So will Paris zurück auf die Überholspur

Die französische Regierung will mit einer offensiven Industriepolitik Märkte zurückerobern. Präsident François Hollande kündigte nicht weniger als eine «dritte industrielle Revolution» an.

Mit 34 «Kampfplänen» den Erfolg erzwingen: Roboter Nao grüsst Präsident François Hollande im Elysée-Palast in Paris.

Mit 34 «Kampfplänen» den Erfolg erzwingen: Roboter Nao grüsst Präsident François Hollande im Elysée-Palast in Paris. Bild: Keystone

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Mit einer neuen Strategie zur Stärkung von Zukunftsindustrien will Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit zurückerobern und Hunderttausende Arbeitsplätze sichern. Durch 34 «Kampfpläne» für Schlüsselzweige der Industrie, darunter die Automobilbranche und neue Technologien, sollen Innovationen gefördert und weltweit Märkte für die französische Wirtschaft zurückgewonnen werden.

Hollande machte bei seiner Rede vor Industriellen und Politikern im Elysée-Palast keinen Hehl aus den Versäumnissen der französischen Industrie. In zehn Jahren seien 750'000 Industriearbeitsplätze in Frankreich verloren gegangen, das Aussenhandelsdefizit habe 2012 über 60 Milliarden Euro gelegen.

Neben der Wirtschaftskrise sei ein hausgemachter Grund für die Entwicklung, dass lange der Glaube vorgeherrscht habe, Frankreich könne auf Industrie verzichten und sich mehr den Dienstleistungen zuwenden. Mit einer «offensiven» Strategie solle nun gegengesteuert werden.

Keine Staatsindustrie

Der sozialistische Präsident versicherte, dass die neue Industriepolitik keinesfalls eine Wiederauflage der Staatsindustrien der 60er- und 70er-Jahre sein werde. Vielmehr gehe es darum, dass der Staat den Privatfirmen bessere Rahmenbedingungen bieten und sie gezielt auch finanziell fördern wolle. Dafür seien drei grosse Bereiche definiert worden: Umwelt und Energie, Gesundheit und Lebensmittel sowie die Informationstechnologie.

Als Beispiele für mögliche Stärken der französischen Industrie, die nun gezielt gefördert werden sollen, nannte Hollande unter anderem den neuen Hochgeschwindigkeitszug TGV. Dieser solle ab 2018 mit einer Geschwindigkeit von 350 Stundenkilometern 640 Passagiere mit einem 20 bis 30 Prozent geringeren Energieverbrauch befördern.

In der Autobranche sei das Zwei-Liter-Fahrzeug in der Entwicklung, im Umweltbereich intelligente Textilfasern oder hochleistungsfähige Solarzellen. Auch Bio- und Nanotechnologien oder digitale Netze zählen zu den 34 Schlüsselbereichen der Strategie.

Milliarden vom Staat

Ziel ist es, in den nächsten zehn Jahren den Anteil der Industrie am Bruttoinlandprodukt (BIP) wieder zu steigern. Die Industriestrategie ist Ergebnis einer rund einjährigen Untersuchung im Industrieministerium von Ressortchef Arnaud Montebourg, der etwa durch seine Kampagne für das «Made in France» Schlagzeilen machte.

Unterstützt wurde die Analyse von der Beratungsgesellschaft McKinsey, die davon ausgeht, dass durch die 34 Pläne fast 480'000 Industriearbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden können. Binnen zehn Jahren könnten demnach die Exporte um 18 Milliarden Euro gesteigert werden.

Insgesamt könnte der Staat 3,7 Milliarden Euro für die Pläne aufwenden, damit die Industrie dann diese Investitionen fortführt. Staatliche Stellen, öffentliche Investitionsbanken und Forschung sollen mit den Firmen zusammenarbeiten. Projektleiter der 34 Schlüsselzweige sollen jedoch mit überwiegender Mehrheit Industrielle sein. (rub/sda)

Erstellt: 12.09.2013, 15:32 Uhr

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