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Das Plansoll nicht erfüllt

Lassen wir uns von den wenigen Ausnahmekönnern mit dem roten Pass nicht täuschen: Die Schweizer Olympia-Delegation hat in London mehrheitlich enttäuscht.

Schmerzen statt Edelmetall: Fabian Cancellara stürzt im Strassenrennen in aussichtsreicher Position. (28. Juli 2012)
Schmerzen statt Edelmetall: Fabian Cancellara stürzt im Strassenrennen in aussichtsreicher Position. (28. Juli 2012)
Keystone
Geknickt: Max Heinzer scheitert in den Achtefinals des Degen-Wettbewerbs am Venezolaner Ruben Limardo Gascon. (1. August 2012)
Geknickt: Max Heinzer scheitert in den Achtefinals des Degen-Wettbewerbs am Venezolaner Ruben Limardo Gascon. (1. August 2012)
Keystone
Eine Sekunde fehlte zu Gold: Dem Mountainbiker Nino Schurter schmeckt auch Silber.
Eine Sekunde fehlte zu Gold: Dem Mountainbiker Nino Schurter schmeckt auch Silber.
Keystone
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Die Latte war schon im Vorfeld dieser Sommerspiele von Swiss Olympic sehr hoch gesetzt worden. Von acht bis zehn Medaillen war die Rede, ein Rang unter den besten 25 Nationen im Medaillenspiegel hätte es für die Schweiz werden sollen. Am Ende sind es wenigstens je zwei Gold- und Silbermedaillen sowie sechs Diplome geworden, weil unser Land das Glück hat, über Persönlichkeiten wie Roger Federer, Steve Guerdat, Nino Schurter und Nicola Spirig zu verfügen. Diese Ausnahmeathleten haben nach professioneller Vorbereitung auch im olympischen Wettkampf eine Topleistung abgerufen und verdient Edelmetall geholt.

Doch diese Medaillen und Diplomränge täuschen über die Realität an Olympia 2012 hinweg. Denn das Gros der Schweizer Olympioniken versagte in London beim Saisonhöhepunkt, der Auftritt der hoffnungsvollen Fussballauswahl war sogar von höchster Peinlichkeit geprägt. Dazu gesellte sich Pech wie beim stürzenden Fabian Cancellara im Strassenrennen. In bedeutenden olympischen Sportarten wie Schwimmen und Leichtathletik erreichten viele Athletinnen und Athleten aus der Schweiz nicht annähernd ihre Bestleistung. Und wenn sie trotzdem achtbare Leistungen schafften, so waren sie letztlich unter der Rubrik «Ferner liefen» klassiert. Das Gleiche lässt sich von anderen Sportarten wie etwa Segeln oder Schiessen sagen. Warum nur ganz wenige Schweizer und Schweizerinnen über sich hinauswuchsen, bedarf in den nächsten Wochen und Monaten einer messerscharfen kritischen Analyse. Das Wort Exploit konnte in London im Zusammenhang mit dem Schweizer Team zu wenig gebraucht werden.

Nicht nur die Aktiven, auch die Funktionäre und Verbände müssen schleunigst über die Bücher, wollen sie in vier Jahren in Rio de Janeiro ein noch grösseres Debakel verhindern. Zwischen der allzu optimistischen Einschätzung von Swiss Olympic vor diesen Spielen und dem tatsächlichen Leistungsniveau der meisten Mitglieder der grossen Schweizer Delegation klafft eine beträchtliche Lücke. In Sachen Kommunikation muss sich vor allem Missionschef Gian Gilli, so viel Eifer und Lebensfreude der Bündner auch versprüht, seine Gedanken machen. Es macht wenig Sinn, wenn er der Öffentlichkeit und den Medien zu viel verspricht. Ein bisschen weniger Optimismus wäre letztlich mehr gewesen.

Dass Gilli sein Handwerk durchaus versteht, hat er nach dem bösen Twitter-Foul von Fussballer Michel Morganella bewiesen. Der Schweizer Missionschef zeigte dem Hitzkopf ohne Zögern und nach effizienter Zusammenarbeit mit dem Fussballverband die rote Karte. Damit verhinderte er einen noch grösseren Skandal. Aber für dieses rasche Handeln neben der Sportstätte gibt es weder eine Medaille noch ein Diplom.

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