Der Olympiafluch der Langläufer

Dario Cologna startet heute zum Skiathlon. Mit schwieriger Vorbereitung. Er ist nicht der Einzige.

Sieht sich nicht mehr als Patient: Dario Cologna ist guten Mutes.

Sieht sich nicht mehr als Patient: Dario Cologna ist guten Mutes. Bild: Keystone

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Dario Cologna jongliert am Flughafen von Sotschi mit einem Fussball, als hätte es diese Verletzung nie gegeben. Als wäre er Mitte November beim Joggen nicht dermassen unglücklich auf einer Eisblase ausgerutscht, dass er den rechten Fussknöchel operieren lassen musste – und erst knapp fünf Wochen später wieder auf die Ski stehen konnte. Wie ein Novize habe er sich gefühlt, sagte er damals. Wobei er ein Anfänger auf einem Niveau war, das selbst schnelle Hobbyathleten nie erreichen.

Ein schwedischer Gegner sah Cologna am Flughafen mit seinen Schweizer Kollegen tschüttelen und fragte ihn darum, wie fit er denn nun wirklich sei. «Bei 80 Prozent bin ich», sagte ein grinsender Cologna. Der Schwede schaute irritiert. Es war klar: Er glaubte dem Olympiatitelverteidiger über 15 km Skating kein Wort.

Das ist auch schwierig, wenn man um das Saison-Weltcupdebüt des Schweizer Sportlers des Jahres vor einer Woche weiss. Als hätte es diese Zäsur nie gegeben, stürmte er im Klassisch-Rennen von Toblach über 15 km auf Platz 2 – und war damit plötzlich wieder ein Olympiamitfavorit.

Dario Colognas Programm lässt seinen Bruder träumen

Obschon Cologna folglich auf zwei Langlaufski wieder zu Weltklasseleistungen fähig ist, seine Rekonvaleszenzphase läuft weiter. Sie dauert circa ein halbes Jahr. Er befindet sich in der Halbzeit. Denn zumindest wenn der 27-Jährige läuft, sind die Folgen des Sturzes weiterhin unübersehbar: Er hinkt relativ stark. Trotzdem sagt er: «Ich betrachte mich nicht mehr als Patient.» Er hat sich in den Bergen von Krasnaja Poljana gar ein so grosses Programm vorgenommen wie nie zuvor an einem Grossanlass. An allen sechs Wettkämpfen will er teilnehmen. Er hofft, mit den Renneinsätzen noch ein bisschen besser in Form zu kommen. Dank dieser Strategie wird für Gianluca Cologna wohl der grosse Wunsch Realität: Er dürfte mit seinem Bruder den Teamsprint in der klassischen Technik bestreiten.

Der Weltmeister aber denkt erst einmal nur an diesen Skiathlon über 30 km. Da will er möglichst schon die anvisierte Medaille gewinnen, zumal ihm der Parcours behagt. Ein enorm langer Aufstieg von gegen sechs Minuten wird gemäss Cologna wohl zur Entscheidung führen. Er mag solche Strapazen, weil er neben der entsprechenden Ausdauer sowohl die Kraft wie die Technik besitzt, um diesen Berg rasant hinaufpreschen zu können.

Northug und Olsson kämpften mit Viruserkrankungen

Bei einem anderen Mitfavoriten ist die Ausgangslage anders. Der Norweger Petter Northug dürfte zwar der Endschnellste sein, wenn es zu einem Schlusssprint käme. Solche langen Abschnitte hinauf aber behagen ihm gar nicht. Wie Cologna hatte er zudem eine durchzogene Vorbereitung. Ausgerechnet in der wichtigen Aufbauphase im Spätsommer fiel er wegen eines Virus zwei Monate aus. Während Cologna nach seiner Verletzung immerhin alternativ trainierte, konnte Northug wochenlang gar nichts tun. Lange lief er im Weltcup darum wie eine schlechte Kopie seiner selbst, kam zuletzt aber besser in Schwung.

Noch unglücklicher kämpfte Johan Olsson in den vergangenen Monaten. Der 50-km-Weltmeister fing im Spätherbst wie Northug ein Virus ein, der seine Lungen tangierte und zu Komplikationen führte. Der Schwede konnte noch im Januar nur bescheiden trainieren und gilt darum als grosse Unbekannte unter den Favoriten.

Allerdings zeigt gerade das Beispiel Cologna, in welch kurzer Zeit die Besten ein hohes Niveau wiedererlangen, wenn zumindest das Sommertraining stimmte. Das musste auch Petter Northug einsehen: Behauptete er vor Colognas zweitem Weltcuprang noch, sein ewiger Rivale werde in Sotschi eher chancenlos sein, sagte er danach: «Ich erwarte an den Spielen einen ganz starken Dario.» Der wird ihm zustimmen.

Erstellt: 09.02.2014, 08:41 Uhr

Skiathlon live

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet vom heutigen Skiathlon in Sotschi live ab 11 Uhr.

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