Interview

«Herr Seger, gewinnt die Schweiz eine Medaille in Sotschi?»

Mathias Seger (36) ist Captain von Qualifikationssieger ZSC und des Schweizer Nationalteams. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nimmt der Verteidiger Stellung zur Saison und zu Olympia.

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Guten Abend Herr Seger, da sind Sie ja.
Ich musste zuerst ein TV-Interview geben. Und nach dem Gespräch mit Ihnen muss ich zur Dopingprobe antraben. Es scheint, dass ich nie Feierabend habe (schmunzelt).

Dieser 2:0-Sieg gegen den EV Zug war aber ein ziemliches Geknorze.
Es war bestimmt kein schönes Spiel für die Zuschauer. Aber es war wichtig, dass wir vor der Olympiapause für einen positiven Abschluss sorgen konnten. Wir wussten, dass die Zuger in Form waren und in den letzten sieben Spielen viele Punkte geholt hatten. Deshalb war es uns auch wichtig, defensiv sauber zu spielen. Diesen Job haben wir erfüllt.

Der ZSC steht bereits jetzt als Qualifikationssieger fest. Konnten Sie sich diesen Erfolg vor Saisonbeginn vorstellen?
Damit rechnen kann man sicher nicht. Es ist sicher schön, dass wir so gut durch die Regular Season durchgekommen sind. Das gibt auch Selbstvertrauen und Mumm, im Alltag seriös zu trainieren und zu arbeiten. Wir können uns auch schon früh auf die Playoffs vorbereiten. Dennoch müssen wir uns im Hinblick auf das Saisonfinale noch steigern. Es kann auch gefährlich sein, wenn eine Mannschaft einfach durch die Qualifikationsphase durchmarschiert. Denn im Viertelfinal wird die Gegenwehr gross sein. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir nach der Olympiapause in den letzten drei Partien der Qualifikation solides Eishockey zeigen, damit wir für die Viertelfinals gut gerüstet sind.

Sie stehen in Ihrer 15. Saison mit den Lions. Können Sie sich erinnern, jemals mit dem ZSC eine solch problemlose NLA-Qualifikation erlebt zu haben?
Nein. Sie auch nicht, oder? (lacht).

Da muss man weit zurückschauen. Das war in der Saison 2002/03, als der ZSC unter Trainer Pekka Rautakallio die Regular Season gewann.
Stimmt, jetzt erinnere ich mich wieder. Was diese Saison betrifft, so muss man auch festhalten, dass viele grössere Mannschaften Probleme und schwächere Phasen hatten. Wir wurden von diesen verschont. Das schlägt sich schnell auf die Tabellensituation nieder, vor allem mit der Dreipunkteregelung für einen Sieg nach 60 Minuten.

Landauf, landab gilt der ZSC als Titelanwärter Nummer 1. Teilen Sie diese Einschätzung?
Es gibt acht Kandidaten, die Meister werden können. Und alle acht Mannschaften werden alles daran setzen, den Titel zu gewinnen. Es ist ja nicht so, dass der Qualifikationssieger automatisch auch den Titel holt. Es ist noch ein langer Weg bis dorthin. Und wie schon erwähnt: Wir müssen uns steigern.

Die Meisterschaft macht bis zum 25. Februar Pause. Das olympische Turnier in Sotschi klopft an die Tür. Wann rücken Sie ins Camp des Nationalteams ein?
Wir rücken am Montag in Kloten ein.

Nach der WM-Silbermedaille in Stockholm ist die Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Schweizer Nationalmannschaft sehr hoch. Haben Sie das auch schon feststellen können?
Wir mussten uns bisher immer auf den Club konzentrieren, was letztlich ja auch wichtig ist. Schliesslich will man mit einem guten Gefühl an die Winterspiele reisen. Die Erwartungen an uns sind nach Stockholm in der Tat hoch. Auch das Interesse ist gross. Das ist auch schön so. Mit dieser Erwartungshaltung muss man als Profi umgehen können.

Hand aufs Herz: Gewinnt das Schweizer Eishockey-Nationalteam in Sotschi eine olympische Medaille?
Jeder Fan muss sich bewusst sein, dass Sotschi ein anderes Turnier sein wird als die letzte WM. Die besten Eishockey-Profis spielen an Olympia mit. Und der Modus macht es schwer, weit nach vorne zu stossen. Aber wir haben ein gutes Team. Wir werden auf jeden Fall alles daran setzen, so weit nach vorne zu kommen wie möglich.

Was ist Ihre Erwartungshaltung an Sotschi?
Ich freue mich, dass ich auf sehr hohem Niveau Eishockey spielen darf. Das olympische Turnier garantiert eigentlich Sport auf allerhöchstem Niveau. Es ist aber auch schön, in Sotschi dabei zu sein, weil man ein Mitglied des Teams Schweiz ist. Du siehst und triffst andere Athleten. Das ganze Drum und Dran an Olympischen Spielen ist das Schönste, was ein Sportler überhaupt erleben kann.

Dann wollen Sie die Winterspiele mal primär geniessen?
Man muss eine gesunde Mischung finden, einerseits die olympische Atmosphäre aufzusaugen, andrerseits fokussiert zu bleiben auf den Sport. Unser Vorhaben ist es, diese Freude in positive Energie fürs Eishockey umzuwandeln.

Erstellt: 03.02.2014, 13:18 Uhr

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