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9 Fragen und Antworten zu DeosPanik wegen Aluminium? Unnötig!

Aluminium wird über die Haut kaum aufgenommen, viel weniger jedenfalls als bislang angenommen. Daher beurteilen Behörden und Experten aluminiumhaltige Deos neu als «unproblematisch».

Gegen Schweiss helfen nur aluminiumhaltige Antitranspirantien – Angst um die Gesundheit muss man deswegen keine haben
Gegen Schweiss helfen nur aluminiumhaltige Antitranspirantien – Angst um die Gesundheit muss man deswegen keine haben
Getty Images/iStockphoto

Aluminiumhaltige Antitranspirantien stehen seit Jahren in Verdacht, die Gesundheit zu schädigen oder gar Brustkrebs auszulösen. Auf immer mehr Produkten steht deshalb «0% Aluminium» – denn die Kundschaft will es so.

Womöglich ist die ganze Aluminium-Panik allerdings umsonst. Denn eine Neubeurteilung der Studienlage liest sich wie eine Entwarnung: Es werde viel weniger Aluminium über die Haut aufgenommen als bisher angenommen, schreibt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den regelmässigen Gebrauch von aluminiumhaltigen Antitranspirantien seien «unwahrscheinlich».

Der Schweizer Bundesrat sieht das ähnlich. In einer Anfang Juli publizierten Antwort auf ein Postulat schreibt er: «Nach aktuellem Wissensstand kann kein Kausalzusammenhang zwischen dem Aluminium in Antitranspirantien und Brustkrebs nachgewiesen werden.» Anlass für das Postulat war eine Studie von Forschern der Uni Genf, die in Zellkulturen Hinweise darauf fanden, dass Aluminiumsalze Krebs und Metastasen fördern können.

Was ist dran an den neuen Erkenntnissen? Wie gefährlich ist Aluminium wirklich? Und was sind die wichtigsten Quellen? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Aluminium?

«Aluminium ist nach meinem Dafürhalten unproblematisch», sagt Michael Arand, Professor am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Am besten dokumentiert seien noch Nierenschädigungen. Das ist insofern wenig überraschend, als das meiste Aluminium, das wir aufnehmen, über die Nieren wieder ausgeschieden wird. Lange habe man zudem befürchtet, dass Aluminium zur Entstehung von Demenzerkrankungen beitragen kann, so Arand weiter. «Dieser Verdacht hat sich aber nicht bestätigt.» Letztlich sei es aber nicht überraschend, dass Aluminium kaum toxisch sei. Denn Aluminium ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste. «Die Exposition ist nichts Neues für den Organismus», sagt Arand, «wir sind schon lange auf dem Planeten.»

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von aluminiumhaltigen Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs?

Ein solcher Zusammenhang konnte laut dem BfR bislang nicht belegt werden. Diese Ansicht teilt auch der Schweizer Bundesrat. In seiner ausführlichen Antwort auf das Postulat schreibt er, dass die Genfer Zellkultur-Studie, die zum Schluss kam, dass Aluminiumsalze Krebs auslösen können, methodisch nicht überzeuge. Daher sei es schwierig, die Resultate zu interpretieren. Der Verdacht, dass Aluminium Brustkrebs auslösen könnte, kam vor ein paar Jahren auf, weil man in Brustkrebszellen etwas mehr Aluminium gefunden hat als in anderen Zellen. Das stimmt so, sagt Michael Arand. «Aber Tumore speichern per se mehr Aluminium und andere Metalle.» Die Anhäufung von Aluminium sei daher nicht die Ursache, sondern die Folge des Krebses.

Worauf basiert die Neubeurteilung des BfR?

Vor allem auf einer neuen, 2019 publizierten Studie. Diese wurde vom Verband der europäischen Kosmetikindustrie in Auftrag gegeben. «Ein bisschen beunruhigt ist man deshalb schon», sagt Arand. «Aber soweit ich das beurteilen kann, scheint das eine seriöse Studie zu sein.» Für die Studie testeten die Forscher aluminiumhaltige Antitranspirantien an sechs Freiwilligen und massen danach die Konzentrationen des durch die (gesunde) Haut aufgenommenen Aluminiums in Blut, Hautgewebe, Urin und Kot. Das Fazit: Nur rund 0,002 Prozent des aufgetragenen Aluminiums fand sich danach im Körper wieder. «Das ist sehr, sehr, sehr, sehr, sehr wenig», sagt Arand.

Wo ist überall Aluminium drin?

In Lebensmitteln oder Getränken, in Zahnpasta, Lippenstiften, Antitranspirantien, Medikamenten (etwa Mittel gegen Magenentzündungen), aluminiumhaltigem Geschirr oder Verpackungen. Gemäss dem deutschen BfR findet sich Aluminium in verschiedenen Lebensmittelgruppen. Instant-Tee-Getränke, gemischte Rohkostsalate, Tee, Kakao- und Schokoladenprodukte tragen demnach am meisten dazu bei. Laugengebäck kann zum Teil erhöhte Aluminiumgehalte aufweisen, wenn wegen unsachgemässen Handlings vom Backblech Aluminium auf die Brötchen übergeht. Auch Gewürze seien zum Teil belastet, sagt Michael Arand. «Davon braucht man aber nur winzige Mengen.»

Welche Mengen sind unbedenklich?

Die empfohlene maximale Dosis beträgt 1 Milligramm Aluminium pro Kilo Körpergewicht (mg/kg KG) und Woche. Diesen Wert habe man aufgrund von Tierversuchen berechnet, sagt Arand. Dabei sei eine grosse Sicherheitsmarge mit einberechnet. «Bei Ratten sieht man bei der 200-fachen Dosis nichts.» Zum Vergleich: Wer täglich ein aluminiumhaltiges Antitranspirant benutzt, nimmt gemäss der neuen Industriestudie pro Woche gerade mal 0,2 Mikrogramm/kg KG auf – das ist ein Fünftausendstel der empfohlenen maximalen Dosis.

Helfen Deos ohne Aluminium gegen starkes Schwitzen?

Möglichst natürlich soll es sein, wünschen sich viele Konsumentinnen, aber bitte keine Schweissränder unter den Achseln! Das Problem: Beides geht nicht. Nur aluminiumhaltige Produkte wirken schweisshemmend (indem sie die Schweissdrüsen blockieren). Ausserdem wirken sie antibakteriell und deshalb geruchsreduzierend. «Eine wirklich wirksame Alternative ist mir nicht bekannt zumindest zum Auftragen», sagt die Dermatologin Marianne Meli. Wer sehr stark schwitzt, schaut sich vielleicht besser nach medizinischen Alternativen um: Kleine Mengen Botox, die vom Dermatologen unter die Haut gespritzt werden, sorgen beispielsweise für trockene Achselhöhlen während mehrerer Monate.

Worauf soll ich beim Kauf eines Deos achten?

Soll es lediglich für Frischeduft unter den Achseln sorgen, reicht ein aluminiumfreies Deo. Möchten Sie hingegen weniger stark schwitzen, muss es ein aluminiumhaltiges Produkt sein, also ein Antitranspirant nur diese hemmen die Schweissproduktion. Hilfreich ist ein Blick auf die Inhaltsstoffe: Aluminiumsalze müssen deklariert werden (z.B. als Aluminiumchlorid oder Aluminiumchlorhydrat). Dort sollte man auch schauen, dass kein «Alcohol» (bzw. «Ethanol») gelistet ist dieser kann die Haut reizen oder austrocknen. Übrigens: Je weiter unten in der Liste ein Inhaltsstoff gelistet wird, desto geringer die Menge im Produkt.

Wie verwende ich ein Deo bzw. Antitranspirant richtig?

Tragen Sie Deo nicht direkt nach der Rasur auf dann ist die Haut in der Achselhöhle gereizt und empfindlicher für Parfüm oder Alkohol, schädliche Stoffe dringen leichter ein. Auch bei kleinen Hautverletzungen oder Schürfungen ist Vorsicht geboten. Und auch wenn man am liebsten frühmorgens frisch riecht: Antitranspirantien sind noch effektiver, wenn sie vor dem Schlafengehen aufgetragen werden dann sind die Schweissdrüsen weniger aktiv, und die Wirkstoffe können besser einziehen. Bis zum nächsten Morgen hat sich dann die volle schweisshemmende Wirkung entfaltet.

Worauf muss man bei Aluschalen oder Alugeschirr achten?

Säure oder Salz können bewirken, dass sich Aluminiumionen aus einer Aluschale oder Aluminiumfolie herauslösen. Das BfR rät daher, zu vermeiden, dass säure- oder salzhaltige Lebensmittel direkt mit Aluminium in Kontakt kommen, man sollte solche Lebensmittel nicht in unbeschichteten Aluschalen erhitzen, warmhalten oder aufbewahren. Besonders beim Warmhalten können laut BfR viele Aluminiumionen freigesetzt werden. Allerdings sind viele Aluverpackungen, zum Beispiel Joghurtdeckel, beschichtet und damit unbedenklich. Michael Arand sieht bei der Thematik sowieso kein grosses Problem, die über Aluverpackungen aufgenommenen Mengen seien immer noch gering. «Ich persönlich hätte keine Angst davor.»