«Tränen gibt es jetzt nicht mehr»

Wer ist schuld am Sturz und dem Skibruch von Dario Cologna? Der Doppelolympiasieger nimmt im Interview nach dem 50-Kilometer-Rennen kurz Stellung.

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Dario Cologna, wie ist es zum Sturz gekommen?
Ich weiss es nicht, ich wollte vor dem letzten Aufstieg noch eine Position gutmachen. Dann habe ich mich irgendwo verhakt, und es ist zum Sturz gekommen. Beim Aufstehen ist mir jemand über den Ski gefahren, da war das Rennen ganz vorbei.

War ein anderer Läufer schuld?
Wenn ich ohne den Skibruch hätte aufstehen können, wäre vielleicht noch etwas möglich gewesen. Der Läufer, der mir über die Ski gefahren ist, kann aber nichts dafür. Wenn man am Boden liegt, passiert das halt im Rennen.

Womit haben Sie den Ski verhakt?
Ich weiss nicht, ob es ein anderer Ski oder ein Stock war.

Wie war ihre Verfassung zu diesem Zeitpunkt?
Es wären am Ende wohl kaum drei Russen auf dem Podest gewesen, wenn ich den Sturz nicht gehabt hätte. Nein, Scherz beiseite. Ich habe mich sehr gut gefühlt, deshalb ist auch die Enttäuschung so gross. Ich habe eigentlich alles richtig gemacht, bin ein gutes Rennen gelaufen und war auch in der richtigen Position. Ich war bereit für den letzten Aufstieg. Darauf war ich vorbereitet. Ich habe schon mehrere Male gezeigt, dass ich dort schneller laufen kann als alle anderen. Man darf in diesem Moment dann halt nicht umfallen.

War es die Konzentration oder die Physis?
Weder noch, es ist einfach dumm gelaufen.

Hatten Sie Tränen nach dem Sturz?
Nie, Tränen gibt es jetzt nicht mehr. Ich bin jetzt sicher sehr enttäuscht. Diese Winterspiele waren für mich aber insgesamt sensationell. Wenn mir jemand vor Olympia gesagt hätte, dass ich nach der Verletzung zwei Goldmedaillen gewinnen würde, hätte ich sofort unterschrieben. Aber klar, ich hätte heute die Chance gehabt, noch eine Medaille zu gewinnen. Ich war auch sehr nah dran. Ich werde trotzdem mit guten Gefühlen nach Hause reisen.

In Vancouver sind Sie schon im 50-Kilometer-Wettbewerb gestürzt und an der letzten WM auch. Verbindet Sie mit dem Fünfziger eine Hassliebe?
Ja, es sieht so aus. Ich kann mir das auch nicht erklären, aber heute hat es auch bei anderen sehr viele Stürze gegeben. Zwei-, dreimal hatte auch ich Glück, dass ich nicht darin verwickelt war. Wenn es in der ersten Runde passiert, spielt es überhaupt keine Rolle, aber wenn es in der letzten Runde passiert, dann ist das eben blöd. Es ist halt sehr schnell passiert. Aber wenn ich mal bei einem Rennen stürze und dann dafür das nächste gewinne, ist das okay. Ich werde jetzt sicher nicht aufgeben. Irgendwann gewinne ich schon noch ein 50-Kilometer-Rennen. (sr)

Erstellt: 23.02.2014, 13:29 Uhr

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