit zur Hälfte selber finanzieren. In der Sonderschule, in der sein Vater Guido als Lehrer tätig ist, kann er im Stundenlohn als Allrounder arbeiten, um für sich, seine Frau und Sohn Miles den Lebensunterhalt zu verdienen. «Es ist ein ständiger Kampf, um über die Runden zu kommen», berichtet Ramella. «Ohne die Unterstützung meiner Frau und der Eltern ginge es nicht. Ich bin jetzt schon stolz, weil meine Olympia-Teilnahme praktisch niemand als realistisch angesehen hatte.» Auf Skeet aufmerksam wurde er, nachdem er die Jagdprüfung absolviert hatte. 2005 wagte er in Embrach seine ersten Versuche. In seiner Jugend hatte er Radrennen bestritten.

Es sei sehr wichtig gewesen, dass er unmittelbar vor Olympia noch auf der Anlage in London trainieren konnte, sagt Ramella, für den die Spiele heute mit der Qualifikation beginnen. Die Anlage sei recht speziell. Ans Zusammenspiel zwischen Wolken und Sonne müsse man sich gewöhnen können. Es werde schnell finster, die Scheiben seien teilweise nicht gut zu erkennen. Und der Wind sei nicht zu unterschätzen. Ramella ist jedoch überzeugt, dass ihm schwierige Bedingungen liegen. In den Trainings habe er sich konstant auf höchstem Niveau bewegt. «Formkurve und Selbstvertrauen passen.» Die Umstellung auf eine neue Waffe bereite ihm ebenfalls kein Kopfzerbrechen mehr.

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