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Der Vorstoss in die Komazone

Die Zürcherin Nicola Spirig holte bisher für die Schweiz mit dem Olympiasieg die Kohlen aus dem Feuer. Mit Sven Riederer greift morgen ein Zürcher Triathlet nach Gold. Er spricht von einer physischen und psychischen Herausforderung.

Sven Riederer geht im Triathlon auch schon mal über die Schmerzgrenze hinaus.
Sven Riederer geht im Triathlon auch schon mal über die Schmerzgrenze hinaus.
Keystone
Der Zürcher erreicht oft völlig erschöpft das Ziel.
Der Zürcher erreicht oft völlig erschöpft das Ziel.
Keystone
Riederer steigt aus dem Wasser.
Riederer steigt aus dem Wasser.
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«Eine Medaille ist möglich», gibt sich Sven Riederer optimistisch. Der 31-Jährige aus Wallisellen und sein Helfer Ruedi Wild sind morgen im Männer-Triathlon mit Start und Ziel im Hyde Park aus britischer Sicht nur als Statisten vorgesehen. Der Zürcher Unterländer plant jedoch anders. Als Riederer vor acht Jahren in Athen mit dem Gewinn von Olympia-Bronze überraschte, rannte er noch unbekümmert ins Glück. Bei seiner dritten Olympiateilnahme zählt er als 31-Jähriger zu den Routiniers. In Athen war er noch nicht verheiratet, mittlerweile ist er Vater zweier Söhne. Entsprechend hat sich der Fokus verändert. Geblieben ist indes der Biss, den es braucht, um in der Weltspitze mitzumischen. Anfang Juni begann der Dritte der aktuellen WM-Serie mit der unmittelbaren Olympiavorbereitung. Er erreichte das Niveau, das ihm vorschwebte. Den Beleg seines gelungenen Formaufbaus lieferte Riederer vor zwei Wochen mit Rang 4 nach beeindruckender Aufholjagd im abschliessenden Laufen im WM-Serie-Rennen in Hamburg, das für einmal im Sprint-Format (0,75/20/5) ausgetragen worden war.

Riederer brach in die Phalanx der beiden Topfavoriten ein

Auch die als fast unschlagbar geltenden Brüder Jonathan und Alistair Brownlee von Gastgeber Grossbritannien werden den Triathleten aus Wallisellen nicht unterschätzen. Schliesslich ist Riederer noch vor wenigen Monaten in die Phalanx der beiden eingedrungen; am Grand Final der WM-Serie im letzten Herbst in Peking war er hinter Alistair und vor Jonathan Zweiter geworden. Von den Gebrüdern Brownlee ist in London in allen drei Disziplinen ein Höllenritt zu erwarten. Mit Stuart Hayes wurde bei den Briten eigens ein starker Schwimmer als Tempomacher und Helfer des Superduos selektioniert. Das Trio bereitete sich zusammen mit dem ebenfalls teilnehmenden Slowaken Richard Varga in St. Moritz intensiv auf Olympia vor. Sven Riederer, der im Vorjahr beim Olympiatest in London Platz 9 belegt hat, kann im Radfahren gegebenenfalls auf den zweifachen Team-Weltmeister und aktuellen Schweizer Meister Ruedi Wild zählen.

Das Abrufen der Topleistung am Tag X

Riederer mag die Challenge der Fokussierung auf diesen einen Saisonhöhepunkt. Gefragt ist das Abrufen der Topleistung am Tag X. «Wie dies vor 2009 und der Einführung der WM-Serie bei Weltmeisterschaften der Fall war. Olympia birgt indes auch viele Gefahren. Man wird schnell nervös. Viele Favoritinnen bei den Frauen haben ihre Leistung nicht gebracht. Ich werde versuchen, bis zum Start locker zu bleiben. Im Rennen habe ich damit keine Probleme.» Eine Medaille sei möglich. Riederer: «Es wäre eine Überraschung, aber es liegt drin.» Nationaltrainer Iwan Schuwey weiss mit Riederer zwar den «stärksten Sprinter im Feld», doch Riederer muss erst das Kunststück gelingen, möglichst bis zur Zielgeraden in der Spitze oder zumindest im Kampf um Bronze zu verbleiben. Die Brownlees benötigen laut der Prognose von Schuwey für die abschliessenden zehn Laufkilometer wohl nur etwas mehr als 29 Minuten, den ersten Kilometer gehen sie dabei voraussichtlich in 2:40 Minuten an.

Wenn der Tunnelblick einsetzt

In der Endphase zählen immer nur die nächsten Meter, alles andere verschwindet aus dem Blickfeld und dem Gedankenraster. Der Tunnelblick setzt ein. «Im Triathlon kannst Du viele Sachen mit dem Kopf beeinflussen. Das ist in anderen Sportarten nicht so», sagte Riederer unlängst an einem öffentlichen Vortrag zum Thema mentale Stärke. «Sich festbeissen» heisst es deshalb früher oder später für Riederer. Schliesslich wird ein Vorstoss in die Komazone gefordert sein; einen Ort, den man wohl in keinem noch so harten Training simulieren kann. Wenn es gilt, die letzten physischen und mentalen Kräfte zu mobilisieren und bei höchster Intensität über der persönlichen Schwelle zu verbleiben.

si

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